Wien, um April 1909.
Merren Doc. Dr. Michail Haberlandt.
in
Perchrung zugeeignet.
Separat- Abdruck aus der„ Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik" Padelftrabitur
1516 SA
XXXI. Jahrgang.
( A. Bartleben's Verlag in Wien.)
BIBLIOTHEK DES VEREINESFÜR ÖSTERREICHISCHE VOLKSKUNDE.
Erinnerungen aus der Bretagne.
Von Dr. Rudolf Trebitsch in Wien.
Bretagne", der Name erinnert uns sofort an die„ Grande Bretagne", anGroßbritannien und wirklich besteht ein gewisser Zusammenhang zwischen beidenLändern. In fernen geologischen Zeiten bildete dieser Teil Frankreichs mit einemgroßen Teil des heutigen Englands ein Land eine große Granitmasse. Aberder Name Bretagne hat wohl eine andere Begründung: Im 5. und 6. Jahr-hundert nach Christi Geburt kamen Scharen von Kelten, die sogenannten Bretonenaus Großbritannien herüber und bevölkerten die heutige Bretagne. Sie sind dieVorfahren der heutigen Bretonen.
Dieses Land bereiste ich nun mit dem Phonographen, um für das Phono-grammarchiv der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien Aufnahmen derschon start im Rückgang begriffenen bretonischen Sprache zu machen. Nebenbeiversuchte ich es auch, dasselbe vom touristischen und ethnographischen Stand-punkt so gründlich als möglich kennen zu lernen.
So erreichte ich denn am 1. August 1908 über Paris die ehemalige Haupt-stadt der Bretagne: Rennes. An dem Zusammenflusse der Vilaine und der Illegelegen, bietet die ungefähr 75.000 Einwohner zählende Kleinstadt so recht dasBild provinzialer Stille. Ein Teil des Ortes ist ganz modern, ein andererdeutet mit seinen Holzhäusern auf gute alte Zeiten. Eine von diesen Barackenfoll im 14. Jahrhundert den berühmten Nationalhelden Bertrand du Guesclinbeherbergt haben und wird noch heute bewohnt! Diese Mitteilung wurde mir vondem Kutscher, der mit mir eine Rundfahrt durch die Stadt unternahm, mit un-gläubigem Lächeln vorgebracht. Leider ist der größte Teil dieser Altstadt wieder-holten Feuersbrünsten zum Opfer gefallen. Ein ganz netter botanischer Garten,ziemlich hoch gelegen, mit hübschen Blumen und bedeutenden Statuen befriedigtdas Bedürfnis der Rennenser nach frischer Luft. Man kann es sich gar nichtvorstellen, daß zur Zeit des hier abgewickelten Dreyfusprozesses reges Lebenalle Gassen gefüllt haben soll. Die guten Leute schwärmen noch von dieserAffäre, weil ihre Geschäfte niemals so gut gingen wie damals. In einem ganz