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Gebildbrote der Faschings-, Fastnachts- und Fastenzeit
Entstehung
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man aber immer mit einer gewissen Ehrfurcht vornahm. Die Ehrfurchterstreckte sich auch auf das Althergebrachte, namentlich im Kult derder Fruchtbarkeit und dem Ackerbau vorstehenden Gottheiten, die sichaus den chthonischen Gottheiten entwickelt hatten. Mit der ehrfurchts-vollen Andauer des Totenkults( Trauerfasten) erklärt sich auch der Fort-bestand mancher Totenopfer in der christlichen Fastenzeit, welche ausälteren Zeiten symbolische Totengebäcke als Trauerbrote, Buß- undSühnebrote, die zu Heilbroten wurden, forterhielt, so vor allem das Opferder Schmuckringe*)( Brasselett) in abgelöster Teigform( Brezel), worüberwir in unserer Abhandlung» Das Brezelgebäck«( Archiv f. Anthropologie,III, 1904, S. 94) eingehend uns ausgesprochen haben und worauf wir hiermitverweisen müssen.

Als Fastenzeitgebäcke, Gebildbrote der Frühlings- oder Goldfastenvor Ostern, treten sie im Volksbrauche der letzteren Zeit nur mit demAschermittwoch auf. Mit dem Sonnenrade haben die Brezeln keine Be-ziehung.

Eine Besonderheit der christlich- germanischen Fastenzeit ist dasFastenmus:( 1290) legumina, quod vulgo sonat vastmůse;( 1335) vaẞ-mues( Argovia, V, 62);( 1446) vasmis, vaesmus( Schw. Id., IV, 491);( 1459)fastmuser.( Schmeller, I, 1675.) Für die Kost der Fastenzeit war der Legu-minosenbrei das Hauptmaterial; kirchlich waren auch die Früchte vonÖlpflanzen( Hanf) vorgeschrieben; man suchte um Dispens des erlaubten,aber fremden und teuren Öles nach; der Dispens ward in den sogenanntenButterbriefen gegeben( Lammert, 23), weil diese gegen Leistung des so-genannten Butterpfennigs( J. P. Schmidt, 35) die Erlaubnis gaben, Butteran Stelle von Öl zu verwenden in der Fastenzeit. Das klösterlicheFastenmus( Vastmues), wie gesagt, eine Speise für das strengere Bann-fasten, bestand im Chiemseer Kloster bis in das 12. Jahrh. hinein aus8 metrete papaveris( Magsamen, Mohn), 1 modius fabe( Bohnen) et pise( Erbsen). Das Fastenbrot wurde auch mit Honig und Mohnsamen( eineTrauerspeise) gegessen.( H. Peetz, 237.) Dieses Fastenmus konnte auchaus Spelt bereitet sein; nüchtern genossen, wurde es sogar wie eineSeelenspeise zum Heilmittel gegen Gicht:» mense martis( h) alicam coctamcum absinthio aut cum caroeno( eingedickter süßer Wein) accipiat quasijejunus«.( Hess. Bl. f. V. K., V, 163.)

Der Donnerstag nach Aschermittwoch heißt in derSchweiz schmutziger, Schaf-, Klupperen- Donnerstag, schmutziger Zündel-tag, großer Heumütterlitag, auch Weiberfastnacht Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberfastnacht( Grotefend); im Elsaß>> Schnitz- Dunstig«, weil das Hauptgericht dieses Tages Birnen- oder Äpfel-schnitze mit Speck ist( E. W., II, 666).

Der Freitag nach Aschermittwoch heißt in der Schweizschmutziger, rußiger, Chriden-, Braem-, Ziger- Fritig.

*) Die englischen metallenen Trauerringe( mourning- ringes) erhielten nochim 16. bis 17. Jahrhundert bei Sterbefällen die Angehörigen des Verstorbenen zumGeschenke.( Hazlitt, I, 257.)