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Fellboote und Schwimmsäcke und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit und Gegenwart
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WIEN

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Fellboote und Schwimmsäcke

und ihre geographische Verbreitung in der Vergangenheit

und Gegenwart.

Von Dr. med. et phil. Rudolf Trebitsch, Wien.( Mit 13 Abbildungen.)

Unter einem Fellboot verstehe ichein Schiffsfahrzeug, das im wesentlichenaus einem Gerippe aus Holz oder einemäquivalenten Material, das mit irgend-welchen Tierfellen oder deren Surro-gaten in Verbindung gebracht ist, be-steht, um dessen Tragfähigkeit auf demWasser zu sichern.

Einbeziehen möchte ich auch diejenigenFortbewegungsmittel auf dem Wasser, die sichals bloße Tierhäute oder deren Surrogaterepräsentieren.

Wir haben da verschiedene Haupttypen zuunterscheiden.

1. Das Schalenboot, die Gestalt einerhalben Kürbis- oder irgend einer anderenähnlichen, bald mehr rund oder mehr ovaloder auch in Ecken gelegten halbenFruchtschale darbietend. Es besteht auseinem Gerippe aus Holz oder ähnlichemMaterial, das mit einem Tierfell oderErsatzstoff eines solchen überspannt ist.

2. Das kahnartige Fellboot, das ausdenselben Materialien hergestellt ist wiedas unter 1. erwähnte Fahrzeug, dabeiaber ungefähr die gleiche Gestalt dar-bietet wie die in allen zivilisierten Län-dern gebräuchlichen Ruderboote.

3. Das allseitig gedeckte Fellboot,der Kajak, das nur an der bzw. denStellen eine Öffnung hat, wo der bzw.

Archiv für Anthropologie. N. F. Bd. XI.

die Ruderer sitzen, in seiner sonstigenBauart aber dem Typus 2. gleicht.

4. Das Gerüstboot, das aus einem höl-zernen Balkenwerk, sich in verschieden-ster Richtung durchkreuzender Holz-stücke besteht. Daran sind, je nachBedarf und Landessitte wechselnd, eineAnzahl von zu luftgefüllten Säcken ver-.einigten Tierhäuten, d. h. Schwimmsäcken( s. unten), befestigt.

5. Tierfelle oder deren Surrogate, diezu mit Luft oder irgend einem leichtenMaterial gefüllten Säcken vereinigtwerden und zum Durchschwimmen vonFlüssen dienen, die wir kurzweg Schwimm-säcke nennen wollen.

Schurtz¹) bringt die Fellboote in einervon ihm gegebenen Einteilung der Schiffe mitden Rindenbooten und den zusammengesetztenHolzkähnen in eine, während er dieser eine.andere aus den Einbäumen gebildete Gruppegegenüberstellt. Er unterscheidet nämlich Schiffe,die aus flächenhaften Stücken erst zu einemHohlkörper zusammengefügt und solche, dieaus einem soliden Körper durch Aushöhlenverfertigt werden. Doch wäre es sicherlichgefehlt, wollte man, von dieser Einteilung be-einflußt, auf irgend eine Entwickelung des Fell-bootes aus dem Rinden- oder Holzboot, oder

¹) H. Schurtz, Urgeschichte der Kultur",S. 462. Leipzig und Wien 1900.

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