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Von Söhns¹) erfahren wir, daß Eryngium campestre deshalb Männer-treu heißt, weil die Wurzel zweiteilig ist und beide Teile einander also gewissermaßendie Treue bewahren. Der Liebhaber Sapphos sicherte sich die Liebe der Dichterin,wie es heißt, dadurch, daß er die Pflanze stets bei sich trug, also derselbe Vorgangwie heutigentags in Niederösterreich. Er war aber damals wohl auf das Verhaltender Wurzel der Pflanze zurückzuführen( Symbolismus). Im deutschen Altertumbedeutete Treue Wohlwollen, daher die Leute damals die Pflanze immer bei sichtrugen, um sich das Wohlwollen der Götter zu erhalten. Nach Söhns heißt dieLobelia mit ihren reizenden weißen oder blauen Blüten Männertreu, in Sachsennennt man die Distel( Cirsium eriophorum) so und im Bergischen die VeronicaChamädrys, weil ihre Blumenkrone leicht abfällt.
Gegen Furunkel sie werden in der Schweiz„ Eissen" genannt( St.)wird in der Kirche von Gommiswald vor der Statue des heiligen Rochus( dieHeiligenfigur stammt aus dem 15. Jahrhundert) ein Rappen in den Opferstock depo-niert. Hier sind es religiöse Beziehungen, die wir vor uns haben und die wohldamit zu erklären sind, daß das Volk die Pestbeulen mit Furunkeln ver-wechselt und deshalb die mit Pestbeulen behaftete Rochusstatue um Heilung derFurunkel anfleht. Rochus lebte, nach Kerler2), in Frankreich im 14. Jahrhundert undheilte dort und in Italien viele Gläubige auf wunderbare Weise von der Pest, wie dieLegende berichtet. Darum wird er als Pestheiliger in allen katholischen Ländern ver-ehrt. In Galgenen( Kanton Schwyz) wird in der dortigen Kirche der heilige Jodocusbehufs Heilung der Furunkel angerufen, und zwar in der gleichen Weise wie derheilige Rochus in Gommiswald. Warum der heilige Jodocus zur Heilung der Furunkelherangezogen wird, darüber erhalten wir selbst bei Kerler keinen Aufschluß. Wirerfahren aus dieser Quelle bloß, daß Jodocus im 7. Jahrhundert lebte und dereinsteine Quelle auf dürrem Felde hervorzauberte, wodurch dieser Acker an Fruchtbar-keit bedeutend gewann. Die Quelle soll auch die Macht gehabt haben, Fiebernde zuheilen. Vielleicht daher die Anrufung des Heiligen bei Furunkeln, die ja auch manch-mal mit Fieber einhergehen können.
Bei Blutungen der Lunge sowie bei Nasenblutungen wird dem Patientenin der Schweiz( St.) die Wurzel von Allermannsharnisch in die Hand gedrückt.Der Brauch war nach Kf. als Schutz vor Blutungen in ganz Deutschland imMittelalter heimisch. Der Name der Pflanze rührt nach Söhns³) daher, daß derenWurzel mit Haaren überzogen ist und wie ein Harnisch aussieht. ,, Wie ein Harnischvor Verwundungen schützt, so möge die Pflanze auch bei Blutungen wirken"- diesmag die Volksseele gedacht haben, also ein auf der Etymologie beruhender Sym-bolismus.
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Bei Bleichsucht( Chlorose) werden in der Schweiz( St.) rostige Nägelin Rotwein gelegt, von dem dann getrunken wird. Nebenbei werden Bienenhonigund Milch genossen. Nach Kf. werden in Bayern sowie in manchen anderenGegenden Deutschlands, Galiziens und im Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient Äpfel verwendet, in welcheein Nagel hineingesteckt wurde, der ja dann auch rostig wird. Der in der Schweizgebrauchte Honig sowie die Milch sind sicher als ganz vernünftige Hausmittel zurHebung der Ernährung zu deuten. Dem Verfahren mit den Nägeln liegt möglicher-weise folgender Symbolismus zugrunde:" Wie der rostende Nagel seine rote1) Franz Söhns, Unsere Pflanzen. Leipzig 1904.
2) D. H. Kerler, 1. c., s. Rochus.
3) Söhns, 1. c.