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gewesen sein. Vor dem Bett, daran anschließend steht eine Truhe, die zum Auf-bewahren von Mehl dient. In der feudalen Zeit soll der Ehemann hier ofteingeschlossen worden sein, während der Schloßherr oben im Bett an der jungenBäuerin sein jus primae noctis" ausübte. Auf der Truhe steht häufig dieWiege des Jüngsten, welche die Mutter, im Bette liegend, mittels einesSchnürchens in Bewegung sezen kann. An der dem Eingange gegenüberliegendenWand sorgt ein Kamin im Winter für behagliche Wärme. Um ihn herumgruppieren sich Sessel, meist auch eine Ofenbank. Hier konzentriert sich besonderswährend der kalten Jahreszeit das Leben der Familie, hier wird GroßmütterchensErzählungen gelauscht. Im Kamin hängt über dem Feuer ein eiserner Kesselzum Kochen herab, unten erblicken wir einen eisernen Dreifuß. An einer Wanddas Kamins fällt die sogenannte„ Schnepfe", ein pyramidenartig nach obenspiz zulaufendes Holzstück auf, das zur Aufnahme der Kerze aus Baumharzdient. In solchen Bauernhäusern fand ich noch hie und da Leute, die Feuer-stein und Stahl bei sich in der Tasche trugen und so ihr Licht entfachten.Andere Hausgerätschaften liegen auf Brettern, die horizontal verlaufend unterder Decke der Stube angebracht sind. Holzlöffel sehen wir meist in einer durch-löcherten Scheibe vom Plafond herabhängen. Am Fenster erblicken wir stets denFamilientisch, auf welchem sich mit unheimlicher Regelmäßigkeit, stets dem Fensterzunächst liegend, ein Laib Kornbrot vorfindet. Dem Kamin gegenüber stehenSchränke, zwischen denen eine Pendeluhr aufgestellt ist. Als Motiv für die anKästen, Betten und der Truhe angebrachten Holzschnitzereien können wir meistdie Werbung eines Jünglings um seine Braut und die Überreichung einerSpindel an das Mädchen vor der Hochzeit, eine Volkssitte, deren wir übrigensbereits Erwähnung getan haben, vorfinden. Eigentümlich ist, daß dem Gaste,den man ehren will, stets ein Sitz auf der Truhe angeboten wird. In keinemBauernhause fehlt der Landesübliche Pennbaz, ein Stock aus Eichenholz miteinem Lederüberzug und einer Eisenkugel an dem einen Ende. Er dient alsWaffe und ist seit vielen Jahrhunderten in der Bretagne gebräuchlich. Es würdezu weit führen sich in alle Details einer ländlichen Wohnungseinrichtung zuverlieren, ich wollte hier bloß das Charakteristischeste hervorheben.
Eine halb verfallene alte Kirche in St. Herbot bot uns einen eigen-tümlichen Anblick: eine Unmenge von Schwanzhaarbüscheln von Rindern undPferden lag auf dem Altar umher. An einem bestimmten Tage des Jahreswird hier ein Ablaß( pardon) gefeiert, bei welchem die Haustiere in fest-licher Prozession um das Gotteshaus herumgetrieben werden. Dann wird jedemTier ein Haarbüschel von seinem Schweife abgeschnitten und in der Kirchedeponiert. Dies soll ein Mittel sein, diese Vierfüßler vor Krankheit zu be=wahren. Der Verkauf dieser Opfergaben trägt der Kirche, wie mir gesagt wurde,jährlich 1500 Francs. Diese Ablaßfeierlichkeiten sind zum größten Teile bereitsaußer Gebrauch, eine Spezialität der Bretagne in vielen ihrer Ortschaften.
Eines der originellsten Ablaßfeste war wohl das des heiligen Servatiusin„ Cornouaille des Monts" an der Grenze zwischen Vannes undCornouailles. Der heilige Servatius galt als der Schutzpatron der Saaten.In der betreffenden Kirche stand nun ein Banner und eine Holzstatue desHeiligen. Unter vorgeschriebenen Gesängen versammelten sich die Leute vonVannes und die von Cornouailles, beide Parteien auf einer bestimmten Seite
1 Name historischer Provinzen der Bretagne, zum größten Teile dem heutigen De-partement Morbihan entsprechend.