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Urania
disch und Umgebung, erhalten. Auch in Böhmen gab esnoch bis in die letzte Zeit( vielleicht noch heute) an vie-len Orten zu Pfingsten einen Königsritt; dort wurdeaber derjenige Hirtenknabe zum König auserkoren, dessenVieh am Pfingst- Montag zu allererst auf dem verabre-deten Weideplatz erschien. Der neugewählte Herrscher hattein seinem Ornat in irgend einem Teich ein Bad zu neh-men. Dies ist vielleicht als Regenzauber zu deuten. Essoll dadurch, daß eben der Vegetationsdämon naß gemachtwird, Regen für die Feldfrüchte erfleht werden. Der„ Mai-könig" tritt uns in dieser oder jener Form nahezu inganz Europa entgegen. Häufig ist es eine Königin, oderder„ Maigraf", in Deutschland der Pfingstbuzz" oderder Pfingstlümmel" und dergleichen mehr. Vielfach istdie Kleidung der betreffenden Personen so geartet, daß
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bolischen Handlung wird dem ganzen Dorf Fruchtbarkeitfür seine Felder gewünscht. Aber außerdem pflanzt derjunge Bauernbursch auch vor dem Hause seines Mädchensallenthalben auf unserem Kontinent einen„ Maibaum"ein, um ihm auf diesem Weg Gesundheit und Frucht-barkeit zu wünschen. Die Vorstellung, daß der Baum unddie Menschenseele miteinander Beziehungen haben, isturalt und verbreitet. In Fürstenhäusern war es sogarnicht selten üblich, bei der Geburt eines Kindes im Garteneinen Baum zu pflanzen, und die Schicksale beider Wesensollten, der Volksmeinung zufolge, enge miteinander ver-knüpft sein. Der Begriff„ Lebensbaum", der aus demOrient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient stammt und dessen Darstellung häufig in der Volks-kunst unserer Monarchie anzutreffen ist, entspringt demgleichen Vorstellungskreise.
Abbild. 4: Slowakische Stickerei. Wochenbettvorhang.
wir deren Wesen erkennen. So erblickt man daran garnicht selten Getreidebüschel und Strohhalme. Wenn jemandaus dem Gefolge mit Hühnereierschalen ausgerüstet ist,so müssen wir dieses Produkt unseres Geflügels als Sym-bol des keimenden Lebens, der Fruchtbarkeit, auffassen.Die Faune, Pane und ähnliche Gestalten des Altertumssind auch als Vegetationsgottheiten zu deuten und habensicherlich auf die erwähnten„ Maigebräuche" vorbildlichgewirkt. Der Pfingstbuk" wird in manchen deutschenGebieten in form einer Puppe auf den sogenannten,, Maibaum" gehängt.„ Maibaum" und" Mai könig"sind ganz gleichartige Dinge. Beide sollen einen Vegeta-tionsdämon zur Anschauung bringen. Jm Monat Maiwird eben vielfach in ganz Europa unter Festlichkeitenein Baum( Birke, Tanne, fichte oder andere mehr) ausdem Wald geholt und inmitten des Dorfes aufgepflanzt;er gehört dann der gesamten Gemeinde. Mit dieser sym-
Aus dem Naprstek- Museum.
Jm böhmischen Landesmuseum auf demWenzelsplatz in Prag finden wir in zwei Sälen einschlä-gige Sammlungen. Der eine davon ist nur dem König-reich Böhmen gewidmet, während der andere sich auf dieübrigen Tschechoslaven bezieht. Hier fallen nns, nebenanheimelnden Bauernstuben, mit Wachsfiguren in der be-treffenden Nationaltracht und charakteristischem Hausrat,deren es auch in der böhmischen Abteilung mehrere gibt,besonders die für die Slowaken so bezeichnenden Sticke-reien mit stilisierten Hähnen, Löwen und Pfauen auf.Aber auch figurales erblicken wir ausnahmsweise aufdiesen Textilien. Auf den böhmischen Stickereien prangtvielfach die stilisierte Rose, die in konzentrische Kreise auf-gelöst erscheint, welche von außen geschmackvoll mit Gold-flitter umgeben sind. In beiden Lokalitäten ist auch dieTöpferkunst der Tschechoslaven in schönen Exemplarenreichlich vertreien. Geradezu eine Seltenheit stellt das an