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Schulbücherliteratur, der Volksbibliotheken und der Zeitungen; denVolksschauspielen, diesen höchsten Blüten der Volkspoesie, arbeitet,abgesehen von den oft ganz unmotivierten Verboten der Behörden,zum Teil das Kunstschauspiel, zum Teil die Brettelliteratur feindseligentgegen: kein Wunder darum, daß die Freude am Singen der altenVolksweisen im Volke selbst erlahmt, die Märchenerzähler der Spinn-stuben aussterben und die bäuerlichen Komödienspieler verstummen.Mit dem Erlahmen der Freude an den Volksliedern, dem Aussterbender Märchenerzähler und dem Verstummen der Volksschauspielergeht jedoch leider die Volkspoesie vor unserem Auge zu Grabe. Hiergilt es darum vor allem zu retten, was noch zu erhalten ist, ehe eszu spät wird. Ich habe es darum bei meiner Betätigung auf demGebiete der Volksforschung, die sich zwar wohl hauptsächlich derErforschung des Bauernhauses zuwendet, nie übersehen, auch derVolkspoesie meine Aufmerksamkeit zuzulenken. Meine Arbeiten:Heanzische Sprichwörter( Ethnologische Mitteilungen aus Ungarn,III. Bd., 11. bis 12. Heft, Budapest 1894), Heanzische Kinderreime( Supplementheft I zum VI. Jahrgang der Zeitschrift für österr. Volks-kunde, Wien 1900), Heanzische Volkslieder( Zeitschrift für österr.Volkskunde, Bd. XV, S. 27 ff.) und Schwänke, Sagen und Märchenin heanzischer Mundart, Leipzig 1906, mögen hiervon Zeugnis geben.Obwohl nun die vorliegende Sammlung von obersteirischenVolksschauspielen nach dem Gesagten ihr Erscheinen nicht geradedem Spiele eines Zufalles zuschreiben kann, muß ich bekennen,daß ein glücklicher Zufall hierbei doch eine Rolle spielte. Ichschildere ihn kurz, da er den ersten Schritt in der Geschichteder Entstehung der Sammlung bildet.
Ich hatte während der Ferienmonate des Jahres 1908 inder Gegend von Murau im Auftrage der Wiener Anthropo-logischen Gesellschaft das Bauernhaus zum Gegenstande meinesStudiums gemacht und hiebei, wie mir dies schon zur Gewohnheitgeworden, stets auch auf andere volkskundliche Vorkommnisse meinAugenmerk gerichtet. Viele Bauernhäuser und namentlich derenDachböden sind bekanntlich wahre Fundgruben für den Volksforscher.Bei einem der letzten der zur Aufnahme bestimmten Häuser, demMüllner- Hause, Nr. 25 in St. Lorenzen ob Murau, beschäftigt, warmir von den entgegenkommenden Insassen des Hauses erlaubtworden, einen alten Kasten zu öffnen und in dessen Inhalt zu kramen.Hierbei stieß ich auf einen dünnen Quartband, der zu meinem Er-staunen vom Anfang bis zum Ende nicht gedruckt, sonderngeschrieben war. Nachdem ich kurze Zeit darin geblättert hatte,ward ich gewahr, daß mir eines der in den Alpenländern noch vorkurzer Zeit häufig zur Aufführung gebrachten Volksschauspiele in dieHand gekommen. Es war ein Spiel vom ägyptischen Josef. Aufmeine Frage, wie denn dieses Buch in den Kasten gekommen sei,