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Versuch einer Psychologie der Volksmedizin und des Aberglaubens : eine ethnologische Studie
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Versuch einer Psychologie der Volksmedizin und des Aberglaubens.

Eine ethnologische Studie.

Von Dr. med. et phil. Rudolf Trebitsch in Wien.

Soweit mir die Literatur der Volksmedizin und des Aberglaubens bekannt ist,vermisse ich in ihr die Motivierung der ziemlich reichlich von allen Seiten zusammen-getragenen Erscheinungen nahezu vollständig. Es handelt sich bis jetzt fast aus-schließlich um eine Aufsammlung von Tatsachen. Bei Durchsicht des Materials binich aber auf einige Punkte gestoßen, die mir auf die Frage Antwort zu gebenscheinen: Wie ist dieser oder jener Gebrauch der Volksmedizin und des Aberglaubensentstanden? Erst wenn wir dieses Problem enträtseln, rücken wir das ganze Ge-botene in das Licht der Wissenschaftlichkeit. Freilich bin ich mir dessen bewußt,daß es sich in sehr vielen Fällen bloß um Hypothesen handeln kann; wir sindnämlich nicht sehr oft in der Lage, den Ursprung eines Vorkommnisses aufzudecken,was zu dessen Verständnis doch unerläßlich wäre.

Dabei glaube ich, Volksmedizin und Aberglauben in einem behandelnzu müssen, da sich beide Gebiete kaum voneinander trennen lassen. Allerdings gibtes gewisse Vorgänge in der Volksmedizin, denen sicherlich Erfahrung zugrundeliegt. Sie sind dann auch häufig in die wissenschaftliche Medizin über-gegangen. Derartige Erscheinungen sollen uns jedoch hier nicht beschäftigen.

Die Darlegung meiner Argumentationen möchte ich an der Hand zweier Werkedurchführen. Das erste ist: Stoll, Zur Kenntnis des Zauberglaubens, der Volks-magie und Volksmedizin in der Schweiz", S.-A. aus dem Jahresberichte der Geo-graphisch- ethnographischen Gesellschaft in Zürich 1908-1909, Zürich 1909. Hierfindet sich eine sehr gute Einteilung des Gegenstandes, die ich mit einigen vonmir vorgenommenen Änderungen benützen will.

Außerdem sind in der Schrift hieher gehörige Erscheinungen wissen-schaftlich behandelt, die, meines Wissens, bis dahin nicht in den Kreis der Be-trachtungen gezogen worden sind. Und gerade sie verdienen Beachtung wegen ihrervermutlich großen geographischen Verbreitung und wegen ihrer Beziehungenzu den eben jetzt so akut gewordenen Fragen des Spiritismus. Bekanntlich istja diese Lehre in der allerletzten Zeit einer Nachprüfung mit den Methoden derexakten naturwissenschaftlichen Forschung unterzogen worden. Ich meine hierprophetische Träume, Visionen und ähnliches. Der Einfachheit halber wirddas erwähnte Werk im folgenden mit St. bezeichnet.

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Die zweite Arbeit, deren Führung ich mich hier anvertraue, ist Hovorka& Kronfeld, Vergleichende Volksmedizin", Stuttgart 1909, 2 Bände. An der Handdieses Kompendiums ist es mir möglich geworden, die im ersten Werke besprochenenErscheinungen über den Erdball zu verfolgen. Es wird im folgenden kurzweg mitKf. bezeichnet. In der Ethnologie und Ethnographie ist es ja unerläßlich, Vergleichs-punkte aus den verschiedenen Ländern heranzuziehen. Nur so, glaube ich, könnenMitteilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien, Bd. XLIII, 1913.

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