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hunderte zurückgehen, ich konnte es aber im Lande nirgends mehr antreffen.Nationalkostüme mit reichen Stickereien, Hauben von Frauen, Acker- und Haus-gerätschaften verschiedenster Art zieren die Wände. Ein kleines Gemach enthältdie Wachspuppe eines bretonischen Helden aus den napoleonischen Kriegen,des berühmten La Tour d'Auvergne. Teils aus Begeisterung für den großenKorsen, teils um den Sohn eines Freundes vor dem Kriegsdienst zu retten,griff er mit 52 Jahren zu den Waffen und machte viele Feldzüge mit. Ererhielt den ehrenden Beinamen„ Le premier Grenadier de France", da er sichin vielen Schlachten ausgezeichnet hatte. Schließlich fand er in einem Gefechtin Bayern sein Ende. Hier werden nun in rührender Pietät viele Gegenständeaus dem Besize dieses wackeren Kriegers aufbewahrt. In Schaukästen schließensich außerdem historische Dokumente, Münzen und bretonische Handarbeiten an.Verschiedene Spindeln erinnern an den reizenden Brauch, der jetzt schon imAussterben begriffen ist, daß der junge Bauer seiner Braut am Tage vor derHochzeit eine solche überreicht. Das junge Mädchen spinnt nun daran unterScherzen und Schäkern der dabei zusehenden Freunde ihres Erwählten. AmHochzeitstage selbst wird die Spindel in der Kirche neben dem Schutzheiligendes Mädchens aufgestellt. Zahlreiche Holzschnitzereien, da und dort aufgestellt,zeugen für die Kunstfertigkeit der Bretonen. Aus der Fülle der Gegenständemöchte ich nur noch einen herausgreifen: Wir sehen auf einem ungefähr meter-hohen Holzsockel einen um eine senkrechte Achse drehbaren Behälter aus Holzmit einer großen Öffnung auf der einen Seite, das Ganze genannt:„ La tourde l'hospice". In den Behälter konnte ein Mädchen ungesehen ihr unehelichesKind hineinlegen, indem sie sich die betreffende Öffnung zudrehte. Nachherwurde diese dem Hospiz zugewendet, welches an der gegenüberliegenden Stelleeine Lücke in der Mauer hatte. Das Kind wurde nun aus dem Behälter heraus-genommen und im Hospiz behalten, gepflegt und aufgezogen, ohne daß mansich weiter um seine Provenienz kümmerte. Diese humane Einrichtung ist, wiemir mein lebender Katalog, die Hausmeisterin des Museums, mitteilte, bereitsabgekommen. Bei genauer Betrachtung dieser reizenden Sammlung entrollt sichein gut Stück bretonischen Lebens vor unseren Augen. Die Kollektion gehörteinem Privatmann, der sie sogar leider veräußern will.
Nun die Umgebung von St. Malo. Das Schönste daran ist der berühmteMont St. Michel. Viktor Hugo soll über den Ort dereinst geschrieben haben:Der Mont St. Michel ist für Frankreich, was für Ägypten die große Pyramideist." Tatsächlich ist er auch ebenso wie das ägyptische Denkmal weithin sichtbar,was sich durch die hier ganz flache Küste erklärt. Vor vielen Jahrhundertenlag diese herrliche Insel gerade an der Grenze der Normandie und Bretagne.Heutzutage liegt sie schon ganz in der Normandie, da die Normannen im Laufeder Zeiten die Bretonen aus einem großen Teile ihres ursprünglichen Gebietesverdrängt haben.
Eine 2 bis 3stündige Bahnfahrt über Pontorson, den an der Küste demMont St. Michel zunächst gelegenen Ort, bringt den Reisenden von St. Malozum Mont St. Michel, so daß wir ihn bequem in einer Tagestour von dortaus absolvieren können. Leider ist das Felsennest mit Pontorson mittels einesDammes verbunden, so daß man gar nicht mehr recht merkt, daß man es miteiner Insel zu tun hat. Der Damm ist aber ein Produkt der allerneuesten Zeit.Von Pontorsen aus kommend repräsentiert sich uns Mont St. Michel alsdreieckiges Gebilde, dessen höchste Spize in Goldbronze erstrahlt, und das
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