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Dr. med. et phil. Rudolf Trebitsch,
umgekehrt oder auch nur auf eine geistige| Dieses Wort ist mit geringer Änderung in dieVerwandtschaft dieser Typen untereinanderschließen.
Es scheint dafür, ob in irgend einem Ge-biete Fellboote, Rinden- oder Holzboote auf-tauchen, nur das von der Natur aus dort vonvornherein dem Menschen zur Verfügung stehendeMaterial verantwortlich zu sein. Diesen Stand-punkt teilt auch Eduard Hahn ¹). Doch kommtman, wie sich im Verlauf dieser Abhandlungzeigen wird, mit diesen Argumenten nicht aller-orts zur Erklärung des Vorhandenseins oderNichtvorhandenseins von Fellbooten aus.
Über die Verbreitung des Fellbootesist in der bisherigen Literatur so gutwie nichts zu finden, weshalb ich meineAufmerksamkeit in dieser Schrift haupt-sächlich auf diesen Punkt gerichtet habe.
Um das Thema möglichst erschöpfend zubehandeln, will ich nicht bloß die Gegenwart,sondern auch die Vergangenheit in Betrachtziehen. Dabei sollen die einzelnen Erdteileseparat besprochen und die Richtung von Westennach Osten eingeschlagen werden.
A. Europa.
Hier finden wir Typus 1 und 2 vor allemin Großbritannien vertreten und dort unterdem Namen„ Coracle" bekannt. Es erweistsich als praktisch, beide Typen in diesem Ge-biete gemeinsam zu behandeln, da sie auch vonder Literatur und der Sprache, wie ja der ge-meinsame Name" Coracle" beweist, nicht aus-einandergehalten werden.
Zur Erklärung des Wortes" Coracle"möge folgendes dienen: Aus der Literatur 2)geht hervor, daß sich das Wort aus dem iri-schen ,, Curach", welches so viel wie„ Haut"( des menschlichen Körpers) bedeutet, ableitet.
welsche Sprache übergegangen, von da aus indie englische, in welcher es zu„ Coracle" wurde.In den mittelalterlichen lateinischen Autorenfindet sich der ebenfalls aus dem Irischen ab-zuleitende Ausdruck„ Curucus"(?). Das armo-rische( bretonische) Wort„ cur" hängt damitzusammen, und hierfür wird als Wurzel daslateinische Wort„ corium"( Haut), das sicher-lich wieder mit dem griechischen Worte xóotovzusammenhängt, angeführt. Wir sind also ausetymologischen Gründen berechtigt,„ Coracle"mit„ Fellboot" zu übersetzen, wollen aber beidem Ausdrucke, Coracle" bleiben, um spezielldie beiden in Großbritannien sich vor-findenden Typen zu bezeichnen.
Nun eine chronologische Übersicht der das,, Coracle" betreffenden Literatur: Wir führenzunächst Stellen an, die sein Vorkommen inBritannien im Altertum bezeugen:
Der griechische Schriftsteller Timaeus, derim 3. Jahrhundert v. Chr. Geb. lebte, istunseres Wissens der Erste, der über das Auf-treten des Fahrzeuges im Altertum berichtet.Dies entnehmen wir aus einer Stelle des CajusPublius Plinius secundus major( 23 bis 79 n. Chr.Geb.), in dessen Historia naturalis, IV. Buch,Kap. 104, folgendes zu lesen ist:„ Der Geschicht-schreiber Timaeus berichtet, daß die Insel Mictisvon Britannien sechs Tagereisen zu Schiff ent-fernt sei. Dort komme das weiße Blei vor.Zu dieser Insel schiffen, behauptet er, die Bri-tannen auf geflochtenen und mit Lederumnähten Fahrzeugen."( Es ist leider un-bekannt, welche Insel mit Mictis gemeint ist.)Daraus geht hervor, daß die Griechen bereits
im 3. Jahrhundert v. Chr. Geb. von derVerwendung solcher Fahrzeuge auf denbritannischen Inseln wußten. Wahrschein-lich hatten sie diese Kenntnis durch Pytheas ¹)erlangt, der um 300 v. Chr. Geb. uns seine
1) E. Hahn,„ Über die Entstehung der älte-sten Seeschiffe" in der Zeitschrift für Ethnologie", Erfahrungen von Land und Leuten in Berichten
Heft 1 und 2. Berlin 1907.
2) Holders alt keltischer Sprachschatz, untercurucos". O. Schraders„ Reallexikon der indo-germanischen Altertumskunde" unter„ Schiff-fahrt". Whitley Stokes, Urkeltischer Sprach-schatz", unter„ Kuruko"." Thesaurus LinguaeLatinae", unter curucus". In diesen Werken sindauch einige der späterhin besprochenen lateinischenQuellen des Mittelalters und Altertums angegeben.
niederlegte.
Die chronologisch nächste Erwähnung findetsich bei Cajus Julius Caesar( 100 bis 44v. Chr. Geb.), der auf seinen zwei Expeditionen
¹) Die Hauptquellen für unsere Kenntnisse derEntdeckungen des Pytheas sind Strabon und Poly-bius, die aber zum Teil gegen ihn polemisieren.