Druckschrift 
Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit und Gegenwart
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

166

Dr. med. et phil. Rudolf Trebitsch,

Coracles bleiben durchschnittlich drei Jahre ge-brauchsfähig. Stellt sich auf dem Boden desFahrzeuges ein Leck ein, so wird es durch einLeinwandstück verschlossen, welches einer nichtunmittelbar mit dem Wasser in Kontaktstehenden Stelle entnommen ist. Dabei wirdrings um die schadhafte Stelle behufs Erzeugungder Wasserdichtigkeit in derselben Weise wiebei der Herstellung des Bootes das erwähnteGemisch aufgetragen.

Verbreitet ist das Coracle gegenwärtigin den von Kelten bewohnten Gegenden, undzwar in Wales auf den Flüssen Towyc, Dee,Wye und Severn, in Irland auf dem FlusseBoyne, nahezu an der ganzen Westküste,wo es auch in manchen Seen anzutreffen ist,auf der Insel Aran, der Gruppe der Aran-inseln und der Insel Clare.

Die Frage, woher das Coracle stammt,finden wir bei Daniel Wilson 1) behandelt.Der Autor weist auf die Ähnlichkeit mit demamerikanischen Fellboot und mit dem Eskimo-kajak Glossar ::: zum Glossareintrag kajak, der bekanntlich auch ursprünglich un-gedeckt war, hin. Ferner bezieht er sich aufeine mündliche Tradition, der zufolge einEskimo Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimo dereinst in Schottland mit seinem Kajakgestrandet sein soll.

Auf so wenig stichhaltige Argumente hinglaubt Wilson einen Zusammenhang zwischenKajak und Coracle aufstellen zu müssen. Ausprähistorischen Gräberfunden in Wales vermutetProf. Boyd Dawkins 2), auf die Anwesenheitvon Basken oder eventuell Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos in denheutigen keltischen Gegenden Großbritanniensschließen zu dürfen. Auf diese SO vagenanthropologischen Angaben hin, die nicht mitSicherheit zwischen Basken und Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos unter-scheiden können, einen Zusammenhang zwischenKulturgütern der Kelten und der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimosstatuieren zu wollen, scheint doch sehr aus derLuft gegriffen. Die Marques of Bute ³) weistneuerlich auf die mündliche Tradition hin, derzufolge Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos in Großbritannien gewesen

¹) Daniel Wilson," The prehistoric man",Kap. VI, S. 117. London 1865.

2) Boyd Dawkins," The ancient ethnologyof Wales" 1882 in Y Cymrodor"( eine welsche, inLondon erscheinende Zeitschrift).

3) Marques of Bute, On the Ethnology ofWelsh race", in" Y Cymrodor", London 1883.

sein sollen. Sie führt sogar das Vorhandenseinsehr kleiner Leute auf der Insel Lewis daraufzurück. Diese allzu kühnen Schlußfolgerungenaus einer gar nicht wissenschaftlich näher be-gründeten, bloß im Volksmunde kursierendenErzählung müssen wir wohl als ernsthafter-weise ganz unverwertbar zurückweisen. FranzBoas¹) glaubt die Theorie von Boyd Dawkinsdadurch stützen zu können, daß er auf dieÄhnlichkeit zwischen prähistorischen Harpunen-spitzen in Europa und Schnitzereien der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos,und zwischen prähistorischer Ornamentik inEuropa und der des arktischen Kulturkreisesin Amerika hinweist. Er betont aber, daß da-durch bloß die Möglichkeit der TheorieBoyd Dawkins besser fundiert erscheine, aberniemals ein Beweis für sie geliefert sei.

Ich glaube aber, daß wir uns sicher-lich hinsichtlich des Coracle der Ver-mutung entschlagen müssen, einen Zu-sammenhang zwischen ihm und demEskimokajak Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimokajak zu konstruieren; dafür sindnämlich nur allzu vage Voraussetzungenvorhanden. Hingegen möchte ich dasCoracle als keltisches Kulturgut an-sprechen, weil dafür die Berichte ausdem Altertum bezüglich des Vorkommensdes Fellbootes bei anderen keltischenStämmen sprechen. Meine Ansicht er-hält noch eine ganz schwache Stützedurch die in Wales verbreitete mündlicheTradition, daß das Coracle von der Donauherstamme. Wir wissen ja, daß die Keltenzur Zeit Julius Cäsars die Donauländer, einengroßen Teil Deutschlands und früher schon Gal-lien, Spanien und Oberitalien bevölkert haben 2).

Wenn wir im folgenden die Verbrei-tung des Fellbootes im übrigen Europaim Altertum und im frühen Mittelalteran der Hand der Quellen verfolgen, sokönnen wir da nicht zwischen Typus 1und 2 unterscheiden. Es mag sich mög-licherweise um einen oder um beideTypen gehandelt haben.

1) Franz Boas, Die Resultate der Jesup-Expedition" in dem Werke: Internationaler Ameri-kanisten- Kongreß". Wien und Leipzig, Hartleben, 1908.2) Vgl.: Richard Andree, Die Überreste derKelten", Globus 1880.