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Ostergebäcke : eine vergleichende Studie der Gebildbrote zur Osterzeit
Entstehung
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und im schwäbischen Marbach bringt der Bursche seinem Mädchenan diesem Tage Laugenbrezel( in Lauge oder Salzwasser gesotten)( Birlinger, Aus Schwaben, Sagen, Sitten etc., II, 71; Jahn, DeutscheOpfergebräuche, 45; Witzschel, Sagen aus Thüringen, 195; Meyer,Badisches Volksleben, 501; Perger in den Mittlg. d. k. k. Zentral-kommission Wien, XIV, 1869, S. V; Beilage zur Allgem. Ztg. 1879,S. 611). In Dürrenbach( Bretten) werden die gesalzenen Fastenbrezelan diesem Tage ins Haus gebracht, die man nüchtern essen muß,dann bleibt man ein Jahr fieberfrei( Meyer, Badisches Volksleben, 501).Sogar im evangelischen Königsbach( Durlach) werden sie frühmorgensvor dem Gottesdienste als erste Speise verzehrt( l. eod.). Dieser volks-medizinische Glaube haftet aber an den Gründonnerstagbrezeln nichtetwa wegen der kommenden Osterzeit, sondern wegen des Seelen-kults der Trauer- und Fastenzeit, welche die Karwoche beschließt.Über die volkskundliche Bedeutung des Fastens haben wir uns schonin jener Abhandlung» über das Brezelgebäck« ausgesprochen. DasTrauerfasten war eine Folge der Furcht vor der Rache der Ver-storbenen, denen man durch das Essen bestimmter Speisen oderwährend bestimmter Fristen nicht zu nahe treten durfte. Die Brezeln,Bäugeln oder Kringel sind die Teigsymbole des Totennachlasses( Brasseletts, Baugen, Ringe), der zwar dem Verstorbenen gehörte, aberdurch das Ringsymbol aus Teig abgelöst worden war. Es sei gestattet,hier zu den schon erwähnten volkskundlichen Beiträgen über dievolksmedizinische Bedeutung der gesalzenen Brote( und des soge-nannten» gerösteten Salzes«) noch einige Ergänzungen anzufügen.Bei den Niederländern half im Mittelalter geröstetes Brot und Salzdarauf gestreut gegen das Sodbrennen( De Vreese, Middelnederland-sche Genceskundige Recepten, 137).

Gesalzenes Brot mit gedörrten und gepulverten Haselnußzäpfchen( Blüten) gibt man im Isartal den Kühen, wenn sie die Milch ver-lieren wollen, als Kraftmittel, andere solche Salzgebräuche sieheZ. d. V. f. V. K. 1905, 137; Archiv f. Relig. Wiss., VIII, Beiheft, S. 33 ff.;Beilage zur Allgem. Ztg. 1905, Nr. 197.

Daß an Stelle des Salzes und des uralten Kümmels auf solchenZeitgebäcken auch Zucker oder Zimmet erscheinen kann, bedarf keinerErwähnung. Volksüblich sind in der Fastenzeit aber nur die gesalzenenBrezeln bislang gewesen, die mit der Osterzeit ihr Ende nehmen.Die österreichisch- schlesischen» Bäugeln« und die preußisch- schlesi-schen» Bägeln«( Gallenau, Kr. Frankenstein), welche die sogenanntenKlapperjungen( Klöpfelbuben) am Gründonnerstag heischen, sind einringförmiges Gebäck der Fastenzeit( siehe Blätter f. hessische V. K.,I, 243). Daß solche Brezeln an manchen Orten wegen des um dieseOsterzeit gebotenen Eivorrates, eisatter oder durch Safran gelber ge-macht werden, wie zum Beispiel in Straßburg, erklärt sich ebenfalls, denndas Gründonnerstag-, Antlaß-, Karfreitag- und Osterei sind identisch.