Druckschrift 
Eine Islandreise im Sommer 1904
Einzelbild herunterladen
 

8

Ersteigt man sie, so erblickt man eine teils durch Wiesen,teils durch einen Bach ausgefüllte Schlucht. Parallel zurerwähnten steinernen Wand verläuft eine andere und be-grenzt die Schlucht von der Gegenseite. Das Ganze wirdnoch durch einen in der Mitte herabstürzenden Wasser-fall geräuschvoll geziert. Es ist die Allmannagja( Allmännerschlucht), so genannt, weil in dieser Gegendin Urvätertagen Versammlungen abgehalten wurden. Vieleparallele Erdspalten, bald kristallhelles Wasser bergend,bald leer, wiederholen in gelungener Abwechslung das-selbe Bild. Manche von ihnen sind mit einem großenSchritt zu übersetzen. Diese Bildungen erklären sichdadurch, daß hier ein breiter, sehr tiefer Lavastromdurch oberflächliches Erkalten stellenweise zum Berstengebracht wurde. Auch befindet sich dort die von dem

bekannten englischen Islandforscher und SchriftstellerHall Cain im Jahre 1903 entdeckte, eine jetzt nachihm bekannte, im Gestein ganz verborgene Höhle.

Die hier geschilderten Punkte sind wohl die schönstenund die interessantesten Islands. Wer sie gesehen hat,wird vermutlich für sein ganzes Leben einen bleibendenEindruck behalten. Er ist durch den mit einer solchenReise verbundenen Mangel an Komfort und Kultur sicher-lich nicht zu teuer erkauft. Andererseits wird gewißjedermann nach gut überstandener Tour gerne zu denSegnungen unserer europäischen Gesittung zurückkehren.Es erübrigt mir noch, Herrn Regierungsrat J. C.Poestion, den bekannten Islandforscher, für einige derIllustrationsvorlagen bestens zu danken.

Druck von G. Davis& Co., Wien.