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ift zugleich der Prunkraum des Hauses, denn hier befinden fich diemeisten mit Schnitwerk oder Malerei gezierten, von der Bäuerinals Heiratsgut eingebrachten Möbel, wie das Ehebett, Truhen,Schränke und Stühle. Die gewöhnlich im Obergeschoß angeordnetenSchlafkammern der Söhne, Töchter und des Gefindes find in derRegel fehr einfach ausgestattet.
Die Küche des tirolifchen Bauernhaufes ist bei jenem der Ober-inntaler- Vinftgauer Type, wo die Wohnräume auf der einen unddie Wirtschaftsräume auf der anderen Hausfeite liegen, im Erd-gefchoffe gewöhnlich hinter der Stube angeordnet und mit lettererdurch ein kleines Schiebefenster in Verbindung. Bei den Bauern-häufern des Unterinntaler Gebietes, wofelbft die Wirtfchaftsräumeden Rückteil des Haufes bilden und der ganze Vorderbau Wohn-räume enthält, liegt die Küche zumeist gegenüber der Stube.
Die Nordtiroler Bauernküche( Taf. VII) ist in den Häufern mitgemauertem Erdgeschoffe überwölbt und der vom Herdfeuer auf-Steigende Rauch zieht im Raume frei zirkulierend durch eine Oeff-nung im Gewölbe zum Schornstein empor. In den aus Blockwändenerrichteten Bauten verbindet ein Rauchmantel den Herd mit demSchornstein. Der Herd ift an einer Ecke der Küche, von geräumigerAnlage, gemauert und mit einer feichten Vertiefung für die offeneFeuerung, neben welcher sich die Afchengrube befindet, verfehen.Im Oberinntaler Gebiete ist stets an einem Ende der Herdfläche dieHühnerfteige aufgestellt, welche durch ein abfteigendes Rohr imMauerwerk ins Freie leitet. Dort, wo nicht Backofen und Wasch-keffel außerhalb des Wohnbaues freistehend fituiert find, stehendiefe auch mit der Küche in unmittelbarer Verbindung, wobei dieBacköfen im Oberinntaler Typengebiete erkerartig an einer Seiten-front des Haufes ausgebaut erfcheinen.
Im füdlichen Landesteile ist die Herdfläche gewöhnlich nurmäßig über den Küchenboden erhöht und an zwei Seiten des Herdesfind Sitzbänke fo angeordnet, daß die Füße der fich dort im Winterzur Mahlzeit oder zur Raft niederlaffenden Hausbewohner auf dieHerdfläche zu stehen kommen. Hier erfolgt der Rauchabzug in derRegel durch Vermittlung eines Rauchmantels[ Taf. VIII).
In den aus Blockwänden errichteten BauernhäusernGetäfel.find naturgemäß fämtliche Wohnräume vertäfelt undin den gemauerten Gebäuden zum mindeſten die Stube und dasSchlafzimmer der Befizer. In allen Fällen erftreckt fich das Täfel-werk auf die ganze Wandhöhe. Die Wand- und Deckenvertäfelungenim Tiroler Bauernhause wurden von altersher mit Vorliebe ausdem homogenen kurzfaferigen Holze der in höheren Lagen ge-deihenden Zirbelkiefer hergestellt. Der praktische Zweck, bestehendin der Eigenfchaft diefes Holzes, die Verbreitung von Insekten zuverhindern, verbindet fich hiebei mit dem ästhetischen, nachdem deraftreiche Stamm der Zirbe für Täfelungen, welche nicht durch Schnitz-werk geziert werden, eine natürliche Malerierung der Bretter ergibt,die bei gefchickter Zufammenfügung der einzelnen Bretter einehübsche Belebung der Wandfläche bildet. Infolge feiner gleichmäßigdichten Struktur ift diefes Holzmaterial auch für alle Arten derSchnitzerei vorzüglich geeignet.
In älteren, aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammendenBauernhäusern findet fich noch die mittelalterliche Täfelungskon-struktion, bei welcher die Wandbretter in maffive Pfoften eingenutetwerden, vorherrschend. Derartige Wandvertäfelungen find in einzelnenFällen auch mit reichem plaftifchen Schnitwerk geziert, doch häufigermit Friefen im ausgegrundeten gothifchen Flachornament[ Taf. XIund XIII). Mit folchem Getäfel stehen zumeist sichtbare Tramdecken,bestehend aus nahe aneinander gereihten vierkantig behauenenTrämen, auf welchen die Fußbodenbretter des Obergefchoffes ruhen,in Verbindung. Die unteren Tramkanten find mannigfaltig mehroder minder reich abgefaßt und mehrfach auch die unteren Tram-flächen mit Schnitzerei geziert( Taf. XIII.) Das aus dem 16. Tahr-hundert stammende Schnitwerk im hier gegebenen Beispiele zeigteine intereffante Vermischung frühmittelalterlicher Stiltradition mitder eigenen Erfindung des bäuerlichen Künstlers. Zuweilen findenfich auch die Träme folcher mittelalterlich konstruierter Stubendeckenin Form eines flachen Tonnengewölbes angeordnet.
