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Die volkskundlichen Sammlungen von Prag
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Sette 442

Uranta

Nr. 39

Hand mit den Sprachgrenzen gehen auch zumeist dieTrachten.

Die Kopfzahl der Tschechoslaven beträgt nach denAngaben der Volkszählung vom Jahre 1910 für Böh-men ungefähr 4,242.000, für Mähren 1,869.000, fürSchlesien 180.000; daher sind in Oesterreich 6,291.000dieser Volksgruppe zuzurechnen. In Ungarn gibt es2,002.000 Slowaken, also in der Doppelmonarchie 8,293.000Tschechoslaven.

mitgeteilt wurde. Jm südlichen Schlesien und im nord- dort das Tschechische als Schriftsprache diente. Hand inöstlichen Mähren, welches schon ans polnische SprachgebietGaliziens angrenzt, hausen die Lachen oder Wasserpolacken,deren Sprache Anklänge an das Polnische zeigt. Siewerden manchmal zu den Tschechen, des öfteren auch zuden Mährern gerechnet. Jn Schlesien wohnen nochaußerdem in den Beskiden Walachen. Die Goralen,die hauptsächlich den östlichen, vom übrigen Kron-land durch das hereinragende Mähren abgetrennten Teildes Landes bevölkern, gehören zu den Polen, also nichtmehr zu den Tschecho-slaven. Jm nördlichen Un-garn wohnen die Slowa-fen, die in eine westliche,mittlere und östliche Gruppezerfallen. Dieser ganze Land.strich wird aber auch viel-fach von magyarischen undrein deutschen Sprachinselneingenommen. In der Tief.ebene reichen die Slowakennördlich von Budapest ineinzelnen Gruppen bis nahean die Donau heran, ebensoerstrecken sie sich in solchenin das Quellengebiet derTheiß hinein. Im Ostengrenzen sie an die HuzulenUngarns. Um Mißverständ-nisse zu vermeiden, sollteman nur die Rumänenund nicht die erwähnteGruppe der Tschechoslavenmit dem Namen Walachenbezeichnen, denn diese Be-nennung bezog sich sicher-lich ursprünglich nur aufdie Rumänen, was aus der" Großen und KleinenWalachei", Provinzen desunserer Monarchie benach-

Jm tschechoslavi-schen Museum Pragsbreiten sich in der Nähedes Einganges Gegenständedes Glaubens und des Aber-glaubens vor uns aus, soholzgeschnitzte Weihnachts.krippen, die des öftereneine Kapelle im Barockstildarstellen. Maskenfiguren,wie wir sie von deutschenAlpenländern her für ver-schiedene Festlichkeiten ken-nen, erblicken wir hier,häufig in weiße Leinwandgehüllt. Auch an Amu-letten fehlt es nicht. Bäuer-liches Mobiliar, bei demdie Barocke und Renaissancein volkstümlicher Umarbei-tung zur Geltung kommen,füllt weitere Räume. Eineslowakische Küche schließtsich an mehrere Bauern-stuben an. Sie ist an denWänden reizend mit pflanz-lichen Motiven bemalt, dieauf alter Tradition fußenund an Ort und Stelle voneiner mährischen Slowakinganz ohne Vorlage ange-bracht wurden. Derartig begabte frauen versehen häufig dieWohnstätten ihrer Nachbarn mit solcher Auszier. Es zeigensich da im Stil auffallende Aehnlichkeiten mit den landes-üblichen Stickereien. Produkte der Hausindustrie, Spielzeug,Korbwaren und Musikinstrumente erfreuen das Auge desBeschauers im oberen Stockwerke. Es sind Schalmeien ausden Gebirgsgegenden und ein ganz eigentümliches Instrument,die Cinera" zu sehen. Es besteht im Wesentlichen aus Sai-ten in Verbindung mit einer Klaviatur und einer an einemEnde angebrachten Kurbel. Bei flüchtiger Betrachtungmacht es den Eindruck einer großen Geige. Gebetbücher,die mit getriebenen Messingeinbänden und eingelegtenHalbedelsteinen versehen sind, zeigen uns den bäuerlichenHausfleiß von einer anderen Seite. Ihr Inhalt ist zumeist

Abbild. 1: Junges Slowakenpaar aus der Umgebung von Velehrad.

Aus Die österreichisch- ungarische Monarchie in Wort und Bild", Bd. Mähren undSchlesien".

barten Balkan- Königreiches, hervorgeht. Für den genannten Zweig der Tschechoslaven könnte man vielleicht denAusdruck Walacho. Slowaken" oder einen ähnlichen ein-führen.

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Die besprochenen Volksstämme bilden zusammen dieTschechoslaven. Die in Böhmen und Mähren ange.siedelten Zweige, mit Ausnahme der Walachen und Slo-waken, gebrauchen das Tschechische als Schriftsprache,die Walachen und Slowaken der verschiedenen Zweigedas Slowakische. In beiden Fällen entspricht das geschriebene Jdiom einem geographisch in der Mitte zwischenden anderen gelegenen Dialekt. Bei den Slowaken Ungarnswaren viele Hussiten aus Böhmen im 15. Jahrhunderteingewandert, weshalb noch bis zum 19. Jahrhundert