Wien, Ende Oktober 1916.
2289 SA
BIBLIOTHEK DES VETE
FÜR ÖSTERREICHISCHE VOLKSKUNDE
LITERATURBERICHTE.
Überreicht vom Verfa
13.
Frassetto, F.: Lezioni di Antropologia. Vol. II, Par. II. 8º, XIV und 382 pag. mit2 Tafeln und 211 Textabbildungen. Roma( Ermanno Loescher& Co.) 1913.
In dreizehn Vorlesungen wird der kranioskopische und osteologische Teil der systematischenAnthropologie behandelt und dadurch der zweite Band dieses Lehrbuches, welcher mit diesem Themabegann, weiter fortgeführt.( Siehe die Besprechung des ersten Teiles in den Mitt. d. Anthrop. Ges. inWien, Bd. XLIV, 1914, S. 224.) Es würde nun noch die Osteologie der langen Röhrenknochen desSchulter- und Beckengürtels und die Somatologie zur Vollendung aller Kapitel der systematischenAnthropologie ausstehen. F. Frassetto zeigt sich wieder als Schüler G. Sergis, den er oft erwähntund dem er in vielem folgt, so in der Anwendung der Bezeichnungen für die Formen des Gesichtsskelettsals elliptisch( und langelliptisch), eiförmig( lang und kurz), dreieckig( kurz und lang), viereckig( rechteckig,rautenförmig und quadratisch), kreisförmig und fünfeckig. Auch dem Referenten scheint es empfehlens-wert, nicht nur das Gesicht in seinen Weichteilen, sondern auch das Gesichtsskelett in dieser Weisezu charakterisieren, Sergi und Frassetto gehen hier ganz ähnlich vor wie auch bei der Beschreibungdes Gehirnschädels; diese, letztere Nomenklatur ist ja allgemein bekannt geworden. Die verschiedenenFormen der Nasalia sucht der Autor unter nur vier Haupttypen unterzubringen. In der Beschreibungder birnförmigen Öffnung folgt er E. Zuckerkandl, v. Hovorka und G. Mingazzini. Bei der Be-sprechung der Schädelnähte berücksichtigt er Broca und St. Oppenheim. Augenhöhlen, Gaumen undUnterkiefer sind wohl etwas kurz behandelt. Dagegen widmet F. Frassetto der Phylogenese undOntogenese des Schädels etwa einen Bogen. Ebenso geht er ausführlich auf den Verknöcherungsprozeßein und bringt drei Abschnitte über die Ossifikationszentren und über das damit zusammenhängendeVorkommen überzähliger Nähte. In ähnlicher Ausführlichkeit beschäftigt er sich in einem weiteren Ab-schnitte mit den Fontanellen und den Fontanellknochen. Zwei Vorlesungen handeln von der Phylogeneseund Ontogenese der Wirbelsäule, eine von dem Messen und eine von dem Zeichnen derselben. Rippenund Sternum werden ebenfalls zuerst von dem entwicklungsgeschichtlichen und embryologischen Stand-punkte besprochen, dann folgt das Messen und Zeichnen dieser Skelettknochen. Zur Thorakometrieempfiehlt er einen von Viola konstruierten Gleitzirkel, der jedoch wenig handlich aussieht, im Ver-gleiche zu dem großen R. Martinschen Tasterzirkel.
Wie die früheren Teile des Lehrbuches, ist auch dieser Band wieder sehr klar und übersicht-lich abgefaßt und enthält das zum Erlernen der anthropologischen Beschreibung und Messung Not-wendige, doch läßt das Buch meist statistisches Material über die einzelnen Merkmale und Zahlen-werte vermissen, die doch in einem Lehr- und Handbuche zu finden sein sollen. Das Wissen überanthropologische Dinge sucht der Autor immer durch ausführliche Heranziehung der Embryologie undEntwicklungsgeschichte zu vertiefen, Gebiete, in denen er selbst früher nach vielen Richtungen ge-arbeitet hat, die aber doch einem großen Teile derjenigen, welche an das Studium der physischenAnthropologie herantreten, ziemlich ferne liegen.R. Pöch.
14.
Lüthy, Dr. A.: Die vertikale Gesichtsprofilierung und das Problem der Schädel-horizontalen.( Aus dem anthropologischen Institut der Universität Zürich.) Archivfür Anthropologie. Neue Folge. Band XI, Heft 1/2, 1912.
Eingangs bringt der Autor die Geschichte des Gesichtswinkels, von Peter Camper angefangen,und daranschließend die Geschichte des Problems der Schädelhorizontalen.
Die eigenen Untersuchungen wurden an dem Materiale des Züricher anthropologischen Institutsund an Sammlungsobjekten der Vettern Sarasin, Schwalbes und E. Fischers ausgeführt, im ganzenan 387 Schädeln, die 13 Gruppen betreffen, welche sich auf die verschiedensten Menschenrassen ver-teilen. Das ansehnliche Material liegt statistisch verarbeitet vor, die Ergebnisse sind in Tabellenformund in graphischen Darstellungen übersichtlich zusammengestellt.
Mitteilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien, Bd. XXXXVI, 1916.
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