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Rezente Pfahlbauten von Donja Dolina in Bosnien
Entstehung
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durch Leichtsinn, Mißwirtschaft und vandalische Verwüstungen voll-ständig entwertet, und so finden wir gegenwärtig die Forste in einemsehr herabgekommenen Zustande. Es gab aber noch vor kurzer ZeitLeute, welche erzählten, daß man auf jene mit dem Finger zeigte,welche den Mut faßten, durch den Wald bis an die Matura, einenkaum eine Stunde von der Save entfernten Fluß( s. unsere Karte)vorzudringen. Den Waldwuchs besorgte die Natur selbst, soweit dieobigen Vorgänge dies nicht verhinderten. Abästungen, Abschälungen,Abgipfelungen der Bäume zum Viehfutter waren seit jeher an derTagesordnung. Aber auch die Axt mißwirtschaftete rücksichtslos. DasSumpfland gestattete zum Glück keine Ziegenzucht, und so konntensich trotz des großen Vandalismus von Seite der Bevölkerung nochziemlich große Bestände bis heute erhalten. Erst seit der Neu-besiedlung begannen sich die Wälder zu lichten. Zuerst wurdenkleinere Blößen besetzt und mit der Zeit durch natürliche Vermehrungder Bevölkerung und Einwanderung neuer Ansiedler diese immermehr erweitert und zu Ackerland umgewandelt.

Daß diese fruchtbaren, wenn auch periodischen Überschwem-mungen ausgesetzten Gegenden Nordbosniens seit uralten Zeitenbewohnt waren, ist selbstverständlich. Freilich mußten sich die An-siedler dieser Gegenden den Verhältnissen der sie umgebenden Naturanpassen und ihre Lebensweise dementsprechend einrichten. ImGegensatz zu dem übrigen Hügel-, Berg- und Waldland sowie zumKarstgebiet, wo die Häuser und andere Bauten direkt auf dem Bodenstehen, mußten diese im Inundationsgebiete auf Pfähle gehoben werdenum dem austretenden Wasser einen ungestörten Durchgang und Ab-fluß zu ermöglichen. Diese Bauart können wir eben am deutlichstenin der Umgebung von Dolina verfolgen.

Ob wir nun in den gegenwärtigen Pfahlbauten, die wirwohl als die typischesten Bosniens und ganz Europas überhaupt be-zeichnen können, die Fortsetzung der vorgeschichtlichen erblickendürfen, läßt sich vorläufig noch nicht sagen, da genügende Anhalts-punkte für eine solche Annahme bisher fehlen. Es sind zwar inDolina große Flächen systematisch untersucht worden, alleingrößere Funde aus der römischen Epoche sowie aus dem Mittel-alter kamen nicht zutage; die wenigen geringfügigen Objekte ausden genannten Epochen können auf keinen Fall einstweilen alsZeugen einer dauernden Besiedlung angesehen werden. Umsomehrüberraschen uns große Übereinstimmungen in der Konstruktion dergegenwärtigen Bauten mit jenen aus der prähistorischen Zeit, aufwelche im Laufe dieser Arbeit hingewiesen wird. Nach meinemDafürhalten dürfte schließlich doch eine solche Fortsetzung, wennauch nicht in so einem großen Maße, bestehen, wofür wohl diegenannten großen Übereinstimmungen in der Konstruktion am deut-lichsten sprechen.