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Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit und Gegenwart
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Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit u. Gegenwart. 167

Der Historiker François de Mézeray ¹)behauptet, daß zur Zeit Julius Cäsars anden Meeres küsten Frankreichs undDeutschlands Fellboote zur Anwendung ge-langten, mit denen auch größere Reisen unter-nommen wurden. Doch ist diese Nachricht wohlmit einer gewissen Vorsicht zu behandeln, da derAutor gar keine Quellen als Grundlage dieserAnnahme anführt. Wie aus der Einleitung desWerkes hervorgeht, identifiziert Mézeray diekeltischen und germanischen Volksstämme zurZeit Julius Cäsars.

Dem römischen Schriftsteller Marcus An-naeus Lucanus( 39 bis 65 n. Chr. Geb.) zufolgesoll es bei den Venetern in OberitalienFellboote gegeben haben. Woher der Autor,der diesen Volksstamm sicherlich nicht auseigener Anschauung kannte, seine Nachrichtenbezieht, wissen wir nicht. In dem Epos" Pharsalia" oder De bello civili" diesesSchriftstellers heißt es( Vers 131 bis 135): Erstwird der grauen Weide Ruten werk befeuchtetund zu einem kleinen Schiff geflochten undmit des getöteten Stieres Haut überzogen.So trägt es den Schiffer und überquert denwallenden Strom. So schifft der Veneter aufden stehenden Gewässern des Po, und SOschifft der Britanne über das Meer." DieVeneter sind ein illyrischer Stamm, nicht mitdem keltischen Stamme gleichen Namens, derGallia Lugdunensis( die Gegend des heutigenLyon) bevölkerte, zu verwechseln; die Fellbootekönnen sie aber gleichwohl von den früher inderselben Gegend ansässig gewesenen Keltenübernommen haben.

Nach einem Bericht des griechischen Schrift-stellers Strabon( 60 v. Chr. Geb.) fanden sichFellboote bei den Lusitaniern in Spanien,die wir sicherlich als einen den Keltenverwandten Volksstamm bezeichnen müssen.Strabon dürfte seine Nachrichten dem Histo-riker Polybius oder Posidonius( 2. bis 1. Jahr-hundert v. Chr. Geb.) entnommen haben.Strabons Geographica"( Ausgabe Casan-bonus) heißt es im Buch III, S. 155: Sie( dieLusitanier nämlich) gebrauchten Fahrzeuge

In

1) François de Mézeray, Histoire de Franceavant Clovis", S. 55. Amsterdam 1720.

aus Tierfellen wegen der Überschwemmungenund der stehenden Gewässer."

Diese uns über die Lusitanier undVeneter vorliegenden Nachrichten machen es,da ja auch Oberitalien um 400 v. Chr. Geb.von Kelten bevölkert war, wahrscheinlich, daßdas heute in Großbritannien noch üblicheCoracle als ein im Altertum bei der Mehr-heit der keltischen Stämme vorhandenesKulturgut anzusehen ist.

Diese Behauptung möchte ich auch aufrechterhalten, trotzdem Sven Nilsson ¹), als einzigermir bekannter Autor, das Coracle als einenImport der Phönizier von Mesopotamien herdeuten möchte. Er beruft sich dabei im wesent-lichen darauf, daß die Phönizier im Altertumdie Cassiterides kolonisiert haben, daß der vonmir aufgestellte Typus 2 sowohl in Groß-britannien und Mesopotamien vorkomme, unddaß schließlich in Westeuropa auch sonst nochbezüglich anderer Kulturgüter sich Einflüsseder Phönizier geltend machen. Diese Argu-mentation erscheint dem Unbefangenen dochals etwas zu kühn, um darauf eine so schwer-wiegende Theorie aufbauen zu können. DieZeugnisse, die der Verfasser aus dem Altertumevorbringt, sind, glaube ich, so willkürlich inseinem Sinne gedeutet, daß es wohl nicht dieMühe verlohnt, darauf näher einzugehen.

Aber auch bei den germanischenStämmen Deutschlands scheint das Fell-boot vorgekommen zu sein. So berichtetCajus Sollius Sidonius Apollinaris ausLyon( 430 bis 490 n. Chr. Geb.). In seinemWerke Carmina", Buch VII( V, 370 ff.)heißt es: Der sächsische Seeräuber, demes ein Spiel ist, auf seinem Felle das britan-nische Meer zu durchforschen und auf zu-sammengenähten Nachen die grauschäu-mende Flut zu durchschneiden..." WoherApollinaris seine Angaben schöpft, ist leider

nicht zu ermitteln.

Isidor, Bischof von Spanien( um 600n. Chr. Geb.), berichtet in seinem Werke" Origines"( Etymologien), Buch XIX,Kap. 1, wo er de navibus" abhandelt[ er spricht1) S. Nilsson, Die Ureinwohner des skandi-navischen Nordens. I. Bronzezeitalter, S. 16,19, 20.