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Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit und Gegenwart
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Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit u. Gegenwart. 171

In dieser Beschreibung handelt es sich umein Objekt aus Weidenruten. Der aus Schilfhergestellte Typus ist nirgends in der Literaturnäher geschildert, dürfte aber wohl eine ganzähnliche Beschaffenheit aufweisen.

Bei der Benutzung werden die Ziegenfellestets nach einmaligem Gebrauche neuerdingsaufgeblasen. Die Ziegenhautfähre" dientjedoch niemals zu weiteren Fahrten, sondernbloß zum Übersetzen von Flüssen. AufgeblaseneZiegenhäute werden in diesem Gebiete auchschweren Holzarten unterlegt, um sie auf dieseWeise flußabwärts zu dem betreffenden Marktetreiben zu lassen. Nach Träger werden die" Ziegenhautfähren" in Albanien allmählichdurch Doppeleinbäume verdrängt.

Bezüglich der genaueren Verbreitungder Ziegenhautfähre" im nördlichen ge-birgigen Teil von Albanien werden vonTräger folgende Punkte angegeben:

1. An der Drin, drei Stunden nördlich vonKomana; 2. in Skoina; 3. in Merturi Gurit.

Nun folgen noch einige Ortsangaben, diewir Baron Nopesa ¹) entnehmen und zwar:

4. Vau Martinit, 5. Toplana, 6. Agripa,

7. Firza.

Dieser Quelle entnehmen wir auch, daß dieseaufgeblasenen Ziegenhäute in Albanien Serkgenannt werden. Im wesentlichen scheint essich da um am Mittellaufe des Drin ge-legene Orte zu handeln.

Es macht jedoch den Eindruck, daß die Ver-breitung dieses Schiffsfahrzeuges nochnicht in erschöpfender Weise studiert ist.Trägers Angaben beruhen zum Teil auf eigenerBeobachtung und anderseits auf Berichten höchst-wahrscheinlich vertrauenswürdiger Reisender.

Wenn wir auf die Verbreitung des Fell-bootes in Europa einen Rückblick werfenwollen, so können wir folgendes konstatieren:In der Vergangenheit war es anzutreffen: inden keltischen Gebieten Großbritanniens( also in Irland, Wales und Schottland), inSpanien und Oberitalien, bei den Lappen Glossar ::: zum Glossareintrag  LappenSkandinaviens und bei den Samojedenim nordöstlichen Rußland, möglicher-weise auch an den Nordküsten Deutsch-

1) Dr. Franz Baron Nopesa, Das katho-lische Nordalbanien", bei Gerold u. Sohn in Wien.

lands und an den Gestaden Frankreichs undvermutlich auch in den Donauländern. Dieletzte Vermutung stützt sich allerdings nur auf denUmstand, daß es in den Donauländern eine kel-tische Bevölkerung, als deren Kulturgut ich dasCoracle ansehe, gegeben hat, und auf die erwähnteTradition in Wales. Leider konnte ich keine histo-rischen Quellen dafür namhaft machen.leicht werden Philologen welche finden können.

Viel-

In der Gegenwart treffen wir Fellbooteund Schwimmsäcke in Europa: in den an-geführten Teilen von Irland und Wales undan den aufgezählten Punkten in Albanien( s. Fig. 13 auf S. 177).

B. Asien.

I. Vorder-, Zentral-, Süd- und Ostasien.

Für Vorderasien finden wir bereits in denSchriftstellern des klassischen Altertums Be-lege für das Vorhandensein von Fellbootenin Mesopotamien und Armenien. Dabeihandelt es sich um Typus 1, 4 und 5, Typen,die wir ja auch in der Gegenwart in Meso-potamien antreffen. Zwei von diesen Autoren,Herodot und Xenophon, sind sicherlich zu-verlässig, weil ihre Angaben auf eigener An-schauung beruhen.

Bei Herodot( 484 bis 404 v. Chr. Geb.)heißt es in seiner Geschichte" 1) im Kap. 194( es war im vorhergehenden von den Baby-loniern die Rede):" Was mir aber dort imganzen Lande das Wunderbarste ist, will ichgleich jetzt angeben. Ihre Fahrzeuge, die denFluß herab nach Babylon kommen, von runder

Gestalt( Fig. 6), sind ganz aus Leder. Bei den

Armeniern nämlich, die oberhalb der Assyrierwohnen, schneiden sie zuerst Weiden ab undmachen die Rippen des Schiffes daraus. Dar-über spannen sie außen herum eine Decke vonHäuten als den Boden, ohne daran ein Hinter-teil hervorzuheben oder einen Schnabel zuspitzen, sondern in der runden Gestalt einesSchildes. Jetzt füllen sie dieses ganze Fahr-zeug mit Stroh und lassen sich den Strom hinabmit ihrer Ladung treiben. Meistens führensie Krüge voll Palmwein darauf. Gelenkt wirdes durch zwei Ruder von zwei aufrecht stehen-

1) Deutsch von Adolf Schöll, Stuttgart 1855.

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