Druckschrift 
Ethnographisches von meiner Grönlandreise im Sommer 1906
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

466

XVI. Internationaler Amerikanisten- Kongreß.

und Angst der Eingeborenen anzukämpfen. In den meisten Fällenaber wollten die Grönländer allzu leise in den Apparat singen odersprechen. Schließlich gelang es uns aber doch gegen 70 größtenteilstadellose Platten nach Hause zu bringen.

Ich will mich hier damit begnügen, als Probe drei der besten meiner Walzenvorzuführen, die von Aufnahmen mittelst des Edison- Phonographen herrühren. Dieweitaus größte Mehrzahl der Aufnahmen wurde jedoch mittels des eigens fürReisezwecke konstruierten Akademie- Phonographen erzielt.

Vorerst 2 Lieder mit Violin- und Ziehharmonikabegleitung, gesungen vonVilas Matak, einem ungefähr 30jährigen Bewohner von Pröven in Nordgrönland.Das erste Lied enthält meinem Dolmetsch zufolge eine scherzhafte Drohung gegendie schlimmen Mädchen, die sich zu viel mit den Männern unterhalten.

Das zweite Stück, Abomà genannt, stammt aus der heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Zeit undbringt die Freude eines Mannes zum Ausdruck, der durch den Tod seiner Mutterendlich in der Lage ist, das Mädchen seiner Wahl zu heiraten. In der Gegendvon Kap York sind die heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Lieder meist nach dem Sänger, der sie ge-schaffen hat, benannt. Davon konnte ich mich durch ein solches, von einem KapYorker gebrachtes Lied in Ikerasàk auf der gleichnamigen Insel überzeugen. DerMann, der von dem nunmehr auf so tragische Weise zugrundegegangenen Grönland-forscher Mylius Erichsen nach Kopenhagen gebracht worden war, befand sich zu-fällig jetzt in dem genannten Orte. Im Gegensatz zu diesem Lied aber hat es garkeinen Text, sondern nur eine Melodie. Die Melodien dieser beiden hier vor-geführten Lieder wurden mir als echt grönländisch bezeichnet, dürften es auch tat-sächlich sein.

Echt grönländisch dürfte auch der nachfolgende Chorgesang der drei Männeraus Pröven sein. Der Inhalt ist derselbe wie der des Liedes Abomà auf derfrüheren Walze. Der Gesang steht in Grönland- wie bei den Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos überhaupt-noch auf sehr tiefer Stufe. Es wurde nirgends, soweit ich es beobachten konnte,vielstimmig gesungen. Es wirkten hier ebenfalls Ziehharmonika und Violine alsBegleitung mit.

Der Schmied Johann Mörk in Upernivik spielte auf seiner Ziehharmonikaeine Tanzmelodie genannt» Arfenak pingasul«, auf Deutsch» acht<-es sollen nämlichdabei acht Leute tanzen in meinen Apparat. Zum Tanz wird meist mit Zieh-harmonika, seltener mit Geige aufgespielt. Dabei sind die Tanzweisen meist euro-päische oder solche, die, wie in diesem Falle europäischen Einfluß vermuten lassen.

Nun zur ethnographischen Sammlung, die ich für dask. k. naturhistorische Hofmuseum angelegt habe. Zuerst einigeerklärende Worte bezüglich ihres Zustandekommens. Sobald dieGrönländer bemerkten, daß ich ethnographische Objekte zu sammelnwünschte, lachten sie mich vor allem einfach aus, da sie meinInteresse für derartige, ihnen oft wertlos erscheinende Gegenständeeinfach nicht begriffen. Als sie sich jedoch damit abgefunden hatten,brachten sie mir das Gewünschte massenhaft herbei, meist ganz