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Erinnerungen aus der Bretagne
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türmten Granitblöcken, die uns bis Ploumanarch begleiten. In bunter Ab-wechslung werden uns die absonderlichsten Gestalten vorgetäuscht. Ziemlich amauffallendsten ist der sogenannte Hut Napoleons". Dieser Ausflug beanspruchtezu Wagen ungefähr 5 Stunden von Lannion aus.

Am 15. August brachte mich eine Bahnfahrt von einigen Stunden vonLannion aus nach dem ungefähr 16.000 Einwohner zählenden StädtchenMorlaix. Ein sehr hoher Eisenbahnviadukt bildet, nach allen Seiten hin sicht-bar, sozusagen ein Wahrzeichen des Ortes. In der Nähe dieses Meisterwerfesmoderner Technik an der Riviére de Morlaix fällt uns ein Granithaus mit teilsganz altertümlichen, teils modernen Fenstern auf. Hier wohnte die stolze KöniginMaria Stuart, als sie, vom nahen Hafen Roscoff kommend, dem Dauphin vonFrankreich als Braut zugeführt wurde. Als das bewaffnete Gefolge der hohenFrau auf einer Holzbrücke den Fluß überschritt, stürzte diese ein und vieleschottische Soldaten fanden so ihren Tod. Der Ruf Verrat" wurde nun lautund beinahe wäre es zu einem Kampf der Überlebenden gegen die Bewohnerder Stadt gekommen, hätte nicht der Stadthauptmann mit weithin vernehmbarerStimme erklärt:, Ein Bretone hat noch niemals Verrat geübt!" Doch vielärger erging es den Söhnen Albions an anderen Stellen der Stadt. So sollenin einem nahe gelegenen Wäldchen Hunderte von Engländern von den Morlesiernim Schlafe überfallen und ums Leben gebracht worden sein. In einem engenGäßchen sehen wir das Haus der Pouliquen". Hier hat, so erzählt man, eineschöne Magd einen ganzen Trupp Engländer hereingelockt, worauf diese danndurch eine Falltüre versanken und im Flusse spurlos verschwanden. All diessind Reminiszenzen an die mit solcher Erbitterung einen großen Teil desMittelalters hindurch geführten Kämpfe der Bretagne gegen England. Daherrührt wohl auch der Wappenspruch von Morlair: Sils te mordent, mordsles!" Das Wappen selbst wird durch zwei Löwen, die ein Schiff bewachen,gebildet. Friedlichere Zeiten kamen dann, als sich die Herzogin Anna, DuchesseAnne" von Bretagne, 1491 mit König Karl VIII. von Frankreich vermählteund so die Bretagne eine Provinz Frankreichs wurde. Das Haus dieser klugenFrau sehen wir heute noch. Wie bei noch anderen aus dieser Zeit stammendenGebäuden, ist an seiner Frontseite immer das höhere Stockwerk über dasuntere vorgebaut. Im Innern erblicken wir, auch ganz typisch, eine Vorder-und Hinterhaus verbindende Holzstiege, deren einzelne Stockwerke durch balkon-artige Gänge markiert sind. An einzelnen Punkten der Treppenspindel sind schöngeschnigte Figuren, meist Heilige darstellend, angebracht. An manchen Häusernder Stadt finden wir auch an der äußeren Front befestigte holzgeschnitteHeiligenfiguren. An einigen Eckhäusern sehen wir gerade an der Ecke angebrachtemenschliche Gestalten in kauernder Stellung; so erinnere ich mich beispielsweisean einen derartigen Dudelsackbläser mit grinsendem Gesicht. Morlaix mit seinemvielfach vorhandenen mittelalterlichen Anstrich hat aber auch der Neuzeit seinenTribut gezollt Daran erinnert uns vor allem die aus dem 18. Jahrsundertstammende am Flüßchen gelegene staatliche Tabakfabrik, deren Inneres ichnur auf eine besondere Empfehlung hin betreten konnte. Einer der leitendenAngestellten erklärte mir hierbei die ganze Einrichtung. Ein intensiver Tabak-geruch und ein nicht sehr angenehmer Tabakstaub erfüllen hier alle Räume.Es werden daselbst Kau-, Schnupftabak und Zigarren hergestellt, aber keineZigaretten. Die Arbeiter und Arbeiterinnen bekommen täglich eine gewissePortion Tabak, damit auf diese Weise dem Diebstahle möglichst gesteuert werde.