Kinderreime und Kindersprüche aus der Iglauer Sprachinsel.
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Sagt Einer:» Heut' ist Mittwoch«, so hört er gewiss:» Den ganzenTag« oder gar:» Hot der Hund' s Loch off«. Aber nicht bloss dasgesprochene Wort lockt den Reim als Antwort hervor, jeden beliebigenSchall versucht man in menschliche Laute zu übertragen. Der Tonder Glocke, das Geräusch der Eisenbahn, der Sang der Vögel, derSchall der Musikinstrumente lockt gewissermassen als Antwort dieUebersetzung in die menschliche Sprache hervor. Der Schall wirdbelebt, das Instrument» spricht«. 1)
Die Festsprüche gehören zu den bereits verblassten Frühlings-festen, von denen in unseren Dörfern noch Ueberbleibsel sich finden.Das Gregorigehen erinnert an ein uraltes Fest, das seit jeher amTage des heiligen Gregor von der Schuljugend gefeiert wurde. Esführte eine ähnliche Umkehrung der gewöhnlichen Weltordnung mitsich, wie im alten Rom die Saturnalien. Ein Knabe wurde mit einemBischofsmantel angethan und hielt sodann auf der Kanzel in derKirche eine mehr oder minder scherzhafte Predigt. Die Schüler zogensodann, um Gaben zu heischen, von Haus zu Haus. Gerade dieserprosaische Theil des Festes ist bis auf unsere Zeit erhalten geblieben.Ursprünglich sammelte wohl der Lehrer an diesem Tage seinen Lohnein, der in Naturalien bestand, und die Kinder zogen mit ihm. Daherkam es wohl auch, dass sie an diesem Tage die Gebieter waren.Wahrscheinlich wurden mit diesem Tage die Kinder vielfach aus der
Schule entlassen.
Ueberbleibsel von Frühlingsfesten sind ferner das Todaustragenund das Sommerbaumgehen.
Am Sonntag Mittfasten wird eine Strohpuppe, die den Wintervorstellen soll, herumgetragen und, nachdem man von Haus zu Hausdamit Gaben gesammelt, ins Wasser geworfen.
Am Tage des heiligen Josef, der auch sonst allgemein als dererste Tag des Frühlings gilt, gehen Mädchen mit dem Sommerbaum 2)herum. Es ist dies ein Bäumchen, das mit rothen Bändern und einigenGold- und Silberblättern geziert ist, und stellt natürlich den Sommervor, der jetzt Einzug hält in die Lande. Auch hier war wie zumeistdie Möglichkeit des Gabenheischens Dasjenige, welches den Braucherhielt.
Der Streit zwischen Sommer und Winter ist metrisch wohl eineungemein schwache Leistung, die Gedanken unserer Bauern, die sievon den Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten des Sommersund des Winters haben, sind dabei ganz richtig zum Ausdrucke gebracht.In früherer Zeit wurde jedenfalls der Streit zwischen Sommer und
1) Wer erinnert sich nicht an das Ovidische: Et tuba terribili sonitu taratantaia, dixit"?2) Der Sommer ist der eigentliche Gegensatz zum Winter, der Frühling ist wie derHerbst nur eine Uebergangszeit. Unsere Bauern sagen wie in Oberösterreich, wenn esFrühling werden will:„ Es geht nach auswärts." Es kommt aber auch schon das Hauptwortder Auswärts: Frühling vor; das Wort Frühling oder Lenz gebraucht unser Bauer nicht.
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