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>> Anis- und Kümmelplätze» sind, wie schon erwähnt, hauptsächlich inwendischen und fränkischen Gegenden üblich, nur sind sie in denwendischen Gegenden noch häufiger mit Honig bestrichen.>> Niemandgreift noch jetzt( 1792) eifriger nach diesem durch seinen Anblick ebennicht sehr einladenden Gebäck als die hochaufgeschürzte, dicke,wendische Bauerndirne; denn es ist ihr von Jugend auf gesagt worden,daß, wer an diesem( Gründonners-) Tage Kümmelplätzel ißt, das ganzeJahr über vor den Neckereien des Flohs( und anderen Plagegeistern)verschont und befreit sei.«» Kümmelplätze werden zu Bautzen am Grün-donnerstag, wo(!) daselbst die gewöhnlichen Fastenbrezen aufhören,allenthalben den Hausgenossen verteilt; es ist ein kleiner Kuchen,dessen Oberfläche eingeritzt gebacken und mit Honig ausgefüllt wird.Daher sagen die Leipziger( die Nachbarn der Wenden), wer am Grün-donnerstag nicht Honig esse, laufe Gefahr, in einen Esel verwandelt zuwerden.«<( Rochholz, Deutscher Glauben und Brauch, II, 270.) Die in dersächsischen Oberlausitz zwischen Löbau und Zittau üblichen sogenannten>> Patensemmeln«( Abbildung Nr. 32) sind braune, mit Mohn bestreute,runde, flache Fladen, deren Oberfläche über Kreuz eingeteilt ist, um et-waigen Fruchtsäften Halt zu geben. Sie werden alljährlich dort andiesem Tage an die Patenkinder verschenkt als alter Ostermarktbrauch.In Gallenau, Kr. Frankenstein( Schlesien), beschenken die Paten ihreKinder mit dem» Gründornschtig«( analog zur Christbürde, Klausen-zeug), das heißt mit dem am Gründonnerstagmarkt gekauften Ge-bäcke( Blätter für hessische V. K. II, 243). Die volksübliche Ten-denz, die herkömmlichen Fasten-, beziehungsweise Ostergebäckemit der biblischen Legende des Tages in Zusammenhang zu bringen,schuf nicht bloß die später zu erwähnenden böhmischen»> Judas-wecken«<(= Brezel, siehe Archiv für Anthropologie, III. Bd., S. 101,Fig. 36), sondern auch die deutschböhmischen» Judaszelten«( Krumau)sowie die Hamburger» Judasohren«, Osterflädchen mit einem dasOhrläppchen andeutenden keilförmigen Ausschnitte, wodurch dasganze Kuchengebilde absichtlich entstellt wird( siehe Abbildung Nr. 31).Volksmedizinischer Glaube aber haftet an diesen Judasgebäcken nicht;es sind nur christliche Spottgebilde. In Bretzenheim bei Mainzwurden sogar die» Judenmazzen« von den Juden geheischt durch dieumziehenden Jungen( Blätter f. hess. V. K., III, 162).
Auffällig ist, daß am Gründonnerstag auch die» Maultaschen<<( Maulschellen, Mundschellen, Mutscheln, Mutzeln), ein die rima vulvaeandeutendes Fruchtbarkeitssymbol wieder auftreten. Mit Honig be-strichene Maultaschen gibt es in Westböhmen( A. John). Das stets gerneetymologisierende Volk bringt sie natürlich mit dem BackenstreicheChristi in Verbindung( wie man auch in der Brezel eine Christus-fessel sah). Die Nördlinger Spinattulpen( siehe Abbildung Nr. 55)haben wir schon erwähnt; sie geleiten uns zu den alemannischen» Mutscheln<<( Mutschli, Mützschi), welche zum Abschlusse der