Tir. 6
Urania
glauben den Menschen bei Nacht und verursacht den so-genannten Alptraum. Wenn wir uns in diesem Zustandbefinden, so glauben wir, ersticken zu müssen und sind vonAngstgefühlen gequält. Die Volksphantasie erklärt dieErscheinung in der Weise, daß ein gespenstisches Wesen( die Trud, Mar, oder der Alp,... die Bezeichnungen sindverschieden je nach der Gegend) sich auf den Schlafendensetzt und ihn würgt. Die wissenschaftliche Deutung desVorganges, den wir wohl alle schon durchgemacht haben,ist einfach die es handelt sich um eine Behinderungunserer Atmung, sei es durch eine Krankheit, durch starkeUeberfüllung des Magens, der dann auf das Zwerchfelldrückt, oder durch eine ungünstige Lagerung des Körpers.Daß das Volk auf Abhilfe gegen einen so unangenehmenTraum sann, ist nur zu begreiflich. Da nun der Trud
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bilder, überall in allen christlichen Ländern zur Vertreibungvon Gespenstern angewendet werden.
Gegen Heren im allgemeinen soll die sogenannte„ Unruh" schützen, die in den Bauernhäusern von nahezuganz Europa vorkommt. Sie dürfte aus der Heiligen-Geist- Taube hervorgegangen sein, die, aus Holz geschnitztund mit Papierflügeln versehen, über dem Tisch schwebendangebracht ist. In vielen Gegenden erscheint der Vogelin Verbindung mit einem Strohbaldachin, der mit zahlreichen Strohgeflechten in Vierecksform versehen ist. Bleibtdie Taube aus und nur das Beiwerk zurück, was beson-ders in nördlichen Ländern häufig vorkommt, so habenwir es mit der„ Unruh" im engeren Sinne zu fun, sogenannt, weil dieser Gegenstand sich beim leisesten Luft-hauch bewegt und angeblich nur dann ruhig bleibt, wenneine Here das Zimmer betritt. In demGrazer Museum finden wir„ Unruhen".die die Konturen eines Herzens aus ent-sprechend gebogenen Holzreifen darstellen.Der Längs- und Querdurchmesser desGebildes ist durch ein Holzkreuz gegeben,an dessen Armen wieder kleine Kreuzeund die heiligen Marterwerkzeuge ange-bracht sind. An der untersten Spitze diesesSchnitzwerkes hängt eine hölzerne Taube.Diese Form scheint hauptsächlich in derSteiermark vorzukommen. Dem gleichenZwecke dienen in einzelnen norddeutschenGebieten von der Decke herabhängendeDistelpflanzen oder in eigentümlicherWeise verflochtene Grasarten.
Abbild. 4. Steirischer Zierkamm.( Ende des 18. Jahrhunderts.)pos 4.105
Entenfüße zugemutet werden( sie soll angeblich einenwatschelnden Gang haben wie dieser Vogel), so werdenin manchen Gebieten Entenfüße in der Nähe des Bettesaufgezeichnet. Man stellt sie zumeist in form zweier ver-schlungener, gleichschenkliger Dreiecke, des sogenanntenPentagrammes dar. Es ist dies aber ursprünglich einZeichen der philosophischen Schule der Pythagoräer desAltertums. Dieses wird wiederum oft mit dem aus zweieinander überkreuzenden, gleichseitigen Dreiecken bestehen-den Heragramm verwechselt. Das lettere, auch Salomons-siegel genannt, stammt aus dem Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient. Eine große Rollespielen bekanntlich diese Zeichen in einer Szene vonGoethes" Faust". Wenn nun in der Steiermark und inder Gmundner Gegend zur Abwehr der Trud ein Kreuzaus Weidengeflecht benützt wird, so ist dies ein selteneresDorkommnis, wir können es uns aber erklären, da wirja wissen, daß kirchliche Symbole, das Kreuz und Heiligen
Mar Helff sen.
Während die Objekte, die mit derTrud zusammenhängen und die ver-schiedenen Abarten der„ Unruhe" nahezuin ganz Europa anzutreffen sind, stießenwir in dieser Sammlung auf einen Kult-gegenstand, der nur in ganz wenigen Land-strichen vorzukommen scheint: Es istdie sogenannte„ Weinberggoaß"( hochdeutsch Weinberg-ziege). Die Wissenschaft wurde auf diese roh in Holz aus-geführte Nachbildung des Tieres zuerst in Niederösterreich,im Viertel unter dem Mannhartsberg( Gegend von Kor-neuburg, Oberhollabrunn, Mistelbach) und dann in Möd-ling und Umgebung aufmerksam. Im letzteren Gebietkennt man das Objekt jedoch nur aus den Erzählungenalter Leute. Es ist wahrscheinlich, daß dieser Bock, reich-lich mit Trauben behangen( zu deren Anbringung sindmehrere Eisenstifte vorhanden), früher bei den Festlich-keiten der Weinhauergenossenschaften einhergetragen wurde.Bekanntlich spielt die Ziege im antiken Bacchusdienst eineRolle; da nun der Weinbau auf römischen Ursprung zu-rückgeht, mag die Nachbildung dieses Tieres ehedem beiWeinlesefesten figuriert und da ein Ernteopfer symbolisierthaben. Aus der in Graz ausgestellten„ Weinberggoaß"geht nun hervor, daß der Gebrauch auch in Steiermark