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Ostergebäcke : eine vergleichende Studie der Gebildbrote zur Osterzeit
Entstehung
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russischen Volksglauben im Gouvernement Smolensk Seelengeister in dieser Nacht um-gehen, erhellt aus dem dortigen Brauche, ein Stück Brot und ein Häufchen Salz insFreie zu legen; wenn das Brot über Nacht gefriert, so wird das kommende Getreideunterm Frost leiden. Dieses Brot selbst aber soll für die Gesundheit des Verzehrendensehr vorteilhaft sein, wenn man es noch an demselben Tage ißt( Yermolof 1. c. 92.)Im deutschen Volke macht sich der Geisterglaube an diesem Tage nicht so bemerkbar;nur an den slawischen Grenzen und in der Nähe der griechisch- orthodoxen Christenkann man ihn deutlicher verfolgen.

Wenn wir nun die an diesem Tage volksüblichen vegetabili-schen Speisen( die Fleischspeisen fallen ohnehin selbstverständlichaus) berücksichtigen, so fällt vor allem auf, daß

1. der Seelen brei nur im Böhmischen als sogenannter>> süßerBrei« oder Koch auftritt oder als Bröselerbsen( pucalky), welcherGenuß die Erbsen im kommenden Jahre gedeihen läßt( Reinsberg-Düringsfeld, Festkalender, 93). Wer im deutschen Böhmen an diesemTage Linsenbrei ißt, dem geht das Geld nicht aus( John, Sitten undBräuche im deutschen Westböhmen, 61); es ist dies ein Neujahrs-glauben, der auf die Osterzeit, beziehungsweise den Ostertag( s. u.)übertragen wurde.

Der» Weckbrei« oder die» Wecken in der Milch«, die in Ant-werpen an diesem Tage üblich sind, sind ein Frühlingsbrauch ohneeigentlichen Bezug auf den Gründonnerstag als solchen. NachScheible( Das Kloster, VII, 70) geht in Böhmen die Sage, die Perchtavon Rosenberg,» die weiße Frau« von Neuhaus, soll eine Fundationhinterlassen haben, aus welcher alljährlich die Kosten des Honigbreis( Hirsebrei mit süßem Honig begossen), der dort in Neuhaus( und inJeltsch in Mähren) seit urvordenklichen Zeiten öffentlich verteilt wird,bestritten werden. Die Bauern der Umgebung müssen denselben amGründonnerstag verzehren. Unterbrechungen dieser Observanz soll»> die weiße Frau« schwer gerügt haben( Lippert, Christentum, 422 ff.);wir werden aber auf diesen Honiggenuß auf Ostern noch untenzurückkommen. Im übrigen Deutschland fehlt der Hirsebrei andiesem Tage.

2. Charakteristisch für den Gründonnerstag sind die grünenSpeisen. Im Elsaß gibt es ein» Neunkräutel- Gemüse«; in Bayernund Deutschböhmen die» Kräutelsuppe« mit sieben- oder neunerleiKräutern; im Voigtlande( Köhler, Volksbrauch im Voigtland, 371) sinddiese Kräuter: Bachbunge, Schlüsselblume, Brunnkresse, Holunder-sprosse, Merk, Frauenmantel, Lauch, Nessel und Sauerklee. Die alte» Neun- Stärke«( Braunschweig: negen- sterke; 9 alles; Pancarpie,

Panspermie) aus neunerlei glückbringenden Kräutern bestand aus:Geißfuß, Zichorie, Sauerampfer, Löwenzahn, Bibernell, Bachbunge undFetthenne; dies ist der neumärkische» Osterkohl«( Wuttke 3, 73, BeilageNr. 79 zur Allgem. Ztg. 1901, S. 6). Diese» 9 Kräutl«<- Suppe erinnertsofort an den ags. Neunkräuter- Segen, der eine verchristlichte Be-segnung der im Frühjahr frisch wachsenden volksmedizinischen