Druckschrift 
Die volkskundlichen Sammlungen von Prag
Einzelbild herunterladen
 

3133.

Prim, anfangs Matober 1914

THEK DES VE

Überreicht vom Verfasser.

Urania

Wochenschrift für Volksbildung

Schriftleitung: Hofrat Dr. Eugen Guglta. Rechn.- Rat Fritz Stüber Gunther. Ständige Mitarbeiter: Kußtosadjunkt Dr. Hans von Anfwicz, Hochschul,Prof. Dr. Mar Bamberger, Univ.- Prof. Dr. Robert Bartsch, Univ.- Prof. Dr. Stephan Braßloff, Univ.- Prof. Dr. Alfons Dopsch, Dozent Dr. Oskar Ewald,Schriftleiter Hugo Gerbers, Hofrat Univ.- Prof. Dr. Rudolf Hermann zu Herrnritt, Dozent Kustos Dr. H. Julins Hermann, Univ.- Prof. Dr. Georg Joannovics,Univ. Dozent Dr. Paul Kammerer, Schriftsteller tats. Rat Dr. Ludwig Karell, Archiv- Dir. Univ.- Prof. Dr. Heinrich Kretschmayr, Hofrat Hochschul- Prof. Dr. JosefNeuwirth, Univ.- Prof. Dr. Eugen Oberhummer, Univ.- Prof. Dr. Rudolf Poech, Hochschul- Prof. Dr. Rudolf Saliger, Seftionschef Dr. Karl Schreiber, Univ.- Prof.Dr. Emil Schwarz, Hochschul- Prof. Dr. Franz Strung, Kustos Prof. Dr. Heinz J. Tomaseth, Reg. Rat Prof. Dr. Friedrich Umlauft, Reg.- Rat Prof. EduardValenta, Univ.- Prof. Dr. Franz Werner, Ob.- Komm. Jng. Gustav Adolf Witt.

X. Jahrgang. Nr. 39

Inhalt:

Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.

29. September 1917

Die volkskundlichen Sammlungen von Prag. Von Dr. Rudolf Trebitsch,( mit 4 Abbildungen.) Astronomische Rundschau.- Buch-besprechungen. Auskünfte.- Verschiedenes. Mittellungen der Urania.

Die volkskundlichen Sammlungen

von Prag.

( mit 4 Abbildungen.)

Die volkskundlichen Sammlungen von Prag vertei-len sich auf vier Museen: 1. Das tschechoslavischeMuseum in Prag- Smichow, welches nichts anderes alseinschlägige Objekte enthält; 2. das Naprstek Museum, welches auch viele ethnographische Gegenstände nichtböhmischer, besonders russischer Slaven, und überdieseine reichliche Kollektion aus anderen Kontinenten besitzt;3. das böhmische Landesmuseum, das, derHauptsache nach, die Natur- und Kulturgeschichte desKönigreiches zur Anschauung bringt; 4. das kunst-gewerbliche Museum, das, wie sein Titel andeutet,nur ganz nebenbei bäuerliches Gewerbe aus Böhmen inform von Tertilien und Keramik zur Schau stellt. Dieerwähnten Institute befassen sich ausschließlich mit demtschechischen Volk des Königreiches Böhmen und mit ver-wandten Stämmen; die in Betracht kommende Völker-gruppe wird mit der zusammenfassenden BezeichnungTschechoſlaven auch in ihren in Mähren, Schlesien undUngarn angesiedelten Volksteilen behandelt.

Die Slaven bewohnten ihr ältester Zweig, dieWenden, hauste im 6. Jahrhundert in den Karpathenund im Elbegebiet im 6. und 7. Jahrhundert beinahedie ganze österreichische Reichshälfte. Sie wurden aberbis zum 14. Jahrhundert vielfach germanisiert, so daßes weiterhin keine Slaven mehr in den Alpenländern gab.Im spätern Mittelalter traten in den Karpathen dieRumänen auf, die aber dann slavisiert wurden und sichin ihrer östlichen Hälfte in die jetzigen Huzulen( ein ruthenisch sprechender Stamm) verwandelten, während derenwestlicher Abschnitt unter dem Namen Walachen heuteden Tschechoslaven angehört. Die Walachen bewohnenhauptsächlich das ungarisch- mährisch- schlesische Grenzgebiet.Die Rumänen breiteten sich vom 12. bis 16. Jahrhundertin Siebenbürgen, der Bukowina und Oberungarn aus,dann auch in Dalmatien und Istrien. Nahezu in allen

diesen Landstrichen wurden sie slavisiert. Sie bilden größten-teils eine Hirtenbevölkerung, die in den auf die Viehzuchtbezüglichen Ausdrücken zumeist noch rumänische Worte,mehr oder minder verändert, bewahrt hat. In Böhmenbevölkern die Tschechoslaven als Tschechen hauptsächlichdie zentralen Landstriche, zum Teil aber stark mit Deutschenvermischt, während die Randgebiete rein deutsch sind. Eshandelt sich hier bei den Slaven um mehrere Volks.stämme, was noch heute durch die entsprechenden Dialektehervortritt. Jm äußersten Westen, gegen deutsches Gebiet,wie eine Landzunge vorragend, finden wir die Chodenin der Gegend von Taus. Sie sind mit wenigen Aus-nahmen die einzigen Tschechen, die die Nationaltrachtbewahrt haben. Die Choden sind heute schon vielfachgermanisiert, so die Gruppe bei Tachau. Dialektisch zer-fallen die Tschechen Böhmens außerdem in eine Gruppeam Riesengebirge, dann in eine nördliche, mittlere undsüdliche. Die Choden bildeten einen sehr kriegerischen Zweigder Slaven: da sie an deutsches Gebiet angrenzten, kämpften sie stets gegen das Eindringen deutschen Wesens. Immittleren tschechischen Teil Böhmens ist eine deutscheSprachinsel bei Budweis, und eine, die sich weit nachMähren gegen Jglau hinüberzieht, zu verzeichnen. InMähren werden die Slaven größtenteils Mährer genannt;an den Grenzen gegen Böhmen finden sich Uebergangs-dialekte, weshalb man diese Bevölkerung als mährischeTschechen bezeichnet. Jm gebirgigen Teil von Mähren,nördlich von Brünn, finden sich die Horaken, deutsch Berg-bewohner. Der Familienname Horak wäre in unsererSprache demnach etwa mit Berger" wiederzugeben. DieAnsiedler des Tieflandes hingegen heißen Hannaken. DieHannakei mit ihrer außerordentlichen Fruchtbarkeit stelltdie beste Bezugsquelle unserer Ammen dar. Jn Brünnund Umgebung und an mehreren anderen Stellen diesesLandes trifft man rein deutsche Sprachinseln. In derGegend von Lundenburg finden sich einige kroatische An-siedelungen. Im Gebiet der March wohnen Slovaken,nordöstlich davon, wie diese auch an Ungarn angrenzend,Walachen, über deren Herkunft das Wesentlichste bereits