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Slawische Brautwerbungs- und Hochzeitsgebräuche
Entstehung
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Verlobung. Mancherorts gehen die nächsten Verwandten des Burschen umdas Mädchen freien und beginnen die Werbung mit folgenden Worten:,, Was, bei ihnen( den Eltern des Burschen) befindet sich ein Gänserich,aber keine Gans; diese wird sich hier finden. Ist es nicht möglich, siezu einem Paare zu vereinigen?" Manchmal gehen die Werber nicht sofortin die Stube, sondern klopfen ans Fenster, geben sich als Reisende ausund bitten um Nachtlager. Die Hausbewohner wollen sie zuerst nicht auf-nehmen, erst nach langen Unterhandlungen öffnen sie ihnen die Haustür.Einer von den Werbern sagt, sie seien Händler und hätten gehört, daßsich in diesem Hause eine schöne Ware befinde; sie seien gekommen, umsie zu sehen und zu kaufen. In manchen Gegenden geht der Werber mitdem Burschen ins Haus der Eltern des Mädchens. Das Mädchen setztsich neben den Burschen, und man beginnt zu essen und zu trinken. Nachdem Essen nimmt die Braut eine von den Flaschen, in denen die WerberSchnaps gebracht haben, füllt sie mit Roggen, umwickelt sie mit einemHandtuch und einem Gürtel und überreicht sie dem Werber oder demFreunde des Bräutigams. Der Bräutigam beschenkt die Braut mit Geld.

In der Umgegend von Vitebsk sendet der Bursche selber Werber aus.Gibt das Mädchen ihre Zustimmung, so bäckt die Mutter einen Eier-kuchen und verhüllt den Werbern die Köpfe mit Handtüchern. Daraufbegeben sich alle zum Gutsherrn, um ihn um Erlaubnis zu der Ehe zubitten.

Im Kreise Lepel' begibt man sich mit einem Hahn nach der Werbungzum Popen; den Hahn schenken sie der Frau des Popen. Der Bräutigammuß dem Popen für die Trauung bezahlen, was ,, godzić kunicu", die,, kunica" begleichen, genannt wird. Früher ging das Mädchen nach derWerbung mit aufgelöstem Haar und trug einen Kranz auf dem Haupte.Der Kranz wurde aus rotem Baumwollenzeuge gemacht und war eine ViertelArschin hoch. Er wurde der Braut aufs Haupt über der Stirn gesetzt,und ein rotes seidenes Tuch wurde darüber gebunden. Nach hinten hingenviele Bänder von dem Kranz herunter.

Mancherorts reichen die Eltern und die Tochter zum Zeichen ihrerZustimmung sich die Hand, was rukobit'je" genannt wird. Nach dem,, rukobit'je" darf keine Partei mehr zurücktreten. Manchmal bindet dieTaufpatin der Braut den Werbern Handtücher um den Hals.

Im Gouvernement Minsk verneigt sich der Werber nach den vierHimmelsrichtungen und beginnt die Werbung mit folgenden Worten: UnserStier hat sich an euere Kalbe gewöhnt, Gott möge es geben, daß euereKalbe zu unserem Stier getrieben werde." Hier mußte früher zu jederHochzeit die Erlaubnis des Gutsherrn eingeholt werden. Mitunter übteder Gutsherr sogar das ius primae noctis" aus, d. i. das Recht, mit derBraut die erste Nacht zu schlafen, und nur durch Geld war es möglich,

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" Kunica" ist eigentlich die Summe für die Braut, hauptsächlich wenn sie inein fremdes Dorf heiratet; s. Nosovič, Weißruss. Wörterbuch s. v. kunica".