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In Augsburg tråt zuzeiten an die Stelle des Fastnachtshuhns aucheine lebende Gans( Birlinger, 475) als Zinsabgabe.
Die Kirche führte an manchen Stellen der Fastenzeit wegen auchdie Faschings fische( Hecht, Karpfen) ein; mit diesem kirchlichen Fasten-gerichte oder Fastnachtsfisch hängt auch wohl der schleswigsche Slacker-mann zusammen. Die Fischermahlzeiten dieser Zeit( Scheible, VII, 806)aber sind ein Frühlingsmahl zum Zeichen der Eisfreiheit der Fischwasserund des Beginnes der Fischereiberechtigung.
Die für den Faschingsonntag vom deutschen Volksbrauche vor-geschriebenen vegetabilischen Festgerichte sind:
1. Die Urkost der Germanen: der bei keinem germanischen Festemit Seelenkult fehlende Hirse brei, der auch als Grütze, Mus, Suppe etc.auftritt und auch in Gegenden üblich ist, wo gegenwärtig keine Hirsemehr wächst, weil eben der Glaube an die segenspendende Wirkungdieser Kultspeise sich immer noch lebendig erhalten hatte. In Bayern,Franken und Niederdeutschland muß man, oft schon vor Sonnenaufgang,also nüchtern, Hirsebrei und Blutwürste( s. oben S. 28) essen, das schafft Geldund bewahrt vor Fieber( Wuttke³, 83); Fastnacht Hirse gegessen, quellt dasGeld( Mannhardt, Mythen, 152); Hirsebrei und Säusack(= Schwarten-magen, Preẞsack)( oder Schweineopfer) essen auf Fastnacht, das erhältdas ganze Jahr gesund( Oberbayern).( Panzer, Beiträge, II, 304.) Iẞt manam Fastnachtstage Milchhirse, so bringt das auch in der Schweiz Geld( Lütolf, 381). Eine Papierhandschrift des 14. Jahrhundertes( Jahn, 117)verbürgt uns auch, daß man aus der Verwendung des Hirsebreies fürdas kommende Jahr wie an einem Lostage vor einem neuen Jahre pro-phezeite( Fastnachtsaugurium):>> Item an dem vaschangdag, so werfeytsy prein an die Dillen, velt er herab, so stirbt er des jars«<, das heißtdie Seelengeister des Hauses verweigerten die Annahme der Opferspeise,durch deren Mitgenuß der Spender sich sonst langes Leben erhoffte.Schoepf, 122, bezeugt uns diesen Brauch für Tirol. Die Hirse ward einso alltäglicher Brei, daß man unter» Brei« oder» Brein« fast nur Hirseverstand. Sogar die Kinder in der Siechenstube zu München( Findelhaus)erhielten in der Fastnacht( 1482)>> zu der dritten Richt( als drittes Ge-richt) ain guts Schüsselhefen vol guts semelmus wolberait<<( Lammert,187). An anderen Orten trat der Reisbrei an die Stelle des altväter-lichen Hirsebreies( 1470, reys, den man ist yn der vasten, D., I. 262); soin Freiburg noch. In Unterwürschnitz im Voigtlande wird Hirsebrei oderReis auf den Tisch gestellt, sonst muß im Voigtlande die Hausfrau sieben-oder neunerlei Speisen( Pancarpie, Panspermie) kochen, darunter mußHirse und Hering(= Fastenfisch) sein.( Wuttke 1. c.)
Von den Überresten des Hirsebreies werden im Ansbachischen auchdie Hühner wie auf Neujahr oder Weihnachten gefüttert( D. Gaue, 105/06,S. 33); auch sie sollen Anteil nehmen an dem Segen des Festgerichtes,durch dessen Communio auch den symbiotischen Haustieren wie denSippengenossen der Fruchtbarkeits- und Gesundheitssegen durch die Ver-söhnung der Seelengeister zuteil werden soll.