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Milchhirse oder Milchreis. Bei den Podluzaken in Mähren schließt dasHochzeitsmahl, damit es dem neuen Haushalt nie an Geld fehle, miteinem Gericht Hirse. Die Portionen dieses Breis werden wie dieKonfetti der Bacchanalien in der Runde herumgeschleudert als Anteilfür die in den Lüften mit anwesenden Seelen- oder Ahnengeister( Scheible, XII, 187); auch bei den Ungarn wird das Hochzeitsmahl mitHirse beschlossen( l. eod. 189). Bei den alten Griechen war die Hirse einGericht im Kulte der Liebes- und Ehegöttin, weshalb diese den NamenAppodien xeypis erhielt( Scheible, XII, 206). Im deutschen Böhmenwird von dem hochzeitlichen Hirsebrei nur ein Löffel voll gegessen,der übrige Inhalt samt der Schüssel an die Stubendecke oder vordie Türe geschmettert, so daß es die Seelengeister hören müssen,daß auch sie gleichsam mitspeisen; diese versöhnende Communio mitden Seelengeistern bringt dem Ehepaare Glück und Wohlstand( John, Sitten, 153). In dem Dorfe Bergen bei Nikolsburg in Mährenißt das Brautpaar in der Kirche(!) aus einem Topf solchen Brei( Schröer, 37); auch in Lützellinden bei Gießen ist der Hirsebrei dasaltertümlichste Gericht der Hochzeit( Hess. Bl. f. V.-K. V, 164): selbstauf fürstlichen Hochzeiten durfte ehemals der Hirsebrei nicht fehlen.Im Egerland geht das Sprichwort:» er ist wie der Hirsebrei auf allenHochzeiten«<, so selbstverständlich war derselbe( H. John, Sitten, 152).Auf oberdeutschen Hochzeiten erhielten im Mittelalter je vier zu-sammen eine Schüssel Hirsebrei:
, einez, das beschach mit namen,Das man fieren ie ze samenhirs in ainen Kübel richt."
( Hagelstange, 118.)
In der Volkssage ißt das elbische Kleinvolk der Zwerge( Querxe)bei der Hochzeit als Gäste mit und nehmen auch uneingeladen( alsSeelengeister) Platz, so daß sich allemal zwischen zwei Hochzeits-gästen ein Querx einsetzt( Büsching, 74). Im Oldenburgischen setztensich nach der Sage die Erdwichter( Hausgeister) bei der Hochzeitder Tochter des Hauses auf Anrufung der Mutter an den Hochzeits-tisch; erst als sie mit dem Mahle fertig waren, verschwanden sie imPferdestall und die Hochzeitsgäste setzten sich dann erst zum Essen,wobei sie unter jedem Teller einen Thaler fanden als Lohn für dieihnen gespendete Nahrung.( Strackerjahn, Aberglaube und Sagen ausdem Herzogtum Oldenburg, I, 407.) Diese Züge bezeugen, wie hart-näckig der Seelenkult und die Art der Seelenspeisung ist. In Mecklen-burg, am Niederrhein, in den Niederlanden, Dänemark, Braunschweig,im Bergischen, Hessen, Nassau, Schwaben, Tirol, Böhmen, Nieder-österreich etc. trat an Stelle des altmodischen Hirsebreies die teureweiße Reisgrütze, gebackener Reis, Milchreis, Brautreis oder diesafrangelbe Reissuppe. Ist in Niederösterreich der Hochzeitszug amHaus angelangt, so beginnt vor allem das» Brein- Kosten. Mitten aufdem Tisch steht eine Schüssel voll Reis( ehemals» Brein«<) mit einem