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Eine Islandreise im Sommer 1904
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Der 12. August machte uns mit einem der vielenLavafelder bekannt; es wimmelt ja auf Islandvon glücklicherweise nicht mehr tätigen Vulkanen.In

schweigender Majestät, einem samt seinenWellen erstarrten Meere gleichend, lag es voruns, das ganze Gesichtsfeld ausfüllend. SchwarzeFärbung( Lava) wechselt mit grauer( Moos). Dieisländische Sprache hat für dieses interessanteStückchen Erde die treffende Bezeichnung» derkalte Strom« ersonnen. In der Entfernung von einigenMetern untereinander angebrachte Steinhaufen deutenden Weg an, der seine Entstehung lediglich den Pferde-hufen verdankt, wie die meisten hierzulande.Die er-wähnten Steinhaufen sollen den Reisenden davor be-wahren, sich zu verirren, was sonst, besonders imWinter, durch den viele Meter hoch liegenden Schneeunausbleiblich geschehen müßte.

Abends gegen 10 Uhr erreichten wir unsere erste

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räten. Ja, Geld ist hier eine höchst seltene Sache. Solltendoch die allerreichsten Leute um mich amerikanischauszudrücken nur einige hunderttausend Kronen wertsein. Einmal waren wir gezwungen, in einer Kirche zuübernachten. Sie war protestantisch wie alle übrigen aufder Insel. Wir empfanden dies als Rettung gegenüber demWohnen in kleinen, nicht ventilierten Kammern.

Von außen betrachtet, sehen die älterenBauernhöfe recht originell aus. Eine Gruppevon meist drei nebeneinanderstehenden, ebenerdigenHäuschen ist nach Art der Sheds unserer Fabriken zueinem Ganzen vereinigt. Mit Gras bedeckte Erde bildetdie Dächer, das übrige Gebäude besteht aus Stein undHolz. Von der Eingangstür aus führt ein rechtwinkeligabgebogener Gang in die einzelnen Gemächer. Inneuerer Zeit hat man jedoch Farmen gebaut, die sich ge-rade so präsentieren wie unsere europäischen Herren-sitze.

Ort und See Thingvellir, mit der Schlucht Allmannagja.

Station, Kry s uvik genannt; bei einem Bauern wurdeübernachtet. Eine niedrige Tür, an der sich ein halb-wegs großer Mensch, wenn er sich nicht bückt, denKopf anstoßen muß, schloß das Haus gegen die Außen-welt ab. Wie häufig auf Island, ließen sich die Fensternicht aufmachen. Dadurch erspart man im Winter Brenn-material. In unseren meisten Nachtquartieren gab esnicht einmal Kerzen, und wir kehrten, wie unsere Führerversicherten, stets nur bei den reichsten Leuten ein.Furchtbar kurze Betten, die sich allerdings durch eineneinfachen Mechanismus nur unzureichend in die Längeoder Breite ziehen lassen, bilden die Lagerstätten indiesem Lande der Armut. Wer weiß, ob die reisendenIsländer nicht recht haben, wenn sie nur in selbst mit-gebrachten Zelten übernachten? Sie tun es allerdingsnur des Sparens halber. Aus demselben Grunde essen sieunterwegs nur einmal des Tages von ihren eigenen Vor-

Die in Krysuvik vorhandenen Schwefelminenhatten uns hergelockt. Schon von weitem sah man Rauchaufsteigen und roch Schwefelwasserstoff. Bei nähererBesichtigung zeigten sich auf schlammigem, grauge-färbtem Boden, der uns buchstäblich unter den Füßenbrannte, kleine qualmende, mit schmutziggrauem, kochen-dem Wasser und Gasblasen erfüllte Gruben. Sie sind anihrem Rande mit gelben Krusten( Schwefel) bedeckt. Einleeres Häuschen in der Nähe deutet auf einen früherenBetrieb durch eine englische Gesellschaft. Er mußte aber,wahrscheinlich wegen der elenden Verkehrsverhältnisse,bald eingestellt werden.

In den nächsten Tagen lernten wir an einigen an-mutig gelegenen Orten einige isländische Natio-nalgerichte kennen. Walfischflossen, lieblich inapfelartige Schnitten geteilt, mit Essig übergossen, wur-den uns, wenn auch vergeblich, vorgesetzt. Der Versuch,