Täfelungen mit profilierten fchmalen Deckleiften und in Ver-bindung damit verschalte Tramdecken wurden in Tiroler Bauern-
صلاصلات
stuben vom 17. Jahrhundert an bis in die neuefte Zeit hergestelltund find demgemäß am häufigsten anzutreffen. Ihre Gestaltung istzumeist eine einfache, doch wird hiebei stets auf die Innenfeite derTüren und die Umrahmung ihrer Gewände eine befondere Sorgfaltverwendet und letztere faft immer mit Malerei oder Schnitzwerkgeziert( Taf. VI und XIV). Die Holzkonstruktion der Türgewändekommt hier zum Unterfchiede von der konventionell die Steinkon-struktion nachbildenden Türumrahmungen( Taf. VI und XIV] auchin den Verkleidungen der Gewändepfoften formal zum Ausdrucke,nachdem diese den beiderseitig die letteren übergreifenden Türfturzals folchen markieren. Das gleiche Prinzip zeigen auch die Türum-rahmungen der in die Wand vertieften Kästchen( Taf. V und XIX),welche faft in keiner Stube fehlen und zur Aufbewahrung vonGläsern und Eßbestecken dienen. Die eingekerbten Ziermotive derTürfüllungen und das gewöhnlich im Flachrelief gefchnitzte Archi-tekturdetail der Umrahmungen find den tektonischen Eigenschaftendes Holzmateriales vollkommen angepakt.
Wie überhaupt die Belebung der nicht getäfelten, einfach ver-putten Wandflächen mit Malerei in den Wohnräumen des TirolerBauernhauses zu den größten Seltenheiten gehört, fo finden fichauch nur vereinzelt bemalte Täfelungen, wie beispielsweise die aufTafel XV dargestellte einer Prunkftube der Herberge zu Graun imVinftgau.
Die vertäfelten Stubendecken( Taf. V, VI und XIII) werden durchschmale profilierte Deckleiften, welche fich in der Regel unter rechtenWinkeln kreuzend, flache Kaffetten bilden, belebt. Die Mittelpartieift häufig mit Schnitwerk geziert, welches religiöfe Symbole, wiedas Kreuz mit dem Namenszug Jefu oder Mariens, die schwe-bende Taube mit dem Strahlenbündel u. a. darstellt. Diefe Schnitz-arbeiten sind zuweilen auch bemalt, um fie kräftiger hervortretenzu laſſen.
Mannigfaltig geftaltet, oft kunftvoll ausgeführt und mit ge-fchroteten Linienwerk geziert find ferner die schmiedeifernen Schloß-beschläge und Griffe an den Türen diefer Bauernstuben( Taf. XVI).
Mobilien. Das Mobiliar des tirolifchen Bauernhauses weist
ebenfo eigenartige und charakteristische Typen auf,wie die Hausarchitektur und das Täfelwerk der Wohnräume. Mitletzterem stehen in der Regel nicht allein die oben erwähnten Bänke,fondern auch Klapptischchen und in die Wand vertiefte Schränkchen,fowie Waschkästchen( Taf. XIX) in Verbindung.
Der einfache dreibeinige Bockstuhl ist nur felten anzutreffen,dagegen allgemein die füddeutfche Art der Brettftühle, bei welchendie in mannigfaltigen Formen aus Brettern gefchnittenen Rücklehnenin das auf vier Beinen ruhende Sigbrett eingefchoben und mit dem-felben an der Unterfläche verkeilt find. Die Auszier diefer Stühlebeschränkt sich faft ausschließlich auf die Rücklehne und bestehtentweder aus gemaltem Dekor( Taf. VI) oder aus Relieffchnikerei( Taf. XVII) beziehungsweise ausgegrundeten Ornament[ Taf. XIX)Im Unterinntaler Gebiete tritt neben der erwähnten Stuhlform auchjene auf, bei welcher die Rücklehnen aus gefchweiften Brettchen.welche durch drei bis vier Brettftäbe mit dem Sigbrette verbundenfind, bestehen( Taf. XVIII).
Die in Tiroler Bauernstuben am häufigften angewendete Formdes Eßtifches( Taf. V) ift jene, bei welcher die quadratisch gestaltete,in einzelnen Fällen durch Intarsia gezierte Tischplatte( Taf. XVIII)auf vier fchräge nach auswärts gestellten Füßen ruht. Lehtere findfelten einfach vierkantig oder gedrechfelt, dagegen gewöhnlich durchAbfaffungen an den Kanten oder Schweifungen geziert und unterfich durch Querleiften verfteift. Neben diefer Tischform findet fichdie mittelalterliche Konstruktion des Zargentifches( Taf. XIX) beilängeren Tischplatten, wie folche vornehmlich in Gaftstuben zur Ver-wendung kommen. An folchen, wie an jenen Tischen, bei welchenvier Diagonal gekreuzte Zargen das Fußgeftell in der Mitte desTifches bilden( Taf. XVIII), fehlen die Schiebeladen.
Eine befondere Ausstattung, vornehmlich durch Malerei, zeigtin der Regel das bäuerliche Ehebett( Taf. VI), welches in ältererZeit vorwiegend als doppelfpänniges Baldachinbett( Taf. XIX u. XX)hergestellt wurde. Die gemalte Zier der aus Weichholz hergestelltenBettlade zeigt an den Gefimsgliederungen und Baldachinfäulchenhäufig eine grellfarbige Marmorierung und an den umrahmenden