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Mutter Erde : ein Versuch über Volksreligion
Entstehung
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übriggebliebene Abschwächung wäre. Ich wurde erst ganzsicher, daß das Legen auf die bloße Erde ein besonderes In-gredienz der heiligen Handlungen am Neugeborenen ausgemachthaben müsse, als mir eine hessische Landsmännin¹ zuverlässigenBericht gab, wie sie selbst als Kind nachträglich die Kränk-lichkeit der Kleinen sei dem zugeschrieben, daß sie nach derGeburt nicht auf die Erde niedergelegt worden sei aufherbeigeschaffte frische Erde gelegt werden mußte unter allerleimagischen ,, Formalitäten".Formalitäten". Dabei spielte die Erde nicht immindesten die Rolle eines medizinischen Hausmittels. Und eskann doch nur in diesem Zusammenhange verstanden werden,wenn die Hebamme auch noch den Namen ,, Erdmutter" führt.,, Hebamme" wie ,, Erdmutter" werden dann in moderner Lite-ratur wörtlich ebenso erklärt, wie der Römer nach dem Zeugnis,von dem ich ausging, seine Levana erklärte.

Wenn das Kind an den Herd ohne Zweifel zu dem Zweckegelegt wird, es den Schutzgöttern des Hauses zu weihen undzu verbinden, es ihrem Schutze zu übergeben, ähnlich wie

1 Frau Elise Mentzel in Frankfurt a. M.( aus Marburg), die mirweiterhin noch folgendes mitteilte: Wie heute vernehme ich noch dieWorte einer Nachbarin, der Frau Metzger Stang in Marburg, die ein-mal über einen in Amerika emporgekommenen und sehr intelligenten Ver-wandten äußerte: ,, Ja der ist auch gleich auf gute Erde gelegt worden!"Als ich sie fragte, was denn das für Erde gewesen sei, erwiderte sie ,, SchwarzeWalderde vom Ortenberg"( so hieß früher der Spiegelslustberg nach derWeidenhäuser Seite zu, wo viele Leute Gärten hatten). Daran hat sienoch eine Erklärung gefügt, auf die ich mich aber trotz eifrigsten Nach-denkens nicht besinnen kann.

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1 Angaben bei Rochholz Alemannisches Kinderlied und Kinderspiel279 ff.( dort auch Weiteres zur humi positio infantum). Den Hinweisverdanke ich Hoffmann- Krayer in Basel. Den Brauch, den ich fürmanche Gegenden in Deutschland bezeugt fand, daß man Kindern, umderen Erhaltung man besonders bange sei, einen mit Erd zusammen-gesetzten Namen z. B. Erdmann geben müsse, um sie sicher am Lebenzu erhalten( Wuttke Deutscher Volksaberglaubens 387, Knoop Volkssagenaus dem östl. Hinterpommern¹ 55), dessen ich auch in meiner Mithras-liturgie 144 gedachte( ich gebe oben die Ausführung des dort nur, soweites notwendig war, angedeuteten Gedankenganges), wage ich nun nicht