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Volksschauspiele aus Obersteiermark
Entstehung
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2. Man darf ja nicht iedem Trauen,sei erimmer, 1) wer er will,lieber Häuser auf Sand bauen,als das Man soll reten 2) viel,

dann die Freunt einanter hassen,wie man stets vor augen sicht,keiner darf sich mehr verlassenauf ein freindlichs angesicht.

3. Der Mund thut oft viel versprechen,

wo das Herz entfernet ist,

dan die schönsten Rosen stechen,weil die Torn begraben lieg,ja auch unter schönen Hecken,das ist gewis und kein gedicht,viel vergifte Schlangen stecken,trau der falschen Welt nur nicht

4. Lieber will ich einsam leben,lieber will ich einsam sein,als zu leben erst anheben,

heicheln, schmeicheln auf den schein,dan dieß sint die rechten Kazen,

die nur lachen ins gesicht,

vorne lecken, hinten krazen,

drau der falschen Welt nur nicht

Der Jeger Singt vor der Tör. 3)1. O Schenste Schäfrin Thu nicht

schröcken, 4)

er-

ein armer Schäfer stet vor deiner Tier, ³)weil sich der hele Tag dethe 5) verstecken,komme o Schenstes Kind erefne 6) mir,laß mich hinein zu dir,

ich wil dir Tancken dafür,

wiel sein nun allezeit Schäfersmann dir.

Wohl die Schäferin.

2. Sag mir o Schäfer, was denkest du dier,das du nicht eh um ein Hütlein umschaustdas du bei spatter 7) Nacht kommest zu mir,ich las niemant herein,

möchts 8) ein Ausspeher 9) seyn,vor 10) mich ist böser, 11) ich bleibe allein.

wohl der Schäfer.

3. Ich bin ja nicht kummen dich zu Spez

Zieren, 12)

suntern 13) die grose noth dreibt mich darzu,es möcht mich in finstern Walt wol was

verfüren

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oder auffressen gar ein wildes Thier,las mich zu dir hinein,

ich wil dir danckbar sein,

Treu will ich dich lieben ins Grab hinein

wohl die Schäferin.

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4. Ich bin nicht von Eisen, will mich er-barmen,

Kum, kum, es ist schan erefnet 14) die Port,mir 15) thut ja wohl öfters behalden ein

armen,

will dir vergünnen in mein Hüthlein einort,

hier hast du Käß und brot,darfst leiten 16) gar kein nod, 17)

morgen, wans Tag wird, gest wiederum fort.

wohl der Schäfer.

5. Leide kein Hunger nicht, bin Schon zufriten

Schäferin, dein Persam

Speiset mich schan,

ich hab schan lang, Schan lang

nach dir gestritten,

weill ich nur ein mahl die liebes gnat 18) hab,jetzt seint wir ganz allein,

Sie soll mein Schäfrin sein,

dreu 19) will ichs lieben ins Grab hin ein.

Der Jäger.

No. 1044(= 144). Schäfrin, was machts 20)hier in diesen Walt,Schäfrin, bleib bei mir in meiner Schäferey,wo alle Wullustbarkeit vorhanten sey,du hast ein lustiges leben

und vil Freüt und Lustbarkeit dar neben

Die Schäfrin.No. 1045(= 145). Ich bin ein Schäfrin inder einsamkeit,

die Schäflein zu Weiden, das ist meine Freutund ein Schäfrin will ich bleiwen 21)und die zeit in der Einsamkeit vertreiben-

Der Jeger.

No. 1046( 146). Bist du ein Schäfrin inder Einsamkeit,

so kom zu mir in meine Schaferey,da hast du Freid und alle ergötzlichkeit

1) sei er immer. 2) reden, soll aber besser wohl trauen heißen. 3) Tür.4) Vergl. bei Schlossar a. a. O., S. 46, das gleiche Lied, das jedoch viele Abweichungenvon dem hier mitgeteilten aufweist.8) möchtest. 9) Ausspäher, Spion.auszuspionieren. Vergl. Schlossar I, 46, Z. 43.

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5) tät.10) für.

6) eröffne, öffne.11) besser.13) sondern.

15) man.- 16) leiden. 17) Not. 18) Liebesgnad'.

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7) später.12) molestieren oder14) schon eröffnet.-

19) treu.- 20) machst.

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21) bleiben.