Druckschrift 
Gebildbrote der Faschings-, Fastnachts- und Fastenzeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

80

Der Sonntag Invocavit heißt in der Schweiz auch» Öhrlisuntig<<wegen der schon besprochenen» Hasenöhrl«.( S. oben S. 46 ff.) Die Mädchenbeschenken in der Schweiz die jungen Burschen mit Gebäcken in derForm eines Hasen, wenn diese vor ihrem Hause den Täuberichruf>> gru-gru!« ertönen lassen.( Schw. Id., II, 1667.) In jedem elsässischen Hausewerden außer den schon erwähnten Fastnachtskücheln und Funkenküchelnauch diese dreieckigen Öhrle gebacken.

Eine Fortsetzung der Fastnachtsgebäcke sind auch die mond-förmigen Horngebäcke. Nach Nik. Kindlingers Münsterische Bei-träge z. Gesch. Deutschl., II, 56( Urkunden) wurde 1090 schon geschrieben:>> ut semper in Quadragesima VIIII modios tritici pro eis reddat, undeomnibus in communi a quinta feria post caput jejunii tertia et sexta etSabbatho usque in tertiam feriam ante Pascha panis novus in modumLunae formatus detur«<; dieses täglich neugebackene Mondbrot warjedenfalls eine klösterliche Gesindespende der Fastnachtszeit, im KlosterFreckenhorst ausgedehnt auf die Fastenzeit.

Ringförmige Gebäcke( Kringel und Brezeln) sind hierbei nurfastenzeitliche Gebildbrote ohne allen Zusammenhang mit dem Sonnen-kult. Der Funkenring*) ist ein zu diesem Tage in Schmalz gebackener,aus feinerem Teig geflochtener Kranz oder eine sogenannte Laugenbrezelder Fastenzeit, die nach dem Sieden in Lauge noch einmal mit frischemTeige überschüttet und dann erst in Schmalz( der Fastnachtszeit) gebackenwird; durch die Hitze des Fettes wird der Brezelring noch größer, zer-rissener, zackiger, flammender, ein echter Funkenring. Der BiberacherFunkenring) ist ein Kranzgebäck, welches aber zum Zeichen der Zeiteine Fastenbrezel auf seiner Oberfläche trägt( wie der Osterzopf dasOsterei). Im Allgäu ist der Funkenring oft armdick und sehr groß.( Z. f.d. M., I, 442.) Manche Funkenküchel werden durch die Durchlochung zuringförmigen Gebäcken.( Rochholz, Illustr. Ztg. 1868, 228; R. D., 71.) Auchmit solchen Funkenringen( Zeitgebäck) regalieren sich die Liebespaare,wobei an der Mosel dieselben die Brezeln brechen.( Mannhardt,Waldk., 453, 539.)( Fractio panis.) Solche Kringel oder Brezeln werden fürden sogenannten Fastenmarkt an manchen Orten wie eine kettenförmigeDoppelreihe von 2 X 10 kleinster Brezeln( Fastnachts- oder Fastenkringel,Königsberg i. Pr.) hergestellt; sie heißen auf dänisch fastekringle, sonstauch Fastelabendkringel( Westpreußen); sie werden groß aus rundgerolltemTeige, in Dänemark aus ungesäuertem Teige hergestellt; im Braun-schweigischen heißen sie» Knappekrengel«<; sie setzen sich bis zur Oster-zeit fort; sie sind aus magerem Pfennigbrotteig für die magere, knappeFastenzeit gebacken, während sie anderwärts in der voraufgehendenFastnachtszeit mehr fettreich sind.( Butterkringel, Schmalz-, Schmant-,Schmeerkringel; schwed. smörkringla; dän. smørekringle; ital. ciambella;zu mlat. camella= Butterfaẞ, Milchnapf, D., II, 69.) Wir haben schonin unserer Abhandlung über das Brezelgebäck( Arch. f. Anthropol. 1904,*) Abbildung s. Brezelgebäck, Fig. 80- 82.