Karte 
Karte der österreichischen Bauernhausformen : mit Beigabe textlicher Erläuterungen
Entstehung
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begriffen und haben zu einem großen Teile jede Volkstümlichkeit abgestreift. DerleiHäuser können aber nicht Gegenstand volkskundlichen Studiums sein, ihre Vor-gänger sind nicht mehr überall festzustellen und wurden auch selten mit der Ge-nauigkeit aufgenommen, wie dies für unseren Zweck erforderlich wäre. Weitersmüssen bei dem kleinen Maßstabe, der für die heutigen Kenntnisse noch vollständiggenügt, Ausnahmen und kleine Inseln ausbleiben, so daß die Grenzlinien eine Ver-mittlung anstreben. Ich werde Richtigstellungen jederzeit mit Dank zur Kenntnisnehmen. Immerhin ist eine, wenn auch nicht ganz vollständige Formenkarte besseralsgar keine, und je länger man mit der Aufstellung zögert, desto unsicherer werdendie Grundlagen.

Eine leicht zugängliche Formenkarte wird für jeden Bauernhausforscherunentbehrlich werden, weil sie seine Schritte dahin lenken wird, wo noch Arbeitenzu leisten sind. Während an einzelnen beliebten, oft eng umgrenzten Stellen diegeringsten Einzelheiten sogar wiederholt beschrieben und abgebildet sind, entbehrenweite, für den Touristen weniger angenehme Gebiete der Aufklärung. Es wäre sehrwichtig, wenn sich Forscher daran machten, die Grenzlinien der Gebiete zu prüfenund die nötigen Abänderungen festzustellen. Eine Quelle der Unklarheit bilden be-sonders die auf breiten Landstrichen vorkommenden Mischformen zweier aneinandersto Bender Gebiete, nicht nur durch das Auftreten beider Formenarten, sondern auchdurch die Entstehung von Zwischenformen in verschiedenen Abweichungen. Da-durch wurden die Berichte der früheren Forscher unklar, je nachdem sie nur eineoder die andere Hauptform hervorhoben oder irgendeine beliebig ausgesuchteMischform als herrschend hinstellten. Dies sollte künftig vermieden werden.

Die V. Sektion des Gesamtvereines der Deutschen Geschichtsvereine betreibtschon seit Jahren in größerem Maßstabe die geographische Feststellung der Haus-formen auf Grund von Fragebogen, welche Arbeit durch Verwendung einer, wenn auchnicht ganz genauen Hausformenkarte ganz wesentlich vereinfacht werden könnte.Während man bis jetzt im Fragebogen alle aufzutreibenden Hausformen ohnenähere Bezeichnung über deren wahrscheinliches Vorkommen aufgenommen und esjedem Befragten überlassen hat, sich seine örtliche Form heranzusuchen, was bei derhäufigen Ähnlichkeit weit auseinanderliegender Formen bei Ungeübten oft zu Irr-tümern führen muß, ist es mit der Karte möglich, für jeden Bezirk nur einzelnewenige, dafür um so genauere Vorbilder zu geben. Die Verbreitung bestimmterTypen ist in ihrem Umfange bereits soweit bekannt, daß es in der Regel nur einergenaueren Festlegung der Grenzen bedarf. Man kann nun für jedes Gebiet leicht einenerfahrenen Forscher herausfinden, welcher mit Sicherheit und verhältnismäßiggeringer Arbeit Brauchbares liefern kann, während nach dem anderen Vorgangauch bei zahlreichem Einlauf das Ergebnis vielleicht unzureichend ist. Es istbei beschränktem Gebiete nun möglich, die Forscher über Abarten, Entstehungaus älteren Formen, neue untypische Bauweise oder auch über andere volkskund-liche Angelegenheiten behufs Feststellung zu unterrichten.

Im allgemeinen folgt diese Arbeit meinen Darlegungen im Textbande zumösterreichischen Bauernhauswerke, welche ich aufrechthalte und worauf ich behufsgenaueren Studiums verweise. Ebenso ist es geraten, die Text- und Foliotafelndieses Werkes nötigenfalls heranzuziehen. Die neue Karte ist durch Weglassungvon hier unnötigen Bezügen und Vereinfachungen, dagegen wieder durch mehr-farbigen Überdruck deutlicher geworden.

Aus der Karte ist das nachfolgend Bemerkte zu entnehmen:

1. Die Verbreitung der Rauchstubenhäuser, der alemannischen, bayrischeyund fränkischen Hausformen, soweit sie von Angehörigen dieser Stämme zu uns ge-bracht oder von fremden Stämmen angenommen wurden. Die voll gefärbt angezeigtenLandstriche sind deutsch besiedelt, und zwar bedeuten die weiß gelassene Flächealemannische, rot bayrische und blau fränkische Besiedlung. Die Slawenhaben in Böhmen, Mähren und Schlesien sowie die Magyaren in Ungarn die fränkische