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wies auf dem elften internationalen Kongreß für allgemeine Religionsgeschichte 1904 aufdie merkwürdige Tatsache hin, daß der Auferstehungstag des ägyptischen GottessohnesHorus mit dem des Gottessohnes Jesus Christus zusammenfalle( siehe Hess. Blätter f.V. K., III, S. 202). Jedenfalls ist die Zeitbestimmung des Osterfestes nach der Mondjahr-rechnung erfolgt und damit war ein Gegensatz zum germanischen Sonnenjahr gegeben.Außerdem ist die Bezeichnung„ Ostern" gerade bei den nordgermanischen Völkern, diedoch einen ausgesprochenen Sonnenkult hatten, nicht üblich. Damit fällt auch die an-gebliche altgermanische Göttin Ostara( oder Eóstre Baedas), welche man aus etymolo-gischen Gründen aus der altbayrischen Astaroth des Berthold von Regensburg( † 1272)wieder aufleben lassen wollte, von selbst weg.
Ostern sind die Tage der heiligen Urständ( 16. Jahrhundert),der Auferstehung Christi, die in dieser Frühjahrszeit nach jüdischemVorbilde gefeiert wurde( Weinhold, Monatsnamen, 52), oder der Auf-gang der vom Kuckuck verkündeten wärmeren Jahreszeit, der mitBlumenopfern, Flußopfern,*) Freudenfeuern, Osterritten, Reigentanzund Spiel( sogar mit Aderlaßlätitien)**) begangen wurde wie eineHochzeit, die der glückliche Freier mit der von ihm ins Land ge-führten( Oster-, Frühlings-) Sonne hält.» Die Osterbräuche erklären sichaus dem Frühlingsfeste, das den Germanen, wie allen Völkerneigen war, das aber auf keine bestimmte Gottheit zu beziehen ist.<<( Golther, Mythol., 488.) Zu diesen Ostergebräuchen gehört zum Beispieldas bei den Slawen, beziehungsweise Wenden und deren Nachbarnübliche österliche Aufpeitschen(» Eierpeitschen, Schmeck- oderSchmack- Ostern«; von: Schmicke= Gerte, Rute***) der Mädchen( bei denDeutschen Hedwig- Peitschen oder Hetweggen útstuppen in derFrühlingsfastenzeit, Auffitzeln oder Aufkindeln in der Weihnachtszeit= muliebria virga contingere).
Das österliche Neujahr, das sichtbar ein fremdes, hereingebrachteswar, macht als solches sich im wirtschaftlichen Volksleben Deutsch-lands nicht recht bemerkbar. Das Hausgesinde, die Gemeindehirten,die Flurrechte, die Hausmieten sind fast unbeeinflußt; Losen und dasHexenvertreiben ist sehr selten beobachtbar, nur die Deputate undgestifteten Reichnisse der Geistlichkeit und Klöster sowie die vonletzteren festgesetzten Schulferien machen sich in dieser Zeit mehrbemerkbar. Alles übrige ist alter Frühlingskult oder rein christlich-kirchlichen Ursprungs. Bei keinem Jahresfeste macht sich der jüdisch-biblische Einfluß auf den Volksbrauch so breit als gerade beim Oster-feste. Die griechisch- katholischen Kleinrussen, welche auch vielealtertümliche Bräuche des vom Judentum stark beeinflußten Christen-tums bewahrt haben, haben außerdem auch auf Ostern Züge desGeisterwesens und sogar einer österlichen Totenfeier, wie sie sonst
*) Vergl. außerdem die Sagen von der weißen Frau am Wasserquell, von derOsterwäscherin( Schell, Bergische Sagen, II, 34), von dem Osternachtspiele der Nixen imschwarzen Teiche( Sächs. Sagenbuch, 377).
**) Der bayerische Bischof Adalpero starb 972 nach einem Oster- Aderlasse.
***) In der ehemals wendischen Ukermark am Ostermontage in Pommern„ Oster-stiepen" genannt.( Manhardt, Waldkult, I, 253, 264; vergl. auch Hagelstange 1. c. 225 ff.)