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Versuch einer Psychologie der Volksmedizin und des Aberglaubens : eine ethnologische Studie
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Dort erzählte mir¹) eine alte Eskimofrau Glossary ::: show glossary-entry  Eskimofrau vermittelst eines Dolmetsches, daß ihranläßlich eines einsamen Spazierganges ein Geist, der sogenannte Kivigtok,erschienen sei; sie habe ihn bloß verschwommen gesehen, aber aus seinen deutlichwahrnehmbaren Füßen und seinen langen Haaren doch erkannt, daß es der bekannteKivigtok sei. Sicherlich hat der Glaube an dieses Gespenst in der Einsamkeit aufdie Frau suggestiv gewirkt. So vorbereitet, hatte sie offenbar eine Halluzination.In der Schweiz wird nach St. an einen Waldgeist vom Ranzachtobel"geglaubt. Es ist ein Dämon, der sich in dieser Schlucht zwischen St. Gallenkappelund Uznach aufhält. Er erscheint mit Vorliebe in der Adventzeit und bannt"die Menschen, d. h. er zwingt sie, in dem Augenblick, in dem sie ihn sehen, wiefestgenagelt auf ihrem Platze stehen zu bleiben. St. bringt uns auch eine dies-bezügliche Erzählung: Eine Frau geht im Ranzachtobel ihres Weges; es steigt vorihr plötzlich das nebelhafte Gebilde eines Mannes auf und in diesem Moment kannsie nicht von der Stelle. Sie nimmt nun ein weißes Tuch, betet die sogenannten, 5 Wunden' und kehrt den Boden im Namen der heiligen Dreifaltigkeit und erlöstso die, arme Seele"". Wir haben hier also religiöse Beziehungen: Die armeSeele wird mit dem Geist identifiziert. Es ist eine nicht zur Ruhe gekommeneSeele eines Verstorbenen. Wieder haben wir hier eine auf Glauben und Einsamkeit.basierende Suggestion mit nachfolgender Gesichts- Halluzination vor uns.Das Abwehrverfahren ist mit dem Erwecken aus einer Hypnose durchAblenkung der Aufmerksamkeit von der Erscheinung identisch.

St. 2) führt eine Reihe von Momenten an, die suggestiv wirken können,u. a. auch Einsamkeit, ferner aber lang andauernde Krankheit, Erschöpfung,Nervosität u. dgl. m. Behufs absichtlicher Hervorrufung einer Suggestionwerden bei verschiedenen Völkern folgende Mittel, die dem Kulturkreise derMalayen, der alten Griechen, der Ägypter und der Volksmedizin ent-nommen sind, angewendet:

Bei den Malayen:

Verbrennen wohlriechender Substanzen,

Absingen einförmiger Weisen,

Eintönige Geräusche, eintönige Musik, Geläute,

Autohypnose,

Unbewegliches Sitzen und Anstarren einer Person oder eines Objekts.

Bei den alten Griechen( Delphisches Orakel):

Aufsteigende Dämpfe,

Kauen von Lorbeerblättern,

Reinigungszeremonien.

Bei den Ägyptern:

Allgemeine mysteriöse Vorbereitungen,( z. B. Verdunkeln des betreffenden Raumes),Verbal- Suggestion, d. h. Zauberformeln,

Mimische Suggestion, d. h. Bestreichen des Körpers mit der Hand u. dgl.,Fixierenlassen eines leuchtenden Gegenstandes,

Fixieren des Hypnotisierten durch den Blick des Hypnotiseurs.

1) Rudolf Trebitsch, Bei den Eskimos Glossary ::: show glossary-entry  Eskimos in Westgrönland. Dietrich Reimer, Berlin 1910. S. 77, 78.2) Stoll, 1. c. S. 104, 301, 335, 551.