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An das Bock opfer der Lenzzeit erinnern: Der Schweizer Böggen-Möntig( Fastnachtsmontag nach Invocavit), das Erschlagen der Habergeiẞim Allgäu und der Hirschbock als Fastnachtsgebäck. Im württembergi-schen Zabergau wurde auf Fastnacht die sogenannte Weiberzeche Glossar ::: zum Glossareintrag Weiberzeche mit Bocks-braten, Butterkuchen und Wecken, welche die Bäcker auch feilhielten,abgehalten.( Köln. Ztg., 16, II, 1904, Nr. 137.)
Zur Fastnachtszeit bringt das Opfer eines schwarzen LammesErlösung aus der Gewalt der Dämonen( Friedreich, 494).
An das Frühlingsopfer des Hasen, der bei den bacchischen Dio-nysien eine Rolle spielte( die tanzenden Mänaden schwingen ihn imReigen empor[ s. Fig. 1]), erinnern die Hasenöhrl( s. unten). Der Hasen-braten in dieser Kultzeit verlieh ewige Schönheit. Gerade der Märzhaseist in der Volksmedizin eine ganz auffallende Erscheinung, namentlichals Mittel gegen Hautkrankheiten und Ruhrseuchen und als Fruchtbarkeits-mittel. Wenn Papst Zacharias 755 das Hasenfleisch, weil geilmachend,verbot, so war damit auch ein Grund dafür gegeben, daß die Klösterden lenzlichen Hasenbraten in ein Hasengebäck( Hasenöhrl[ s. unten])verwandelten.
Das Huhn opfer geht als Fastnachtshuhn durch ganz Deutschland,wo es fast von jedem Hörigen, der eine Herdstätte hatte, als>> Rauch-huhn«<*) gezinst wurde, wogegen das Fastnachtsküchlein oder das so-genannte Hennenmahl eine Gegenleistung war. Der sogenannte>> Hahnen-tanz<< war ein mittelalterliches Fastnachtsspiel( Hagelstange, 238;Büsching, I, 134; Scheible, p. VII), wobei das Huhn der Gewinn war; eineähnliche Volksbelustigung war auch in England das Fastnachtsspiel des>> Hahnenschlagens<<( Hazlitt, II, 475, 476); auch in Westfalen, Deutsch-böhmen und vielen anderen Orten war dieses das alte Huhnopfer stell-vertretende Spiel üblich( Z. f. ö. V. K. 1902, 178; John, Sitten, 215; WolfBeiträge, II, 439; Kuhn, Norddeutsche Sagen, 391; Vernaleken, 303; Z. d.V. f. rh. V. K., IV, 20 etc.)
Das Fastnachtshuhn( pullus carnisprivalis 1285 oder pullusabstinentialis 1313, pullus contemptativus 1349 im alten Mönchslatein)ist das alte Saathuhn, welches sowohl in der Frühlings- oderSaatzeit, alsauch in der Herbst- oder Erntezeit( Michaeli- Huhn)( 1299) gezinst wurde( Anton: Gesch. d. t. Landw., III, 414). Dasselbe konnte sogar als Zinsgabedas sogenannte Besthaupt bei Sterbefällen vertreten( 1. c. 167). Jeder Haus-besitzer, dessen Haus einen eigenen Rauchfang hatte( fumum gerens),gab für jede solche Herdstätte ein sogenanntes Rauchhuhn oder Fasel-nachthuhn(» yderman eyn fasnachthun, dy eigin roch hat«<, 14. Jahr-hundert) demjenigen, in dessen Schutz er sein Haus stellte, eine ArtRekognitionsgebühr( 1. eod. 415 ff.), die an die Stelle des alten zur Kult-stätte gespendeten Huhnopfers getreten war. In die Einnahmen derKultstätte teilten sich Kirche und weltliche Obrigkeit, die früher der Gode( Priester und Richter) beide vereinigte.
*) Vielleicht ehemals ein Opfer an die am Ofenherde verehrten Hausgeister,das von der Sippschaft beim gemeinsamen Mahle verzehrt wurde.