DIE HAUSINDUSTRIELLE STICKEREI IN
DER BUKOWINA.
HAUSINDUSTRIE, HAUSFLEISZ.
Um von vornherein den auch im Titel dieses Werkes verwendeten Ausdruck,, hausindustriell" richtig aufgefaßt zu wissen, sei hervorgehoben, dafz es sich bei denBukowiner Arbeiten, die in der Folge besprochen werden sollen, eigentlich nicht umeine Haus industrie im engeren Sinne, sondern vorwiegend um Hausfleif unddessen Erzeugnisse handelt. Die Merkmale, welche Autoritäten auf diesem Gebiete,so Dr. Braun- München, Dr. A. Riegl- Wien und Grosch- Christiania, in ihrentrefflichen Ausführungen als charakteristisch für letzteren hervorheben, treffen geradefür die Bukowina voll und ganz zu. Die textilen Erzeugnisse derselben werdenfast ausnahmslos nur zu eigenem Bedarf angefertigt und hierfür ausschließlich diefreie Zeit, welche nach der Feld- oder sonst notwendigen häuslichen Arbeit,Besorgung des Viehes etc. erübrigt, namentlich aber die Wintermonate, wo jedeFeldarbeit ruht, verwendet. Am Webstuhl sitzt abwechselnd die Bäuerin oder einevon deren Töchtern, je nachdem zufällig die eine oder die andere Zeit hat, und allearbeiten am selben Stück Leinen, Kopftuch, Teppich oder Gürtel; allerdings nichtimmer zum Vorteil des Ganzen, da mitunter die Dichte und Schönheit des Ge-webes, je nach der körperlichen Kraft und Geschicklichkeit der Arbeiterin eineverschiedene ist. Das halbwüchsige Mädchen, dem die Obhut des Viehes auf derGemeindeweide obliegt, lehnt am Zaun oder sitzt im Grase und stickt; dieerwachsene Tochter, nach der Tagesarbeit vom Felde rückgekehrt, nimmt Nadel undFaden zur Hand, um beim Kirchgang oder am Tanzplatz im schönsten Hemdeerscheinen zu können, um ihre Aussteuer zu mehren und aufs prächtigste auszu-
statten.
Dafz bei Anfertigung solcher Arbeiten an einen eventuellen Verkauf derselben niegedacht wird und sie einzig dem Bedarf und der Ausschmückung des eigenenHeimes, der eigenen Person dienen sollen, geht insbesondere auch aus dem Umstandehervor, daß die Bäuerin sich über den Wert derselben keinerlei Rechenschaft zugeben weifz; sie ist wohl allenfalls in der Lage, die Kosten der Leinwand und desStickmaterials anzugeben, gerade den wichtigsten Posten aber, die aufgewendeteMühe und Arbeitszeit, weiß sie nicht einzuschätzen.
Es kommt allerdings trotzdem wohl hie und da vor, daß derartige Stücke auchverkauft werden, und auf den wöchentlichen Märkten in den einzelnen Städten desLandes wird immerhin eine nennenswerte Zahl solcher Arbeiten feilgeboten; dannaber sind es zumeist die Not, der Mangel an Geld zum Ankauf von Saatgut, diedrohende Steuerexekution oder schließlich ein bevorstehendes Familienfest, dasgrößere Geldauslagen erfordert, welche zum Verkauf einzelner Stücke derselbenzwingenden Anlafz geben.
Im allgemeinen wird die Arbeit des Stickens im Hause nur insoweit betrieben, alses sich um die Ausschmückung der dem eigenen Gebrauche dienenden Gegen-stände handelt, doch gibt es in ziemlich vielen, und zwar sowohl rumänischen als
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