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Ostergebäcke : eine vergleichende Studie der Gebildbrote zur Osterzeit
Entstehung
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Glockenschlage mußten sie bei Verlust ihres Privilegs ihre Wagenvom Markte in die Steinstraße zurückgebracht haben. Bis in dieZwanzigerjahre des 19. Jahrhundertes hinein haben die Schwaanerdieses ihr Vorrecht ausgeübt. In jeder Rostocker Familie bildet nochheute dieses kleine rundliche Osterflädlein die Zugabe zum Nach-mittagskaffee, welche der zünftige Bäcker als Festkuchen ehedemherstellte. Auch in Ostpreußen greift der Gründonnerstag bereits mitseinem Osterkuchen voraus. In der größtenteils zur griechischenKonfession gehörigen Bukowina beginnt auch an diesem Tage schondas Backen der Osterkuchen, wozu die Männer nur das trockene Holzbesorgen. Die Hauptarbeit des Tages aber liegt in den Händen derWeiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber; diese bereiten die das Schicksal der Familienmitglieder( wiebei einem Neujahrsbrote) bestimmenden Osterkuchen; gut aus-gebacken, ohne Sprung der Oberfläche sind sie besonders glück-bedeutend, eine Vertiefung oder ein Riß in der Mitte des Kuchensaber deutet auf Tod» innerhalb des nächsten Jahres«<; wenn derOsterkuchen nicht aufgeht, bedeutet es Hungersnot, wird er brüchig,eine Seuche. Die heiratsfähigen Mädchen prophezeien aus dem Kuchen-vorbacke( über die Bedeutung des Vorbackes im Volksbrauche muẞbei anderer Gelegenheit berichtet werden), das am Ostersonntaggeweiht wird, eine baldige Hochzeit. Außer einem großen Osterbrotewerden auch kleine Perepiczke( Sauflaibe,* Zukost) als Geschenkan Arme oder als Weihespenden an Priester gebacken( siehe Beil. 49zur Allgem. Ztg. 1901, S. 2).

Wie die Fastenküchlein der Alemannen, so sind auch dieBrezeln und Kringeln des Gründonnerstages( und Ostertages)eigentlich nur die Fastentrauerzeit abschließende Gebäcke, an welchesich aber, wie an die grünen Frühjahrsgebäcke hie und da einvolksmedizinischer Glaube knüpft. Praetorius( Blocksberg, 114)schrieb 1668:» Wie groß gefallen muß der Teufel haben, wenn erihm die Christen sihet so häuffig folgen im Aberglauben, sonderlich... am grünen Donnerstage mit den Pretzeln oder Krengeln oderRingen, wie sie an unterschiedlichen Orten genant werden, auß demwarmen Backofen für Mieber, Kranckheiten, Zauberey und anderePlagen im Hause auffgehenkt.« Wir haben schon in unserer Ab-handlung über das Brezelgebäck im Archiv für Anthropologie( Neue Folge, III. Bd., Heft 2, S. 101) auf den volksmedizinischenGlauben an die antifebrile Wirkung der Gründonnerstag- Kringel(» Gnappekrengel« in Braunschweig genannt) aufmerksam gemachtund dieselbe aus dem übernommenen Trauerkult in der Fastenzeiterklärt. Auch in Hamburg, Königsberg, Kurland gibt es am Grün-donnerstag solche Knabbekrengel( Abbildung siehe dort Fig. 32); inLuzern sind es» Kümmelbrezel«. Im Schwäbischen hilft nüchternes( Salz- oder Kümmel-) Brezelessen an diesem Tage gegen kaltes Fieber*) Vergl. den angels. gesufelne hlâf( 10. Jahrhundert).