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Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit und Gegenwart
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Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit u. Gegenwart. 163

nach Britannien in den Jahren 55 und 54 Ge-legenheit hatte, die Gebräuche der Bevölkerungkennen zu lernen. Im Buch I seines Werkes,, De bello civili"( Über den Bürgerkrieg, 49bis 45) schreibt er in bezug auf den Krieg inSpanien im Kap. 54, 1 bis 3:" Als die Lageder Dinge so mißlich war, alle Wege von denReitern des Afranius besetzt waren, und mankeine Brücken schlagen konnte, befahl Cäsarden Soldaten, Schiffe in der Art zu bauen, wiees ihn in früheren Jahren das Verfahren derBritannen gelehrt hatte: Die Kiele und dasGerippe der Schiffe wurden aus Holzverfertigt, der übrige Schiffskörper ausRuten geflochten und mit Häuten über-zogen."

Cajus Publius Plinius secundus major( 23 bis 79 n. Chr. Geb.) berichtet, wahrschein-lich auf griechischen Quellen, die er mit Vor-liebe benutzte, fußend, in seiner Historianaturalis" im Buch VII, Kap. 56, oder nachanderer Einteilung§ 206: Auch jetzt werdenim britannischen Ozean noch Schiffe ge-baut, die mit Leder umnäht sind." ImBuch XXXIV, Kap. 156, heißt es: Es folgtdas Blei, von dem es zwei Arten gibt, dasschwarze und das weiße. Dieses ist am wert-vollsten. Die Griechen nennen es cassiterum( Zinn) und erzählen davon fabelhafterweise,daß man es von den Inseln des AtlantischenMeeres hole und zwar auf Fahrzeugen, diegeflochten und mit Leder umnäht sind."Unter diesen Inseln sind jedenfalls die briti-schen zu verstehen, deren griechischer Nameκασσιτερίδες= Zinninseln von κασσίτερος= Zinnabgeleitet ist. Mit den beschriebenen Bootensind wohl die Coracles" gemeint, zumal wiraus späteren Quellen wissen, daß sie wirklichzu weiten Meerfahrten benutzt wurden.

Auf Plinius beruht wieder Cajus JuliusSolinus, ein römischer Schriftsteller des drittenJahrhunderts n. Chr. Geb. In seinem Werke,, De mirabilibus mundi"( Über die Merk-würdigkeiten der Welt") oder Polyhistor",das ein Exzerpt aus Plinius Historia naturalis"darstellt, heißt es im Kap. XXII, wo der Ver-fasser von dem Irland und Britannien trennen-den Meere gesprochen hat: Sie fahren aberauf Schiffen, die sie aus Ruten flechten

und mit einer Hülle von Rindshäuten um-geben." Es sind hier jedenfalls sowohl dieBewohner Irlands als auch die Britanniens ge-meint.

Im 4. Jahrhundert begegnet uns eineNachricht des Rufus Festus Avienus. Erschreibt in seiner Dichtung Ora maritima"( ,, Meeresküste"), V, 101 bis 107: ,, Und auf ihrenbekannten Fahrzeugen übersetzen sie die wallendeMeeresenge und den Strudel des ungeheurenOzeans. Denn sie wissen nicht, aus Fichteoder Ahorn Kiele zu zimmern, nicht aus Tannen-holz können sie, wie's der Brauch ist, Kähneherstellen, sondern wunderbarerweise verfertigensie ihre Fahrzeuge aus verbundenenFellen und durcheilen oft auf dem Leder

das weite Meer." Aus den vorhergehendenVersen ergibt sich, daß der Autor von denOestrymnides, die bei den meisten lateinischenSchriftstellern Cassiterides heißen, spricht,womit also die britischen Inseln gemeint sind.

Nun das Mittelalter: Aus dem Lebendes heiligen Endeus", der auf der InselAran, westlich von Irland, lebte und dort imJahre 524 starb, erfahren wir in den ActaSanctorum", herausgegeben von Bollandus",Antwerpen 1668, im Band 21, mart. 268 B: Eswar nämlich in jenen Gegenden um die da-malige Zeit eine Art von Schiffen gebräuch-lich, aus Ruten zusammengesetzt und mitOchsenhäuten bedeckt, welche in der schotti-schen Sprache ,, Currach" genannt werden.

Der britische Mönch Gildas sapiens( 504bis 570), der die hier in Betracht kommendenVerhältnisse wohl aus eigener Anschauungkannte, schreibt in seinem Werke ,, De Excidioet conquestu Britanniae"( Über die Ver-wüstung und Eroberung Britanniens) in I, 45:,, Es erheben sich wetteifernd von ihren Co-racles( Curucis), auf denen sie über dasTiticatal gefahren sinddie häßlichen

Scharen der Picten und Scoten." Es handeltsich hier um Einfälle der Picten und Scotenin England, Ereignisse, die sich seit dem4. Jahrhundert des öfteren wiederholten unddie wohl auch dem Titel des Werkes zugrundeliegen. An dieser Stelle taucht zum erstenMale in der Literatur das Wort Coraclein seiner lateinischen Form curucis" auf.

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