Die alten Klosterkirchen des Landes, so vornehmlich Suczawa, Suczawitza,Woronetz, Humora, Watramoldawitza und andere tragen an ihren Außenwändenwie auch im Innern reichen, sowohl figuralen als ornamentalen malerischen Schmuckin byzantinischem Stile, welcher, insbesondere was letzteren anbelangt, sichtlich auchauf die Formgebung der profanen bäuerischen Stickereien von Einfluß gewesen ist.3. Vergleichende Betrachtungen und Untersuchungen. Ist derart die viel-fache Übereinstimmung der Bukowiner Muster, und zwar besonders der geome-trischen, mit denen des Orientes Glossar ::: zum Glossareintrag Orientes durch die seinerzeitigen Handels- und politischenBeziehungen und die daraus folgende unmittelbare Beeinflussung leicht erklärlichund verständlich, so ist hingegen eine Erklärung für die Tatsache, daß sich beiBetrachtung und Vergleichung der textilen hausindustriellen Erzeugnisse vieleranderer Völkerschaften, welche mit der Bukowina teils nie, teils allenfalls nurvorübergehend infolge kriegerischer Verwicklungen in Berührung getreten sind,gleichfalls eine große Anzahl gemeinsamer Motive vorfinden, ungleich schwierigerzu geben.
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An Beispielen dieser Gemeinsamkeit seien folgende angeführt: Als besondersauffällig zeigt sich bei den Mordvinen, einem finnischen Volksstamme, westlich vonMoskau, im oberen Flußgebiete der Wolga, in den russischen GouvernementsNischnij- Nowgorod, Kasan, Simbursk, Samara, Saratow und Puna, in derenStickereien eine überraschende Anzahl von Motiven, welche denen unserer Huzulen( Tafel 62 bis 75) im Spiele der Linien nicht nur sehr ähnlich, sondern mitunter,abgesehen von der Farbengebung, geradezu vollkommen gleich sind; eine solcheÜbereinstimmung findet sich aber auch vielfach mit den geometrischen gelben undgrünen Mustern des oberen Ärmelstreifens( increțeala- morszczynka) in den übrigenruthenischen und rumänischen Tafeln, wie der Vergleich dieser mit den BlätternLX bis LXV des genannten Werkes ergibt.²
Viele verwandte und gleiche Motive finden sich des weiteren unter den großz-russischen Stickereien 3 sowie unter denen Norwegens und Schwedens.Insbesondere hinsichtlich der hausindustriellen Stickereien der letztgenanntenbeiden Länder bot die im Jahre 1910 in Wien stattgefundene Jagdausstellungreichlich Gelegenheit zu vergleichenden Betrachtungen und Studien. Auch die dortausgestellt gewesenen Teppiche sind in bezug auf Technik, Zeichnung und Farbevielfach den Bukowiner Arbeiten nahe verwandt.4
Wenden wir unseren Blick von Norden dem Süden zu, nach den slawischenLändern, Kroatien und Slawonien, Dalmatien, Montenegro, Bosnien, Serbien undBulgarien, so findet sich auch hier eine mannigfache Verwandtschaft und vielfachmit den heimischen Motiven Übereinstimmendes vor.
An Publikationen über die Ornamentik in diesen Ländern, auf welche diesbezüglichhingewiesen werden könnte, liegt allerdings bis auf das Werk von Felix Lay5 leidernichts vor; doch habe ich durch wiederholte Bereisung derselben aus eigenerAnschauung diese Wahrnehmung gemacht. Immerhin aber bestätigt auch eineDurchsicht des vorgenannten Werkes dieselben zur Genüge.
Auch das Werk von Pulszky und Fischbach, das unter dem Sammelnamen„ DieHausindustrie Ungarns" vereinzelt ungarische, serbische, slowakische und sächsischeMuster, vorwiegend aber solche der rumänischen Bevölkerung des Landes enthält
Siehe ,, Trachten und Muster der Mordvinen", von Axel O. Heikel, Helsingförs, 1897 bis 1899.
2 Bei dieser Gelegenheit sei auf die ganz auffällige sprachliche Gleichheit eines Ausdruckes aufmerksam gemacht: Ein von denmordvinischen Frauen getragenes weites Oberkleid wird von denselben seman oder suman benannt; ganz den gleichen Namen:suman oder sukman trägt bei den Rumänen der bei der Bukowiner Bevölkerung beider Volksstämme und Geschlechter in Gebrauchstehende braune, mit Ärmeln versehene Mantel, wie dies schon eingangs bei Besprechung der Tracht hervorgehoben wurde.3 L'ornement national russe, W. Stassow, Pétersbourg. 1872.
* Hoch interessant ist es, welche Verwandtschaft zwischen den Ornamenten auf den alten Holzgerätschaften und Gefäßen derbäuerischen Bevölkerung in Schweden und jenen der Bukowiner Bauern besteht. Siehe„ Peasant Art in Swede, Lapland, Iceland",Autumn- Number of the Studio, 1910.
5,, Ornamente südslawischer nationaler Haus- und Kunstindustrie" von Felix Lay in Agram, 1871 bis 1884, Kommissionsverlagbei Haton und Goldmann, Wien, I., Babenbergerstraße 1.
,, Ornamente der Hausindustrie Ungarns", Text von Dr. Karl Pulszky, gezeichnet von Friedrich Fischbach, Budapest, königl.Universitätsbuchdruckerei, 1878.
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