62
Erster Donnerstag nach Ostern. An diesem Tage wirddas russische Frühjahrstotenfest gefeiert( siehe oben), das bei denDeutschen am Totensonntag in der Fasten vorausgegangen war.
Erster Freitag nach Ostern. Bei den Russen heißt erEinladetag oder Bittag( Yermoloff, 166), eine Art Erinnerungstag andie Seelen der Verstorbenen, die noch einmal an den Familientischzu Gast gebeten werden. In Böhmen ist dies die goldene Stundeoder Press. Bei den griechisch- orthodoxen Bosniaken lagern sich dieAnverwandten auf den Gräbern, nach einem Gebete für die Verstor-benen essen sie gefärbte Eier, gebratenes Fleisch und Kolatschen;Eier und Kolatschen legen sie auf die Gräber( Z. f. ö. V. K. 1900, S, 65).Erster Freitag nach Ostern. An diesem Tage findet imPustertal die sogenannte Widderprozession von Virgen und Prä-graten nach Lavant statt( Widderopfer zur Saatzeit. Z. d. V. f. V. K.1895, S. 205).
Am Sonnabend vor dem weißen Sonntage wird beiden griechisch- katholischen Südslawen in der Kirche für die Ruheder verstorbenen Verwandten Brot geopfert und dann am Tore andie Armen verteilt( Sartori, Die Speisung der Toten, 67). Diese Brote,welche die Priester backen lassen, um sie den Gläubigen mit nachHause zu geben, sind äußerlich mit roter Farbe bemalt, auf der dieWorte:» Christus ist von den Toten auferstanden« mit goldenen Buch-staben zu lesen sind. Diese Brote zerschneiden die Priester in eineMenge von Schnitten, die in Körben angefüllt werden; mit diesengefüllten Körben treten die Priester zur Galerie des Altars hinanund verteilen von da herab die Brotschnitten an die Gemeindeglieder,die sich mit hundert ausgestreckten Armen herandrängen. Stückchen/ mit Buchstaben sind besonders Glück bedeutend, außer jenen mit
dem Worte» Toten«. Diese kleinen Brotstückchen werden am Brettedes Hausheiligen aufbewahrt( als Glück fürs ganze Jahr),( Scheible,1. c. VII, 937 ff.). Dieses griechische Totenbrot spielt also die Rolleeines Jul- oder Neujahrsbrotes, einer durch die Kultzeit glückbrin-genden Opfergabe.
Erster Sonntag nach Ostern Quasimodo- geniti, weißerSonntag( NB. Vor dem 16. Jahrhundert war der Sonntag Invocavitder weiße Sonntag nach Grotefend. Nach Birlinger, II, 62, ist imSchwäbischen der erste Fastensonntag noch der weiße Sonntag); seitdem 16. Jahrhundert ist die Dominika in albis( scil. vestibus propterbaptisma) weißer Sonntag; engl.: White Sunday; ndd.: witteldag( Dänhert, 554); engl.: Loe-, Low- Sunday: little Sunday after Easter;mnd.: Goychkentag( Gauchen-, Kuckuckstag); Freudensonntag; Böhmen:Pröbelsonntag; Solothurn: Bohnensonntag( wegen einer kirchlichenBohnenspende),( Reinsberg, Düringsfeld, Das festliche Jahr, S. 120);Bayern: kleiner Ostertag, Mettag, wegen des Schön- und Stärketrunks