OESTERREICHISCHE VOLKSTRACHTEN, HERAUSGEGEBEN VON DER SCHOKOLADENFABRIK SUCHARD
1
Österreichische Volkstrachten
ie weltbekannten Erzeugnisse der Suchard A. G.in Dorarlberg gehen nunmehr mit niedlichenSendboten in alle Bundesländer hinaus. UnsereLandsleute in alter Tracht, wie sie Gau um Gau inso bunter Fülle den Lebensstil und die Lebens-freude der Alpenbewohner wie der DonauländerDerkörperten, begleiten sie. Doralters! Denn heutesind sie zumeist nur Erbstücke, die man pietätvolldurch so manches Menschenalter in Truhen ver=wahrt hat und die nun die Enkel wieder ans Lichtheben. Aber so manches wurzelt auch noch oderdoch von neuem alsbald auch im eigenen Erleben.Bald sind sie derb und ernst, rauhem Arbeitslebenzugehörig, diese Kleider der Altpordern, aus haus-gemachtem Loden, grau und braun wie das Woll=kleid der Schafe und 3iegen in den Hochalpen, baldbiedermeierlich oder nach städtischer Art schlicht imbetriebsameren Dorland. Aber für den Sonn- undFeiertag sind sie schwungvoll und festfreudig inschimmernden Farben, feinen Stoffen, flotteremSchnitt. Mitwandelfarbigen Seidenröcken, Spenzern,Schürzen taten es die Bäuerinnen dem Bürgerstandgleich, Gold- und Pelzhauben durften nicht fehlen.
Den Jüngeren ziemte das schlichtere Dirndlkleid mitblühweißem Hemdlein und schmuckem Schultertuch.Die Männer kleiden sich zumeist mehr lebenswahrnüchtern, aber auch sie legten sich schnittige Hüte,bald hoch und spitz, bald rund und breit, zu, flottefarbige Joppen und stattliche Mäntel, wo es zuHochzeit und Festen wie Sonntags zu prangen galt.Brauch, der die Gemeinschaft der Familie, desDorfes, des Gaues erhält und trägt, ist es aller=wegen, der unser Dolk mit den Geschlechtern der=knüpft, die vordem gewesen sind.
So ist und bleibt auch wohl noch sein Festgewandim Grunde ein altpäterliches. Es ist ein ehrbaresErinnern, das die Auferstehung der Dolkstracht inheutigen Tagen mitbestimmt. Darum begrüßen wires als einen glücklichen Gedanken, daß ihre reicheFülle in unserer Heimat von Künstlerhand für alleWelt festgehalten wurde, so wie sie am schönstenund farbigsten in diesem und jenem Gau, an diesemund jenem Ort sich darbieten.
Univ.- Prof. Dr. Arthur HaberlandtDirektor des Museums für Dolkskunde in Wien