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Dr. med. et phil. Rudolf Trebitsch,
hier von myoparo", d. i. eine Art von Kaper-schiff, die aus dem griechischen μvолάowv¹)bekannt ist]:„ Es ist das nämlich ein Kahn,aus Weidenruten verfertigt und mit rohemLeder überzogen, jene Art von Fahrzeugen,wie sie die Seeräuber der Germanen an denKüsten des Ozeans oder auf den Sümpfenwegen ihrer Behendigkeit benutzen. Darüberberichtet die Geschichte."( Welchen Historikerder Autor hier meint, ist unbekannt, so daßwir also leider über die Quelle, aus der erschöpft, nicht informiert sind.)„ Der Stammder Saxones verläßt sich auf die Myoparonesund nicht auf seine Kräfte, mehr auf die Flucht,als auf Krieg bedacht."
Von modernen Autoren bringen Wacker-nagel 2), Hörnes 3) und Schnepper 4) hierhergehörige, wohl größtenteils auf den drei er-wähnten Schriftstellern fußende Nachrichten.Hörnes erwähnt, daß die Angeln, Sachsenund Jüten noch im 6. und 7. Jahrhundertn. Chr. Geb. sich aus Weidenruten gefloch-tener, mit Leder umnähter Kähne be-dienten.
Nach Schnepper hatten die Sachsen beiihren Raubzügen an den gallischen Küsten im4. Jahrhundert solche Fellboote, und zwar ent-weder ausschließlich oder zum mindesten nebenhölzernen Kähnen.
Ebenfalls nach Schnepper( ebenda) be-saßen die Angelsachsen bei ihrer Landungin England im 5. Jahrhundert durchaushölzerne Schiffe. Wie mir der Anglizistder Wiener Universität, Professor Karl Luick,mitzuteilen die Freundlichkeit hatte, geht ausder altenglischen Literatur hervor, daß dieAngelsachsen im 9. Jahrhundert sicherkeine Fellboote mehr hatten.
¹) Der Ausdruck findet sich bei: Cicero, 5. Redegegen Verres",§ 80; Plutarch,„ Lucullus" II,13 u. a. m.
2) Wackernagel,„ Abhandlungen zur deut-schen Altertumskunde und Kunstgeschichte",im Kap. Handel und Schiffahrt der Germanen", S. 82.Leipzig 1872.
3) M. Hörnes,„ Natur- und Urgeschichtedes Menschen", II. Bd., S. 487. Wien und Leipzig,
Hartlebens Verlag, 1909.
4) Heinrich Schnepper,„ Die Namen derSchiffe und Schiffsteile im Altenglischen",S. 11. Kiel 1908.
Somit wäre es durch diese Angabenim Zusammenhalt mit den früheren mitgrößter Wahrscheinlichkeit erwiesen, daßdas Fellboot in Deutschland selbst an-zutreffen war. Es scheint aber auch durchdie erwähnten Quellen sichergestellt,daß keltische und ihnen verwandteStämme im Altertume und frühen Mittel-alter sich der Fellboote, wahrscheinlichvom Typus 1 und 2, bedient haben. Aller-dings ist es möglich, daß infolge vonvermutlich bestandenen Wechselbezie-hungen zwischen Britannien und dennördlichen Küsten Deutschlands, ebenauf Grund dieser Beziehungen, in Nieder-deutschland Fellboote anzutreffen waren.
Für Skandinavien geht es aus den ver-fügbaren Quellen hervor, daß es möglicher-weise dort Fellboote in einer nicht ver-läßlich bestimmbaren Zeit gegeben habenkann, es ist dies aber meines Erachtensbis jetzt in keiner Weise sichergestellt.Auch läßt sich über den dort zu ver-mutenden Typus des Fell bootes nichtsaussagen. Eirikr Magnusson 1) sucht mittelsphilologischer Argumente das Vorhandengewesen-sein von Fellbooten in Skandinavien für irgendeine ferne Epoche festzustellen. So weise derin der„ Edda" vorkommende Ausdruck„ Skidbladnir", für Boot, wobei„ skid" Scheide,,, bladnir"= Blatt, Lappen, d. h. ein Stück Fell,auf das Fellboot hin. In einer Sage sei er-wähnt, daß der Held" Thorgill" sich in Grön-land von einem Eskimo Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimo ein„ hudkeipnir", d. h.ein Fellboot, habe bauen lassen. In dem Werke,, Snorris' Heimskringla" werde ein Fellbooterwähnt, das von einem Lappen Glossar ::: zum Glossareintrag Lappen gestammt
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habe. Doch muß der Verfasser die sehr ins Ge-wicht fallende Tatsache zugeben, daß ernirgends in einer historischen Quelle dasFellboot in Skandinavien erwähnt fand.
Ferner will Magnusson durch das Vorkommendes Wortes ,, sud"( lat. suere)=" nähen" undähnlicher Ausdrücke als schiffsbautechnischer Be-
zeichnungen im Skandinavischen den Schlußziehen, daß Boote in Skandinavien dereinst
¹) Eirikr Magnusson,„ Notes on shipbuil-ding and nautical terms of Old in the North",S. 11, 14 und 16. London 1906.