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Die volkskundlichen Sammlungen von Prag
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Nr. 39

Üranta

geschrieben, nicht gedruckt. Sie stammen größtenteils ausdem südwestlichen Teil des Königreichs. In der Töpfer-funst hat Böhmen selbst eine geringere Höhe als dieSlowakei erreicht. In dem genannten Kronland ist besonders die Bemalung in letzter Zeit an Buntheit und Reich-tum der Motive zurückgegangen. Die slowakische Keramikarbeitet zumeist mit den Farben Weiß als Grundton,dann mit Grün, Gelb und Blau. Sowohl Motive ausdem Pflanzenreich, als auch aus dem menschlichen Lebenzieren die Objekte, die nicht selten durch entsprechendeDarstellungen als Eigentum von Zünften gekennzeichnetsind( die Schere für die Schneider, das Rad für die Wag.ner u. dgl.). In sinniger Weise sehen wir Stickereien( Altartücher, Wochenbettvorhänge u. a. m.) mit Trachten

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Eine der interessantesten Gruppen ist der Zug desMaikönigs", wie er zum Beispiel in Mähren, inUngarisch- Hradisch stattfindet. Die in einer Vitrine zusam-mengestellten Figuren vergegenwärtigen uns die dort inden Pfingstfeiertagen stattfindende festlichkeit. Voran reitetein Herold mit einer Fahne, in der Mitte des Zugesgruppieren sich um den König", der von einem jungenBurschen zu Pferd dargestellt wird, zwei Reiter zu beidenSeiten; alle sind in Frauentracht, der König" hält ge-wöhnlich eine Rose im Munde. Außerdem schließen sichnoch ungefähr 40 Berittene in bäuerlicher Gewandung an.Der Herold deklamiert vor einem Hause, vor dem der Zugeben hält, improvisierte Verse, die in humoristischer Weisedie Eigentümlichkeiten der Bewohner loben, beziehungs.

Abbild. 2: Derierkrug. Mährische Keramik.Aus dem Tschecho- slavischen Museum.

figuren und stücken zu abwechslungsreichen Gruppenvereinigt. Zu den markantesten Erscheinungen gehört dieWeibertracht Glossar ::: zum Glossareintrag Weibertracht aus der Pilsener Gegend, bei der die Fraueine weiße Haube mit zwei großen weißen Flügeln, diesogenannte Flügelhaube" trägt. Unter den männlichenfiguren fällt uns eine aus der Slowakei auf, die zueiner kurzen Jacke eine nach Husarenart verschnürte, enganliegende Hose mit hohen Röhrenstiefeln anhat, wobeizu beiden Seiten des Lakes, also des Verschlusses desBeinkleides, die Enden eines bunten Taschentuches hervorlugen. In einigen um die Stiege gruppierten Räum-lichkeiten zeigen zierliche Holzmodelle die kirchliche Bau-weise, wobei der oft abseits stehende Glockenturm unserbegreifliches Interesse erweckt. Im Garten ist ein eigenerTrakt der Landwirtschaft gewidmet. Er beherbergt Ob.jekte der Bienenzucht, des Ackerbaus, der Wein- undHopfenkultur, Häuser, Siedlungsmodelle und dgl. m.

Abbild. 3: Die heilige Dreifaltigkeit.

Aus dem böhmischen Landesmuseum.pas 4.222

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weise tadeln. Wie bei vielen Zauberhandlungen, somuß auch hier während des Reitens geschwiegen werden,sicherlich, um das Weihevolle des ganzen Aktes zu mar-kieren. Daß der König" und die meisten Teilnehmer inFrauenkleidern erscheinen, ist wohl dahin zu deuten, daßdie Geister irregeführt werden sollen, damit sie den Mit-wirkenden im gewöhnlichen Leben nichts anhaben können.Zumeist vereinigen sich mehrere Königsritte in verschiede-nen Dörfern zu einem einzigen. Das wesentliche ist immerdabei, daß für den König gebettelt wird und so für ihnLebensmittel aufgetrieben werden, die man dann gegenSchluß der Festlichkeit gemeinsam verspeist.Darin habenwir wohl eine Art Opferhandlung zu erblicken; der Mai-könig ist ja als Vegetationsdämon aufzufassen. Diesefeierlichkeiten waren im Jahre 1870 in ganz Mährenbereits abgekommen und hatten sich nur mehr in derSlowakei dieses Kronlandes, und zwar in Ungarisch- Hra