Druckschrift 
1: Österreichische Volkstrachten : eine Sammlung österreichischer Trachtenbilder. [1] / Kärnten und Salzburg
Entstehung
Bludenz [1934]
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OESTERREICHISCHE VOLKSTRACHTEN, HERAUSGEGEBEN VON DER SCHOKOLADENFABRIK SUCHARD

In

Kärnten

n den Tagen der Festfeier nach der KärntnerDolksabstimmung im Jahre 1920 war in derLandeshauptstadt Klagenfurt ein überwältigendesBild zu sehen. Nicht zu Hunderten, zu Tausendenkamen kärntner aus dem ganzen Land in ihrenalten angestammten Trachten zu dieser Kund-gebung zusammen. Bauern aus den Tauern Ober=kärntens, die vom Großglockner her ins Landreichen, aus den Waldbergen des Liefer-, Gurk=und Metnitztales, aus dem freundlichen Lavanttal,aus dem Lesach= und dem vormals windischenGailtal, der betriebsamen und anmutigen Seen=gegend rings um Dillach), aus Städten und Märktenund schließlich dem Rosental und den Grenzbe=zirken, die so mannhaft der deutschen Landesein=heit kärntens die Treue gewahrt hatten. Es warihr schönster Staat in heller Festesfreude. Da gibt'snun richtige Bergbauerntrachten braun in braunim Mölltal und frischere Farben, grauen Loden mitgrünen Streifen im Lavanttal, wo das Land mitSteiermark in Derbindung steht, flotte rote loppennach Tiroler Art in den Südalpen des Lesach= undoberen Gailtals. Die reitlustige Jugend trägt hiernoch prächtige hohe Fuhrmannsstiefel. Dazwischentrug das Rosental bürgerliche braune Gehrock=mode. Einen Altbauern aus dem derkehrsreichen

Liesertal mit langen Hosen, blauem Schösselrock,hoher Halsbinde und Halbzylinder möchte man insolch weltläufiger Kleidung eher für einen nord-deutschen Handelsmann von der Wasserkante an=sehen. Eine Bürgerin aus Alt- Friesach steht mit ihremPrunkkleid aus gelber gesteppter Seide einer Hof-dame des 18. Jahrhunderts nicht viel nach. Bürger-liches Biedermeier zeigt St. Andrá im Lavanttal.Allenthalben tragen sich die Bäuerinnen des Dor=alpengeländes ehrbar, als Feststaat die dunklenKleider der Großmütterzeit, die Jungen ziehen dasDirndlkleid mit Hemdbluse und Schultertüchleinsamt Ropftuch oder Haube vor. Ein wenig wunder=lich aber doch kokett nimmt sich der städtisch mithohen Bandschleifen geputzte Reindlhut aus, aufden die älteren weitum noch viel halten. AlleSommerlust des sonnigen Unterlandes gibt dieweiße Tracht der Seeländerinnen wieder, wo derweiße Kopfputz schon windischen Stil verkörpert.Auch die Tracht der Gailtalerinnen verleugnetdiesen Einschlag nicht. Sie ist, im Winter ergänztdurch einen lichten Schafpel3, dabei von stilvollerGeschlossenheit wie selten eine.

Univ.- Prof. Dr. Arthur HaberlandtDirektor des Museums für Dolkskunde in Wien