Druckschrift 
Motive der hausindustriellen Stickerei in der Bukowina : = Motifs de la broderie paysanne en Bukovine = Designs of the home-industry embroideries in Bukovina
Entstehung
Wien [1912]
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ruthenischen Dörfern Mädchen und Frauen, welche diese Beschäftigung auch überden Rahmen des eigenen Bedarfes hinaus betreiben und für fremde Leute gegenEntlohnung arbeiten.

Diese Stickerinnen, stets zu den ärmeren Insassen des Dorfes zählend, habenentweder irgendein körperliches Gebrechen, wodurch sie zu sonstiger Arbeit wenigergeeignet sind, oder eine derart kleine Wirtschaft, daß diese zu ihrem Lebensunterhaltnicht ausreicht.

Die Arbeit wird von dieser Stickerin in der eigenen Wohnung angefertigt; dieEntlohnung findet stets nur für die geleistete Arbeit statt, während das Material vonder Auftraggeberin, gewöhnlich irgendeiner reicheren Bäuerin, der die Versehung dergroßen Wirtschaft diese Nebenbeschäftigung nicht mehr gestattet oder zu der sieauch schon zu stolz geworden, beigestellt wird.

Am häufigsten kommt diese Art der Arbeit, worin sich schon ein gewisses Verlassender Heimarbeit und Hinneigen zur eigentlichen Hausindustrie zeigt, bei den Huzulenvor; solche Stickerinnen werden bei denselben ,, szwaly" genannt.

Eine weitere kleine Veränderung in diesen Arbeitsverhältnissen ist in den letztenJahren durch die nationalen Frauenvereine insofern hervorgerufen worden, als in derenAuftrag in verschiedenen Ortschaften derartige volkstümliche Stickereien von Bauern-mädchen zu Hause angefertigt werden, welche nachher als Einsätze für Frauenblusenund Röcke sowie zur Verzierung von Sofakissen, Täschchen etc. verwendet undweiter verarbeitet werden.

Diese Mädchen arbeiten, wie erwähnt, auf Bestellung, erhalten das erforderlicheMaterial vom Verein geliefert und werden nur für ihre Arbeitsleistung entlohnt. Dabeiaber kann man mit einer bestimmten Lieferzeit keinesfalls rechnen, und es wird auchin diesem Falle von der Stickerin ganz nach freiem Belieben und eigenem Ermessen,und nur wenn die Besorgung der wirtschaftlichen Bedürfnisse des Hauses ihr diesgestattet, gearbeitet.

Die genannten Vereine oder der seitens des Bukowiner Landesausschusses insLeben gerufene Landesbasar, eine Verkaufsstelle der verschiedenen Erzeugnisse desHausfleifzes, sind daher auch nur äußerst selten in der Lage, allfällige von auswärtskommende größere Bestellungen, falls deren Lieferung an einen ganz bestimmtenZeitpunkt gebunden ist, übernehmen zu können.

ERZEUGNISSE DES HAUSFLEISZES.

Die häusliche Betätigung auf textilem Gebiet ist bei den Rumänen und Ruthenenin der Bukowina fast ausschließlich Sache der weiblichen Familienmitglieder, undnur vereinzelt finden wir auch Männer, welche sich mit Stickerei oder Webereibefassen.

Der Webstuhl gehört in jedem Hause zu dem unumgänglich nötigen Hausrat unddie heiratsfähige Tochter setzt ihren Stolz darein, die Aussteuer selbst gesponnen undgewebt, genäht und gestickt zu haben.

Aus Flachs, Hanf oder Baumwollgarn werden auf dem Webstuhl feinere odergröbere glatte Leinwand sowie sehr schön gemusterte Hand- oder, richtiger gesagt,Kopftücher( stergare- rucznyky)', da dieselben bei festlichen Gelegenheiten und zumKirchgang von Frauen und Mädchen um den Kopf geschlungen werden, sowie vonAbfällen des Hanfs eine Art ganz grober Kotzen( țol wereta) erzeugt; ausWolle wird das weibliche Oberkleid( catrința- horbotka- opynka), ein den Rockvertretendes viereckiges Stück braunes oder schwarzes Tuch, welches mit buntenStreifen, mitunter auch Gold- und Silberfäden durchzogen und mit einer Randbordüre

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Bei den fremdsprachigen Bezeichnungen für die einzelnen Gegenstände wurde stets zuerst die rumänische, dann die ruthenischegenannt und schließlich, falls eine eigene Benennung auch bei den Huzulen üblich, die letztere. Die sprachliche Trennung ist stetsdurch die horizontalen Striche angedeutet.

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