OESTERREICHISCHE VOLKSTRACHTEN, HERAUSGEGEBEN VON DER SCHOKOLADENFABRIK SUCHARD
Salzburg
ierzulande weiß man noch heute mit altenTrachten auch alten Brauch zu pflegen undFeste zu feiern. In hellrot leuchtenden Staatsröckenbegleitet die Schiffergarde in Oberndorf, unweitdem Ausfluß der Salzach aus dem Lande, die Fron=leichnamsprozession. Die Tresterer im Pinzgau imobersten Salzachgebiet verstehen sich im Trippelnund Tanzen in schnellem Dreischritt auf alte Früh=lingstänze, die das Gras aufweckten" oder das,, korn ausläuteten" und denen die hellen Farbendes kleides und der wundersame Kopfputz einfrischlebendiges Ansehen gaben. Der ärmere Pon=gau, das Durchbruchstal der Salzach von hier zumFlachgau, stellt Schützen auch an Prangtagen nurin schlichterer brauner Lodentracht, aber mit derstolzen Hutzier des großblumigen Enzians. ManDerstand sich zu kleideraufwand namentlich beiHochzeiten im Flachgau, wo man Landsleute ausdem Oberösterreichischen zu begasten hatte. Daswaren stolze Bäuerinnen mit wandelfarbigenSeidenkleidern und Goldhauben und behäbigeGroßbauern mit Hausvätermänteln. Aber auch inGastein und Rauris bewahrt die altmodische Trachtnoch ein letztes bürgerliches Erinnern an die golde=
nen Tage des Bergsegens. Im Lungau, dem ober=sten murgebiet, trugen die Bergherren Sonntagsschmucke grüne Hagglröcke und grüne große Hütenach steirischer Art, nicht minder die Frauen seide-nen Staat. 3ell am See stand im Sonntagskleid vorkeinem wohlhabenden Markt der Alpengaue zurück,die Bergbäuerlein weiter oben blieben lange beimrauhen aber warmhaltigen Loden ihrer Hauswirt=schaft. Aber die lebensfreudigen Salzburgerinnenwarten allerwegen, so auch im betriebsamen Talgauund Salzburg überhaupt nicht, bis ein Trachtenfestsie aufruft, Kleidern aus der Großväterzeit die Ehrezu geben. Sie tragen ihre dunklen Faltenröcke undzierlich gefalteten Spenzer mit heller Schürze undflachem schwarzem Hut, zu dem schwarze Seiden-bänder gleich gut wie goldene Quastenschnürestehen, an jedem Sonntag als lebendige Dolkstracht,und die Männer haben zwar die würdigen Rad=mäntel abgelegt, aber von der grünen Joppe kannman heute noch sagen, daß man daran denSalzburger erkennt.
Univ.- Prof. Dr. Arthur Haberlandt
Direktor des Museums für Dolkskunde in Wien