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Ostergebäcke : eine vergleichende Studie der Gebildbrote zur Osterzeit
Entstehung
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aufgeschüttetes Fett das Anbrennen des Teiges verhütete. Die ver-schiedenartigen Einkerbungen, Prickelungen, Schrüppen auf derOberfläche dienten vermutlich dazu, um den aufgegossenen Honigoder Fruchtsaft länger in den Furchen haften zu lassen, und ihreZeichnungen sind sicher nur rein dekoratives lineares Motiv ohnemythogenen Hintergrund. Im Ahd. ist flado auch lapas i. e. fructusfici inter duas turtas pressi, also eine Art Feigenfruchttorte, welcheForm aber in Deutschland nicht allgemein üblich gewesen sein kann,weil die Feige daselbst nicht allgemein gezogen wurde; sonst ist ahd.flado meist nur= liba( Opferbrot mit Fruchtsaft oder Honig belegt).In Appenzell werden am Ostertage hauptsächlich Rahmkäs- undBirnenfladen gebacken( Schweiz. Id., I, 1168). Solch verschiedeneFladensorten stellte der Fladenbäcker im Fladenhause( mhd. vladehûsLexer, 344) her. Die Oberfläche ist meist quadratisch oder rauten-förmig stark geschrüppt, so daß sie sogar ein fast igelstachelförmigesAussehen durch die hochaufragenden, regelmäßigen Felderabteilungeneinnehmen kann( siehe Abbildungen 23, 27, 32, 73, 74, 76, 85, 87). DerGöttinger Bildhauer, welcher im 15. Jahrhundert die Nikolaus- Figur mitden drei griechischen Brotfladen darstellte( siehe M. Heyne, DeutscheHausaltertümer, II, 276), hat diese griechische Form von Festgebäck nichtgekannt, sonst hätte seine Darstellung andere Form haben müssen( sieheAbbildungen 74, 87). Der» Osterfladen«, der sogar als flan de pâquesins Französische wanderte( Gerard, L'ancienne Alsace, S. 172), trägtmeistens ein die österliche Zeit markierendes Symbol( Lämmchen,Siegesfahne, Osterei, eigelbe Farbe). Solch fladenförmige Brote warenauch Tellerbrote, über die wir schon in Z. f. ö. V. K, IX, 1905,Suppl. III, S. 31, Fig. 1, berichteten, daß sie auch bei den Israelitenals solche Teller verwendet wurden.*) Ein Lüneburger Tellerbrotzeigt( siehe Abbildung 47) auch das Osterlamm als Zeitmodelabdruck;andere( zum Beispiel in Hallein oder in Ungarn) tragen christlichebiblische Kreuzigungsszenen als Zeitmarke.

Schon in mhd. Zeit heißt es( Heyne, 1. c. II, 275):» An demheiligen Ostertage, ein heilic prister sine vladen wîhen solideund sin vleisch«. Das ist der Wigelfladen, den wir oben schonerwähnten. Sebastian Frank( 1534) in seinem Weltbuch( Fol. LI):» Zu Ostern bacht man die fladen, da gibt etwan ein reicher zweenfladen, den einen den jungen knaben, den anderen den jungenmeydlin vmb diese auff einer wisen für aller menge zu lauffen«<,also als eine Art österlicher Tanzkuchen, über den wir unten nochsprechen werden und der sicher mit dem jüdisch- christlichenCharakter des Osterfestes als solches nichts zu tun hatte. Solchegeweihte und ungeweihte» Osterfladen« wurden ebenso wie andere

*) Auch die Mohammedaner Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohammedaner in Bosnien backen zur Zeit des Ramazan solche Teller-brote, sogar mit zwei seitlichen Handgriffen; sie heißen dort Curek= Kümmel, weil siemit Kümmel belegt sind.