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Eine Islandreise im Sommer 1904
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Berührung mit fremden Fahrzeugen bewahren. Einbanger Tag verging unter unaufhörlicher Hin- und Her-bewegung unserer schwankenden Behausung. Am1. August, 6 Uhr morgens, lichtete sich der Nebel einwenig, und der Kapitän konnte mit Hilfe eines Walfisch-dampfers an unserem Bestimmungsorte Fra skusfjör-dur eintreffen. Das erwähnte Schiff übernahm unsereFührung, da es infolge ausschließlichen Fahrens in dieserGegend besser orientiert war.

Das erste, was wir in der Bucht wahrnahmen, warein penetranter Geruch, durch einen faulenden Walfischverbreitet, der in der deutschen Walfischstation lag, an derwir vorbeifuhren. Der Ort F raskusfjördur selbst, andessen Landungsbrücke wir anlegten, bot uns auch dieDüfte gemordeter Fische. Es interessierte uns eineGruppe von Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern, die tote Stockfische vorerst mitBürsten bearbeiteten, um sie von dem Schmutze, derihnen durch das Trocknen auf sandiger Erde anhaftet,zu befreien. Dann spülten die wackeren Frauen die Beuteder Männer in Salzwasser ab und legten sie nachher inFässer, in denen sie nach den südlichen Ländern Europas,

Thorlakshörn, kleine an der Südküste Islands gelegene Ortschaft.

besonders nach Spanien, geschickt wird. Ein Häuschen,auf dem» Oeuvres de mer« zu lesen war, erregte unsereNeugierde. Ein in der Tür stehender französischer Geist-licher nahm uns sofort gastlich bei sich auf und erteilteuns alle gewünschten Auskünfte. Ein französischer Wohl-tätigkeitsverein des erwähnten Namens sorgt hier für dasphysische und seelische Heil der französischen Fischer,die, dreitausend an der Zahl, in der wärmeren Jahres-zeit die Gewässer Islands befahren. Sie können hier indem von der Gesellschaft erbauten Hospital im Er-krankungsfalle Pflege und bei zwei hieher gesandtenOrdensgeistlichen Gottesdienst und religiösen Trost

finden.

Unser Gewährsmann wohnt mit seinem» confrere<<während der Saison des Fischfanges seiner Landsleutein dem im Winter als Schule dienenden Hause. Ein Teilder Vorhalle ist als Kapelle eingerichtet, ein anderer alsEmpfangsraum. Dieser ist mit Bildern einer französischenAntialkoholgesellschaft ausgeschmückt. welche die bösenFolgen des übermäßigen Alkoholgenusses anschaulich

darstellen. Reizende Ansichtskarten, die der würdigeDiener Gottes mittelst seines photographischen Appa-rates selbst anfertigt, werden von ihm zum Besten derguten Sache verkauft. An der Spitze des Krankenhausessteht ein isländischer Doktor, der gleichzeitig französi-scher Konsul ist. In dem Ort hat sich ein Kauderwälschvon Französisch, Isländisch und Dänisch herausgebildet,das es den drei Nationen ermöglicht, untereinander zuverkehren, ohne eine fremde Sprache zu lernen. Diefranzösischen Fischer kommen im Mai und verlassen dasLand im September, innerhalb welcher Zeit sie durch-schnittlich 1000 Franken per Mann verdienen.

Nunmehr ging es zu Schiff um die ganze Insel herumbis Reykjavik. Der nächste Fjord, den wir besuchten,war der bloß einige Stunden entfernte Eskjefjördur,in dem es ein Bergwerk von isländischem Doppelspath gibt,jenem wunderbaren Kristall, welcher beim Durchblickensämtliche Objekte doppelt erscheinen läßt. Hier gelanges uns auch, eine dänische Walfischstation zu besuchen.Wieder verkündete von weitem Gestank die Anwesen-heit eines erlegten Wales. Es war aber nur ein kleinesExemplar, ungefähr 6 Meter lang. Ein hölzernes Haus,in dem das Klappern von Maschinen hörbar ist, dientda der Gewinnung von Tran, welcher aus dem Fettdes Meeresungeheuers erzeugt wird. In seiner Umgebungliegen Knochen und Barten umher. Hier befaßt man sichausschließlich mit der Bereitung der genannten ölartigenFlüssigkeit, während die deutsche Station auf Fraskus-fjördur auch das Skelett zu Knochenmehl verarbeitet.Hier wie dort wird das Fleisch als Nahrung an dieärmere Bevölkerung verkauft.

Wie gelangt man nun in den Besitz dieser Kolosse?Sogenannte Walfischdampfer gehen in der Nähe der Küsteoder in den Fjords auf Fang aus. Vorne oben auf demDeck dieser Schiffe ist eine Kanone angebracht, mittelstwelcher das aus dem Meer auftauchende Säugetier har-puniert wird, indem die Harpune, die durch ein langesMetallseil am Schiff befestigt ist, durch die Kanone ge-schossen wird. Der schon verwundete Wal soll dann oftnoch so viel Kraft besitzen, daß er das Fahrzeug, trotz-dem es Kontradampf gibt, viele Seemeilen weit insMeer hinausschleppt. In früheren Zeiten war diese Jagddadurch gefährlich, daß das vor Schmerz zuckende, har-punierte Tier das seinerzeit benützte Ruder- oder Segel-boot zum Kentern bringen konnte. Dies kann heutzutagebei der Verwendung von Dampfern nicht mehr vor-kommen. Immerhin soll die Aufregung auf dem Schiffe,nach Berichten von Augenzeugen, vom Momente desErblickens eines Wales bis zum Habhaftwerden des-selben, so groß sein, daß die Bemannung selbst auf dieDauer vieler Stunden ganz aufs Essen vergiẞt.

Ist der Fang gelungen, so wird das an dem Dampferbefestigte Tier im Wasser bis zur» Station<< geschleppt.Dort angelangt, wird es auf einer schiefen, ins Meergehenden Ebene ans Land gezogen. Es gibt in dieser